ler mußten am Radio an Feiern, wie der Errichtung des „Dritten Reiches",
des „Tages der Arbeit", teilnehmen. Es war schwer, die Linie zwischen echt
vaterländischer Beeinflussung und nationalsozialistischer Weltanschauung
immer zu wahren und der Jugend klar zu machen. Was den deutschen
Schülern einer vom Reiche anerkannten Auslandschule gewährt und ge
boten wurde, trat in Gegensatz zu der Haltung, wie sie vom Osterreicher
verlangt wurde. Es war dem guten religiösen Geiste, wie er durchwegs in
der OA vorherrschte, und der besonnenen Klugheit der Erzieher und Lehrer
zu verdanken, daß mit geringen Ausnahmen die willige Unterordnung und
die Einmütigkeit untereinander gewahrt blieb.
Als dann Ostern 1934 die deutschen Zöglinge nach St. Blasien über
gesiedelt waren, konnte die österreichische Jugend im Kolleg
ohne Bedenken in höherem Maße in christlich-patriotischem Geiste zusam
mengefaßt werden. Der damalige Unterrichtsminister Dr. Kurt von Schusch
nigg, Altstellaner, richtete am 23. April 1934 eine feurige Ansprache unter
dem Motto: „Das Vaterland ruft Dich!" an die Stellaner und gründete unter
den Größeren den Verband der „Österreichischen Sturmscharen". P. Peitz
übernahm, von P. Rektor bestellt, die geistige Ausbildung. Auch die jün
geren verbanden sich zu ähnlichen Gruppen. Als Österreich am 1. Mai 1934
seine neue Verfassung feierte, erklärte Dr. Otto Ender den Zöglingen den
Bau und den christlichen Grundcharakter der von ihm geschaffenen Ver
fassung. Den Höhepunkt vaterländischer Begeisterung aber bildete es, als
am Feste Peter und Paul der Kanzler Dr. Engelbert Dollfuß die Stella
Matutina besuchte und in seiner schlichten und gewinnenden Art die Stella-
jugend mit zündenden Worten mit sich riß.
Später wurde die Jugend im „Österreichischen Jungvolk" organisiert.
Diese Gründung erfolgte als Reaktion Österreichs gegen nationalsozialisti
sche Infiltration und war unter den gegebenen Umständen eine berechtigte
Verteidigungsmaßnahme der Regierung gegen solche Beeinflussung der
österreichischen Jugend. Es war zudem eine von den Bischöfen Österreichs
approbierte Organisation. Naturgemäß bildete sich auch am Gymnasium
Stella Matutina eine zahlreiche Gruppe dieses „Österreichischen Jung
volkes". Sie wurde am 1. Mai 1937 eingerichtet und der Leitung des
P. Jöhann Perzl unterstellt. Daß auch die Schweizer Zöglinge, die jetzt ein
Drittel der Bubenschar bildeten und im besten Verhältnis zu ihren öster
reichischen Kameraden standen, sich in gleicher Weise in der „Schweizer
Sturmschar" (SSS) zusammenschlossen, lag im Sinne der Zeit und wurde
sehr begrüßt. Bei ausschließlich vaterländischen oder politischen Kund
gebungen traten diese Verbände getrennt, bei religiösen Feiern gemein
sam auf.
Eine Hilfe, den guten Geist unter der Jugend des Internates zu erhal
ten, bildeten in der Stella Matutina von altersher die marianischen Kon
gregationen, Seitdem im Jahre 1919 die beiden Pensionate mit
einander verschmolzen waren, gab es drei Kongregationen: die der „Kö
nigin der Engel" in der 3. und 4. Abteilung, die von „Mariä Verkündigung“
in der 5., und die der „Unbefleckt Empfangenen" in der Oberabteilung. 154