einen Preis, bei dem ihnen die Stadt entgegenkam. Es war ein neu und
solid gebautes, trockenes und frei liegendes Haus, das ohne allzu großen
Aufwand dem neuen Zwecke angepaßt werden konnte. Aber das junge
Kolleg mußte aus sich selbst die Kaufsumme aufbringen, um einen Teil
anzuzahlen und den Rest zu verzinsen und allmählich abzutragen. Dafür
mußte eine Summe „apud Hebraeum Hohenemsem", wie es in der Chronik
heißt, aufgenommen werden. So sah sich P. Faller nach Hilfsquellen um.
Der Provinzial der österreichischen Provinz in Wien, P. Bosizio, machte
darauf aufmerksam, daß von wohlwollenden Aktionären früher eine
Summe aufgebracht worden sei für ein Jesuitenpensionat in Tirol. Diese
Summe war seit der Aufhebung des Innsbrucker Jesuitenkollegs mittler
weile den H. H. Bischöfen von Brixen und Trient zur Bewahrung und Nutz
nießung überlassen worden mit der ausdrücklichen Bedingung, daß sie der
Gesellschaft Jesu zurückerstattet werde, sobald der Orden in der Lage
wäre, abermals ein Pensionat in Tirol zu eröffnen. P. Faller wandte sich
nun in dieser Angelegenheit an den Grafen Clemens von Brandis, um
durch dessen Vermittlung zu erreichen, daß jene Summe dem neuerrichte
ten Kolleg von Feldkirch zugewiesen werde, bis die österreichische Provinz
ein Pensionat in Innsbruck eröffnen oder das Feldkircher Kolleg über
nehmen könnte. Graf Brandis war früher Landesstatthalter von Tirol
gewesen, ein großer Gönner der Jesuiten, und hatte sich schon wiederholt
stark für deren Sache eingesetzt. Doch konnte er offenbar in diesem Falle
nichts erreichen.
Anbau des Studienflügels
Die äußere Lage des Kollegs wurde noch schwieriger, da bereits im
zweiten Jahre neu gebaut werden mußte. Was P. Faller bei der ersten
Besichtigung geäußert hatte, bewahrheitete sich. Der Bau war zu klein
und Spielplätze fehlten. Das Haus konnte unmöglich die Ordensgemeinde
und die wachsende Zahl der Zöglinge aufnehmen. Denn die Ordens
gemeinde war zu Beginn des zweiten Jahres (1857/58) bereits auf 48
angewachsen und aus den 103 Zöglingen waren 209 geworden, deren Zahl
im Laufe des Jahres auf 231 stieg. Dazu kam, daß das Schulgebäude der
Stadt, das erste Johanniterhaus neben der St.-Johann-Kirche, wenig
geeignet und viel zu eng war für die wachsende Zahl der Schüler, Zög
linge und Externe. Es konnten nur die vier oberen Klassen dort unter
gebracht werden, für die vier unteren mußte man im Konvikt Schulzimmer
freimachen. Auch wurde eine Vorbereitungsklasse eingerichtet für Schüler
(Zöglinge), die zu jung oder noch nicht genügend für das Gymnasium
vorgebildet waren. Eine zweite Sonderklasse umfaßte solche Zöglinge,
die, wie die Chronik bemerkt, „der Sorge der Patres mehr zu dem Zwecke
anvertraut wurden, gut erzogen zu werden, als daß sie in der Wissenschaft
viel Fortschritte machten, und solche, die nicht demselben Kurs wie die
anderen folgen konnten.“
Um dem dringenden Mangel an Spielplätzen abzuhelfen, mußte
das Kolleg schwere Opfer bringen und manche Scherereien erdulden, die
vor allem von einem benachbarten Fabrikanten ausgingen, der „einfluß 38