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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

= | daher nur die beiden Weihnachtsfeiertage und um Ostern die Kartage bis. 
Osterdienstag einschließlich (kleine Exkursion). Die Buben aus der näch­ 
sten Umgebung durften am zweiten Feiertag von Weihnachten, Ostern und 
Pfingsten nach Hause fahren, mußten aber abends wieder zurück sein. Im 
e ■ Dezember 1922 gab es zum erstenmale Ferien daheim, vom 21. Dezember 
bis zum 8. Januar. Wie wichtig der Fall genommen wurde, erhellt auch 
r daraus, daß die Sache mit der Gründlichkeit, die dem P. Rektor Fritz eigen 
war, sogar mit dem vom P. General geschickten Visitator P. Beukers be­ 
raten worden war. Begreiflicherweise drängten viele Familien schon lange 
r darauf, ihre Kinder am Weihnachtsfest daheim zu haben. Auch von Seiten 
r des Kollegs lagen Gründe vor: Die ununterbrochene Arbeit von zehn 
r Monaten ermüdete nicht nur das junge Volk — das Nachkriegsgeschlecht 
i war schwächer und zappeliger geworden —, sondern auch die Präfekten 
i und Professoren. Selbst die gestrengen Professoren mußten zugeben, daß 
e ( aus den weihnachtlichen Schulstunden, wo die Jugend ihr Interesse den 
r Eßkisten und anderen Weihnachtsgaben zuwandte, für die Wissenschaft 
r wenig herauszuschlagen war. Vom erzieherischen Standpunkt aus erschien 
j es ratsam, die Kinder nicht allzulange der Familie fernzuhalten, und man 
t durfte von der Neuerung Vorteile für die Zusammenarbeit mit der Familie­ 
erwarten. Freilich gab man damit auch etwas preis, was vielen früheren 
r Stellanern nicht nur eine traute Erinnerung, sondern auch ein bleibendes, 
t religiöses Erlebnis geworden war: die feierliche Mitternachtsmesse mit ge- 
r meinsamer Kommunion, eine Feier, welche die Stella Matutina infolge 
i eines eigenen päpstlichen Privilegs schon lange hielt, bevor sie Allgemein- 
1 gut in der Kirche wurde. 
e Die Osterferien (1933) verdankten ihre Einführung hauptsächlich dem 
1 Umstand, daß das deutsche Gymnasium, zur Vollanstalt ausgebaut, sich 
' dem in Deutschland üblichen Osterschluß des Schuljahres anpassen mußte. 
, Vor Ostern gingen die Abiturienten und manche andere deutsche Schüler 
ab, und neue traten nach Ostern ein. Das erforderte eine größere Pause; 
denn es waren die Vorbereitungen für die neuen Zöglinge zu treffen und 
aktive Zöglinge in andere Abteilungen umzugruppieren. Die neue Ordnung 
sah Osterferien vom Montag in der Karwoche bis Montag nach dem Wei­ 
ßen Sonntag vor und wurde von der Schulbehörde auch für das österrei­ 
chische Gymnasium bewilligt. Auch mit der Einführung der Osterferien 
opferte das Kolleg, der Not gehorchend, einen religiösen Wert, nämlich die 
gemeinsame Feier der herrlichen Karwochenliturgie, an welcher stets zahl­ 
reiche Angehörige von Zöglingen, die auf Besuch in Feldkirch weilten, 
teilzunehmen pflegten, 
Vaterländische und religiöse Betreuung 
Nicht geringe Schwierigkeiten stellten sich für die Erziehung nament­ 
lich der größeren Buben ein, als um die 30er Jahre die nationale 
i W e 11e über Deutschland ging und auch, nach Österreich herein schlug. 
Diese nationale Begeisterung erfaßte begreiflicherweise manche Schüler 
i und trug die Gefahr eines Zwiespaltes in ihre Reihen. Die deutschen Schü­ 153
	        
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