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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

Den Übergang in die folgende Kongregation bestimmte die Regel für einen 
Zögling, der in die höhere Abteilung aufgerückt war, in der Weise, daß 
jede Kongregation ihre verfassungsmäßige Eigenart wahren konnte. Der 
Sodale der unteren Kongregation meldete sich beim Präses für die An­ 
gliederung (Aggregation) und wurde damit sofort zu den Versammlungen 
zugelassen. Nach einigen Wochen wurde er dann, falls sein Verhalten 
keinen Anlaß dagegen bot, als vollwertiger Sodale eingegliedert. Seit 
Ostern 1934 zog man wegen der verminderten Zöglingszahl die drei Kon­ 
gregationen in eine zusammen und bildete darin zwei Gruppen, die höhere 
für die Oberabteilung, die untere für die 5. und 6. Klasse. Die Aufnahme 
in die letztere erfolgte nach einer einjährigen Kandidatur. In der unteren 
Kongregation war die Zahl der Sodalen im Verhältnis zur Stärke der Ab­ 
teilungen geringer. Denn bei der ersten Aufnahme sollte die Auswahl eine 
strenge sein. Den Buben dieses Entwicklungsalters pflegte es schwer zu 
fallen, den für die Aufnahme gestellten Forderungen voll zu genügen. 
Daher gelang es manchen Buben erst in der höheren Stufe, Kongreganist 
zu werden. Als Ideal galt es im allgemeinen, daß in der OA alle, wenn 
möglich, den Geist der Stella Matutina soweit in sich aufgenommen hatten, 
um in der Kongregation mitmachen zu können. In manchen Jahren ist 
dieses Ziel gut erreicht worden. Im Jahre 1928/29 z. B. waren von 67 Zög­ 
lingen der Oberabteilung 61 in der Kongregation; um Ostern 1931 gehörten 
fast alle der Kongregation an. 
In den Heften „Aus der Stella Matutina“ gaben die einzelnen Kon­ 
gregationen von Zeit zu Zeit Bericht über ihr Leben. Daraus ist ersichtlich, 
wie die Sodalen ihre Aufgabe im Internat auffaßten und betätigten. Es 
heißt da: „Die Kongregation will aktives religiöses Streben im 'Gemein­ 
schaftsraum bekennen und sammeln und ist darum berufen, das zu pflegen, 
was die Stella als ihr Bestes hervorbringen kann und soll .... Die Sodalen 
wollen die seelische Arbeit und das innere religiöse Wachstum des Ein­ 
zelnen, das doch der Endzweck und Erfolg aller Kongregationsarbeit sein 
muß." Dieser Aufgabe dienten auch die einzelnen Gruppen, Sektionen, in­ 
nerhalb der Kongregationen. Es waren ihrer gewöhnlich drei: In der 
religiösen oder eucharistischen Sektion behandelten die Sodalen unter 
Anleitung des Präses Fragen des inneren Lebens. Hier vollzog sich im 
stillen die innere Arbeit des Einzelnen an sich und anderen zum Opfergeist, 
zum Beten (vor dem Tabernakel). Den Kern bildete das „Colloquium“, das 
ist die ungezwungene Erörterung kleiner Punkte aus dem religiösen Ge­ 
danken- und Erfahrungskreis. Mit der religiösen Sektion berührte sich nahe 
die liturgische, die zeitweise als eigene daneben bestand. Sie hatte die 
Aufgabe einer vertiefteren Kenntnis der Liturgie, besonders der Teilnahme 
am heiligen Meßopfer. Die Missionssektion pflegte den Geist des Welt­ 
apostolates und führte durch kleinere Vorträge in das große Werk der 
Weltmission ein. Durch brieflichen Verkehr mit Altstellanern, die in den 
Missionen wirkten, und durch Veranstaltung von Ausstellungen oder 
Lotterien belebte sie den Missionsgedanken unter den Buben. In der Kon­ 
gregation der Oberabteilung bestand außerdem die wissenschaftliche 155
	        
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