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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

hochbetagten Greis von 83 Jahren heimrief. Dieser Ordensmann hat in 
den ersten acht Jahren — er war drei Jahre Rektor und fünf Jahre 
Generalpräfekt — neben P. Piscalar dem neuen Kolleg wie kein anderer 
seinen Geist eingeprägt. „Er verstand es", so schreibt P. Alexander 
Baumgartner, „wie kein zweiter, Lehrer und Buben mit derselben Liebe 
und Begeisterung für die gemeinsame Aufgabe des Kollegs zu erfüllen 
und das der Stella Matutina geweihte Haus mit demselben religiösen 
Familiengeiste zu durchdringen." 
Bezeichnend für die Auffassung des P. Faller über Jugender­ 
ziehung ist ein Brief, den er noch als Provinzial von Innsbruck aus, wo 
er gerade in Sachen des neu zu gründenden Kollegs weilte, an die 
Scholastiker der Philosophie in Bonn geschrieben hat; diese sollten als 
Präfekten und Magister im Herbst nach Feldkirch kommen. Der Brief ist 
vom 4. Juni 1856 und enthält die folgenden Ratschläge für das Wirken im 
Kolleg: „Es scheint mir, daß folgende Vorsätze gute Frucht bringen 
würden: 1. Als Lehrer und Erzieher werde ich die minder begabten und 
die sehr fehlerhaften Zöglinge nicht verstoßen, sondern ihnen besondere 
Liebe und Sorge zuwenden, weil es unser Heiland liebt, weil unser Beruf 
es fordert, weil es das Gute stiftet. 2. Ich werde trachten, im Verkehr mit 
den Zöglingen die Sanftmut mit der Starkmut zu verbinden, mich der 
Ungeduld nicht zu überlassen, niemals durch beißende oder ungeziemende 
Äußerungen verletzen, nicht mit Mißachtung von meinen Zöglingen mit 
meinen Mitbrüdern und noch weniger mit anderen Menschen sprechen; 
dies erwarten unser Heiland, die Kirche und die Eltern von uns. 3. Auf 
die sogenannten kleinen Sachen werde ich das größte Gewicht legen. 
Dem Schönschreiben, dem gut Lesen und Deklamieren, der geziemenden 
Haltung, der Ordnung in den Heften, Pulten usw. werde ich besondere 
Aufmerksamkeit schenken. 4. Die Einigkeit der Lehrer mit den Obern und 
untereinander ist die erste Bedingung für den guten Fortgang einer Lehr­ 
und Erziehungsanstalt. Ich werde mich bemühen, so oft als möglich, gute 
Dienste zu leisten und ihre Worte, Werke und Absichten gut zu deuten. 
Dieses später aus- und jetzt einzuüben, werden die Scholastiker mit Erfolg 
vom heiligen Aloisius erbitten. Sie werden auch diesem ihrem Schutz­ 
patron anempfehlen, daß wir durch seine Fürsprache viele gute Novizen 
und viele böse Schüler (diese sind die besten) erhalten." 
In ähnlicher Weise wie P. Faller, war auch P. Alois Piscalar von 
der Vorsehung für seine Lebensaufgabe am neuen Kolleg vorbereitet 
worden. P. Piscalar ist, wie sein Schüler und Mitbruder P. Fox sagte, der 
alte Feldkircher kat'exochen, der nicht nur bei der Gründung und ersten 
Einrichtung der Stella Matutina im Jahre 1856 hervorragend beteiligt war, 
sondern auch wie kein anderer ohne Unterbrechung bis zu seinem seligen 
Ende am 7. November 1892 mit dem Kolleg innigst verbunden blieb, 18 
Jahre als Studienpräfekt (= Direktor), neun als Rektor und zuletzt noch 
ein Jahrzehnt als Verwalter. Geboren in Stimpfach (Württemberg), hatte 
er in Tübingen gründliche philosophisch-theologische und philologische 
Studien gemacht, dann als Präzeptor an den Gymnasien in Riedlingen und 
Horb praktisch das Lehramt ausgeübt; darauf durfte er mit einem staat­ 36
	        
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