Den Übergang in die folgende Kongregation bestimmte die Regel für einen
Zögling, der in die höhere Abteilung aufgerückt war, in der Weise, daß
jede Kongregation ihre verfassungsmäßige Eigenart wahren konnte. Der
Sodale der unteren Kongregation meldete sich beim Präses für die An
gliederung (Aggregation) und wurde damit sofort zu den Versammlungen
zugelassen. Nach einigen Wochen wurde er dann, falls sein Verhalten
keinen Anlaß dagegen bot, als vollwertiger Sodale eingegliedert. Seit
Ostern 1934 zog man wegen der verminderten Zöglingszahl die drei Kon
gregationen in eine zusammen und bildete darin zwei Gruppen, die höhere
für die Oberabteilung, die untere für die 5. und 6. Klasse. Die Aufnahme
in die letztere erfolgte nach einer einjährigen Kandidatur. In der unteren
Kongregation war die Zahl der Sodalen im Verhältnis zur Stärke der Ab
teilungen geringer. Denn bei der ersten Aufnahme sollte die Auswahl eine
strenge sein. Den Buben dieses Entwicklungsalters pflegte es schwer zu
fallen, den für die Aufnahme gestellten Forderungen voll zu genügen.
Daher gelang es manchen Buben erst in der höheren Stufe, Kongreganist
zu werden. Als Ideal galt es im allgemeinen, daß in der OA alle, wenn
möglich, den Geist der Stella Matutina soweit in sich aufgenommen hatten,
um in der Kongregation mitmachen zu können. In manchen Jahren ist
dieses Ziel gut erreicht worden. Im Jahre 1928/29 z. B. waren von 67 Zög
lingen der Oberabteilung 61 in der Kongregation; um Ostern 1931 gehörten
fast alle der Kongregation an.
In den Heften „Aus der Stella Matutina“ gaben die einzelnen Kon
gregationen von Zeit zu Zeit Bericht über ihr Leben. Daraus ist ersichtlich,
wie die Sodalen ihre Aufgabe im Internat auffaßten und betätigten. Es
heißt da: „Die Kongregation will aktives religiöses Streben im 'Gemein
schaftsraum bekennen und sammeln und ist darum berufen, das zu pflegen,
was die Stella als ihr Bestes hervorbringen kann und soll .... Die Sodalen
wollen die seelische Arbeit und das innere religiöse Wachstum des Ein
zelnen, das doch der Endzweck und Erfolg aller Kongregationsarbeit sein
muß." Dieser Aufgabe dienten auch die einzelnen Gruppen, Sektionen, in
nerhalb der Kongregationen. Es waren ihrer gewöhnlich drei: In der
religiösen oder eucharistischen Sektion behandelten die Sodalen unter
Anleitung des Präses Fragen des inneren Lebens. Hier vollzog sich im
stillen die innere Arbeit des Einzelnen an sich und anderen zum Opfergeist,
zum Beten (vor dem Tabernakel). Den Kern bildete das „Colloquium“, das
ist die ungezwungene Erörterung kleiner Punkte aus dem religiösen Ge
danken- und Erfahrungskreis. Mit der religiösen Sektion berührte sich nahe
die liturgische, die zeitweise als eigene daneben bestand. Sie hatte die
Aufgabe einer vertiefteren Kenntnis der Liturgie, besonders der Teilnahme
am heiligen Meßopfer. Die Missionssektion pflegte den Geist des Welt
apostolates und führte durch kleinere Vorträge in das große Werk der
Weltmission ein. Durch brieflichen Verkehr mit Altstellanern, die in den
Missionen wirkten, und durch Veranstaltung von Ausstellungen oder
Lotterien belebte sie den Missionsgedanken unter den Buben. In der Kon
gregation der Oberabteilung bestand außerdem die wissenschaftliche 155