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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

ler mußten am Radio an Feiern, wie der Errichtung des „Dritten Reiches", 
des „Tages der Arbeit", teilnehmen. Es war schwer, die Linie zwischen echt 
vaterländischer Beeinflussung und nationalsozialistischer Weltanschauung 
immer zu wahren und der Jugend klar zu machen. Was den deutschen 
Schülern einer vom Reiche anerkannten Auslandschule gewährt und ge­ 
boten wurde, trat in Gegensatz zu der Haltung, wie sie vom Osterreicher 
verlangt wurde. Es war dem guten religiösen Geiste, wie er durchwegs in 
der OA vorherrschte, und der besonnenen Klugheit der Erzieher und Lehrer 
zu verdanken, daß mit geringen Ausnahmen die willige Unterordnung und 
die Einmütigkeit untereinander gewahrt blieb. 
Als dann Ostern 1934 die deutschen Zöglinge nach St. Blasien über­ 
gesiedelt waren, konnte die österreichische Jugend im Kolleg 
ohne Bedenken in höherem Maße in christlich-patriotischem Geiste zusam­ 
mengefaßt werden. Der damalige Unterrichtsminister Dr. Kurt von Schusch­ 
nigg, Altstellaner, richtete am 23. April 1934 eine feurige Ansprache unter 
dem Motto: „Das Vaterland ruft Dich!" an die Stellaner und gründete unter 
den Größeren den Verband der „Österreichischen Sturmscharen". P. Peitz 
übernahm, von P. Rektor bestellt, die geistige Ausbildung. Auch die jün­ 
geren verbanden sich zu ähnlichen Gruppen. Als Österreich am 1. Mai 1934 
seine neue Verfassung feierte, erklärte Dr. Otto Ender den Zöglingen den 
Bau und den christlichen Grundcharakter der von ihm geschaffenen Ver­ 
fassung. Den Höhepunkt vaterländischer Begeisterung aber bildete es, als 
am Feste Peter und Paul der Kanzler Dr. Engelbert Dollfuß die Stella 
Matutina besuchte und in seiner schlichten und gewinnenden Art die Stella- 
jugend mit zündenden Worten mit sich riß. 
Später wurde die Jugend im „Österreichischen Jungvolk" organisiert. 
Diese Gründung erfolgte als Reaktion Österreichs gegen nationalsozialisti­ 
sche Infiltration und war unter den gegebenen Umständen eine berechtigte 
Verteidigungsmaßnahme der Regierung gegen solche Beeinflussung der 
österreichischen Jugend. Es war zudem eine von den Bischöfen Österreichs 
approbierte Organisation. Naturgemäß bildete sich auch am Gymnasium 
Stella Matutina eine zahlreiche Gruppe dieses „Österreichischen Jung­ 
volkes". Sie wurde am 1. Mai 1937 eingerichtet und der Leitung des 
P. Jöhann Perzl unterstellt. Daß auch die Schweizer Zöglinge, die jetzt ein 
Drittel der Bubenschar bildeten und im besten Verhältnis zu ihren öster­ 
reichischen Kameraden standen, sich in gleicher Weise in der „Schweizer 
Sturmschar" (SSS) zusammenschlossen, lag im Sinne der Zeit und wurde 
sehr begrüßt. Bei ausschließlich vaterländischen oder politischen Kund­ 
gebungen traten diese Verbände getrennt, bei religiösen Feiern gemein­ 
sam auf. 
Eine Hilfe, den guten Geist unter der Jugend des Internates zu erhal­ 
ten, bildeten in der Stella Matutina von altersher die marianischen Kon­ 
gregationen, Seitdem im Jahre 1919 die beiden Pensionate mit­ 
einander verschmolzen waren, gab es drei Kongregationen: die der „Kö­ 
nigin der Engel" in der 3. und 4. Abteilung, die von „Mariä Verkündigung“ 
in der 5., und die der „Unbefleckt Empfangenen" in der Oberabteilung. 154
	        
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