wohl vertraut und besaß als langjähriger Leiter einer großen Studienanstalt
(Immensee in der Schweiz) eine reiche Erfahrung. Er hielt im Anfang,
als es im Amte des Generalpräfekten mehrere Male einen Wechsel geben
mußte, selber die Leitung des Internates und die Einschulung der jungen
Präfekten in seiner festen Hand. Als dann die Bubenschar angewachsen
war, bekam er in P. Johann Gassmann einen Generalpräfekten zur Seite,
der als früherer Präfekt gleichfalls den Stellabetrieb kannte. Im Herbst
1955 wurde P. Gassmann von P. Wilhelm Schnetzer abgelöst, der in der
neuen Stella (im Exerzitienhaus) seinen Präfektendienst geleistet hatte.
Es fehlte ja auch in den Anfangsjahren ein Grundstock eingelebter größerer
Zöglinge, der eine nicht geringe Hilfe zu bilden pflegt, um den Gemeinschaftsgeist
in einem Internate zu erhalten und zu fördern.
Die religiöse Führung und Unterweisung lag naturgemäß
in erster Linie in der Hand des Religionslehrers. Als solcher kehrte
P. Markus von Riccabona im Herbst 1947 in die Stella zurück. Aufgeschlossen
und lebensnah in seinem Unterricht wie in der persönlichen
Aussprache leitete er die wachsende Schar der Stellaner. Den Gottesdienst,
namentlich die Feier der heiligen Messe, würdig zu gestalten, war ihm
eine Herzensangelegenheit; er suchte durch eine gesunde Abwechslung
(Stillmesse, Missa recitata, Betmesse, Betsingmesse) jedem ein echtes
Mitfeiern am täglichen Opfer zu erleichtern. An die marianische Kongregation
stellte er hohe Anforderungen. Darum begann er sie in der neuen
Stella, die ja anfänglich nur Buben der unteren Klassen zählte, allmählich
vorzubereiten. Anfang Dezember 1949 gründete er als Vorstufe aus
Schülern der dritten Klasse die „Marianische Jungschar", aus der zweiten
Klasse den „Ministrantenkreis". Am Hochfest des Kollegs, am 8. Dezember
1950, wurden die ersten Zöglinge feierlich durch den hochwürdigsten
Diözesanbischof Dr. Paul Rusch in die neugegründete Kongregation aufgenommen.
Mit voller Hingabe führte P. Riccabona sein Wirken als
Präses und Spiritual der Zöglinge weiter, auch als ein schweres Leiden
schon an seiner Kraft zehrte, das ihn am 11. Oktober 1953 erlöste, am
Tage, da die Stellajugend wieder nach 15 Jahren in die alten Räume des
Kollegs einzog.
Die äußere Organisation in der Erziehung blieb wesentlich dieselbe
wie früher, wenn auch die Raumverhältnisse (im Exerzitienhaus) anfangs
das eine oder andere noch nicht durchzuführen gestatteten. Einiges ward
in vernünftigem Maße aufgelockert: Nicht mehr überall Reihen oder Stillschweigen
in den Gängen; das Bettmachen in der Frühe und das Schuhputzen
abends besorgte jedermann selbst; bei Tisch trugen die Buben auf.
Auf der Tagesordnung stand jetzt für die Freizeit nachmittags: Pflichtspiel
oder Handarbeit. Für die letztere waren Werkstätten eingerichtet.
Hier konnten solche Schüler, die daran Interesse hatten (aber das Interesse
an der Schule nicht opferten!) in verschiedenen Gebieten sich schaffend
betätigen: in Schlosserei, Schreinerei und Weberei, in Keramik und Elektrotechnik,
im Buchdrucken und Buchbinden. 172