und Selbständigkeit erlangt hatten. Denn neue Schüler sollten auf die
obersten Klassen ganz selten und dann nur nach einer besonders sorgfältigen
Auswahl aufgenommen werden. Jene Zöglinge aber, die sich bisher
nicht gut bewährt hatten, wurden nicht in die Oberabteilung zugelassen,
sondern mußten vorher abgehen. Demnach wünschte man, daß die
Leute der OA die Kollegsregeln aus eigenem Antrieb und frei von Überwachung
beobachteten. Für sie genügte ein Präfekt. Eine Trennung der
Arbeitszeit ’in strenges und Freistudium war nicht mehr vorgeschrieben,
denn der junge Mann sollte lernen, selbst die Zeit des Studiums zu verteilen
und richtig zu verwenden. Durften die anderen Buben während der
Zeit des Stillschweigens nur mit Erlaubnis sprechen, so konnte das in der
OA ohne Erlaubnis geschehen. Ferner brauchten die OA-Leute nicht mehr
geordnet in Reihen durch die Gänge des Hauses oder nach dem Reichenfeld
auf die Spielplätze zu gehen; sie durften in den kleineren Erholungen
innerhalb bestimmter Grenzen frei spazieren. Dazu kamen verschiedene
geringere Freiheiten. Sie bekamen z. B. leichter die Erlaubnis, sich in der
Stadt selbst etwas zu besorgen. Das tat früher und auch dermalen noch der
Diener-Ausgänger, Jahrzehnte lang der „Franz" und nach ihm ebensolang
der „Xaver". Die Oberabteilung durfte gelegentlich einmal einem Konzert
oder sonst einer Veranstaltung in der Stadt beiwohnen. Auf den Nachmittagsspaziergängen
gingen sie zu drei oder mehr und durften außerhalb der
Stadt rauchen, obzwar vom Rauchen abgeraten wurde. Aber der Verzicht
ward der persönlichen Willensstärke anheimgestellt, Seit 1929 stand der
OA an den schulfreien Nachmittagen auf Garina ein Tennisplatz und ein
Raum im Landhaus zur Verfügung, wo die Leute spielen, musizieren und
in eigener Regie einen Imbiß oder einen Trunk nehmen konnten. Diese
geselligen Nachmittage fanden großen Anklang, wurden fleißig benützt und
zumeist auswärtigem Wirtshausbesuch vorgezogen. Die „Familienabende"
endlich, zu denen die OA gelegentlich Vorgesetzte und Professoren einlud,
boten Gelegenheit, auch einmal außeramtlich den Patres näher zu kommen.
Diese neue Einrichtung der Oberabteilung hatte sich, wie der Chronist des
Jahres 1919/20 berichtet, gut bewährt, Freilich war. diese Abteilung damals
noch klein, zählte nur 40 Mann. Als später das deutsche Gymnasium zur
Vollanstalt ausgebaut war, zählte sie mit ihren vier Klassen 80 und mehr
Leute. Einzelne Mißbräuche auch schwerwiegender Art blieben nicht aus.
Sie wurden aber klugerweise nicht durch allgemeinen Entzug der gewährten
Freiheiten geahndet, sondern durch eine mit fester Hand durchgeführte
Entlassung solcher Elemente, auch dann, wenn eine solche Maßregel in der
Maturaklasse harte Folgen nach sich zog. Solch strenges Eingreifen wirkte
heilsam auf die übrigen ein, so daß sie sich bemühten, die gegebenen Freiheiten
verständig und in kameradschaftlicher Rücksichtnahme auf alle
anderen zu benützen.
Weiteren Forderungen, denen die mehr abgeschlossene und klösterliche
Erziehung und Zucht der „guten alten Zeit“ auf die Dauer nachgeben
mußte, waren die Weihnachts- und Osterferien. Bis 1922 verblieben
die Zöglinge volle zehn Monate im Pensionat. Schulfrei waren 152