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Full text : 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

Reden beendet waren, erklärte der hochwürdige P. Rektor, das kaiserliche
Gymnasium und das Konvikt Stella Matutina sei mithin unter der Leitung
der Gesellschaft Jesu eröffnet. Dann kündeten Pöllerschüsse der Stadt und
Umgebung das Ende des öffentlichen Aktes an, während die Zöglinge des
Gymnasiums mit jugendlicher, aber schallender Stimme das nationale
Lied Österreichs anstimmten".

Ein Altstellaner aus jenem ersten Jahre hat 70 Jahre später aus seiner
Erinnerung über jene Feier berichtet: „Ich habe die Rede des P. Rektors
noch frisch im Gedächtnis. Er sprach von der großmütigen Munifizenz des
Kaisers, dann mit rührender Stimme von den Verfolgungen der Gesellschaft
Jesu und darauf, an die Zöglinge gewendet, die Mahnung zu fleißigem
Studium, zum Schlüsse die Weihe des Hauses an die Stella Matutina. Am
Tage darauf war die erste allgemeine Wallfahrt nach Rankweil. P. Rektor
hielt eine Ansprache in der dortigen Kirche. Damals kamen im September
und Oktober, auch noch im November die Herren Patres, nicht alle auf
einmal, sondern bald kam der, dann wieder einer oder zwei Wir ungezogenen
 Buben hatten unsere Freude, wenn wieder ein Pater kam mit
einem meist schäbigen Hut; einer kam gar mit einem turmhohen uralten
Zylinder an."

Das Leben im Konvikte begann mit 90 Buben, zu denen im
Laufe des Jahres noch einige stießen, so daß die Zahl am Ende des Schuljahres
 auf 117 gestiegen war. Darunter waren 24 im II. Pensionate und
unter den Zöglingen im I. Pensionate die Hälfte aus adeligen Familien.
Aber die Weisung des P. Generals, keine größeren Knaben, höchstens
solche des Untergymnasiums, aufzunehmen, konnte offenbar nicht befolgt
werden; die tatsächlichen Verhältnisse waren auch hier mächtiger. Von
den 117 Zöglingen gehörten 34 dem Obergymnasium an. Die von P.
General gehegte Befürchtung, man würde damit „mit Wissen und Willen
dem Sittenverderbnis den Eingang öffnen", hat sich gottlob nicht erfüllt.
Denn der Chronist des Gründungsjahres kann befriedigt feststellen, man
habe es innerhalb kurzer Zeit erreicht, „daß äußere Zucht, Ordnung und
Stillschweigen im Konvikt herrschten und daß im Verlaufe des Jahres
die Geneigtheit zum Guten, die wir den guten Geist nennen, zugenommen
habe".

Das neue Kolleg ward auf den Namen „Stella Matutina“
getauft: es sollte unter dem besonderen Schutz der Unbefleckt Empfangenen
 Jungfrau Maria stehen, deren Ehrenvorzug zwei Jahre zuvor als
Dogma verkündet worden war. Die allerreinste Jungfrau ist ja der
Morgenstern, welcher der Sonne der Gerechtigkeit, Jesus Christus, vorangeht.
 Unter ihrer Obhut sollte die Jugend des neuen Kollegs den Morgen
des Lebens in reiner Atmosphäre verbringen und das Licht dieses Sternes
sollte führend und schützend den weiteren Lebensweg begleiten.

Als die deutschen Jesuiten nach mancherlei Schwierigkeiten ihr
einziges Kolleg auf dem Boden Osterreichs hatten gründen können und
das Haus sich in den nächsten Jahren vielversprechend entwickelte, hielt
es P. General für angebracht, das Land Vorarlberg der deutschen Ordensprovinz
 zuzuweisen. In einem Schreiben vom 15. Juni 1858 an den 34
            
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