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Full text : 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

Jesuitenorden im Lande wieder zuzulassen. Im Jahre 1840 hatte ein
katholisches Komitee unter Führung des Professors von Moy um die
Erlaubnis gebeten, zur Leitung eines Erziehungsinstitutes einige Jesuiten
berufen zu dürfen, und der Minister hatte das Ansuchen warm befürwortet.
Aber König Ludwig schlug es kurzweg ab mit den Worten: „Gewiß verkenne
 ich nicht die Verdienste der Jesuiten. Solange ich aber die Erlaubnis
 zu ihrer Wiedereinführung in meinem Königreiche nicht ausgesprochen
habe, solange dürfen sie auch keine Anstalt haben." Im Jahre 1847 hat
dieselbe Majestät sogar eines ihrer Gedichte gegen die Jesuiten verbrochen,
 das also beginnt: „Das Jesuitenregiment hat aufgehört in
Bayern ..." Im Landtag war es 1845 zu einer scharfen Jesuitendebatte
gekommen, und in der Reichsratskammer war ein Antrag des Fürsten
Ludwig von Wallerstein mit 30 gegen 6 Stimmen angenommen worden,
worin es hieß: „Daß die Jesuiten Bayern nicht betreten dürfen, ist klar...
Ihr offenes und vermummtes Auftreten in einem konfessionell gemischten
Lande wäre das Signal der betrübendsten Zwietracht, und laut sprechen
die Blutspuren, welche den Weg der Väter in einem Nachbarlande
bezeichneten."

P. Clemens Faller, Elsässer von Geburt und seit 1852 Oberer der
deutschen Ordensprovinz, griff den Plan eines Kollegs mit Begeisterung
und Energie auf. Er hatte seine Erziehung im Freiburger Kolleg erhalten
und war dort bis zur Aufhebung desselben als Präfekt tätig gewesen. So
hatte er den sprichwörtlich gewordenen guten Geist von Freiburg und den
Segen, der davon ausgegangen war, kennen und schätzen gelernt. Für ihn
galt die Parole: Eine Provinz ohne Kolleg heißt nichts, wie er sich einmal
ausdrückte, als er, schon ein betagter Mann, seinen jüngeren Mitbrüdern
im brasilianischen Kolleg Sao Leopoldo die Gründungsgeschichte der Stella
Matutina erzählte (1887/88).

Ein erstes Angebot kam von einer französischen Ordensprovinz; sie
trug den Patres ein völlig eingerichtetes Kolleg in Belgien umsonst an
unter der einzigen Bedingung, es für den Fall ihrer Vertreibung aus
Frankreich zurückzuerhalten. Aber der Annahme standen unüberwindliche
Schwierigkeiten entgegen. Nun verwies Pater General Petrus Beckx, der
von seiner Wiener Tätigkeit her die Verhältnisse kannte, den P. Faller
auf Osterreich. Dieser fragte zunächst bei der österreichischen Provinzleitung
 an, ob es ihr genehm wäre, wenn deutsche Jesuiten im gleichen
Weinberge des Herrn arbeiteten. Die Zustimmung wurde gerne erteilt.
Hatte ja doch das Gebiet von Vorarlberg und Tirol in der alten Gesellschaft
 Jesu zur Oberdeutschen Ordensprovinz gehört. Überhaupt kam die
Leitung der Provinz dem P. Faller in seinen Bemühungen um eine Kollegsgründung
 in jeder Weise entgegen, so daß P. Provinzial Bosizio von
P. General darob in einem Briefe (27. April 1856) belobt wurde: „Es hat
mir überaus gefallen, daß Euer Hochwürden und andere Patres Ihrer Provinz
 im Verhandeln mit P. Füller große Liebe bewiesen haben."

Ein Graf Salm (Solms?) hatte den P. Faller auf Vorarlberg aufmerksam
gemacht. Daraufhin besichtigte P. Faller die Lage von Bregenz „am Konstanzersee"
 und nahm einen Platz in Aussicht, dort, wo später die prote­ 12
            
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