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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

einen Preis, bei dem ihnen die Stadt entgegenkam. Es war ein neu und 
solid gebautes, trockenes und frei liegendes Haus, das ohne allzu großen 
Aufwand dem neuen Zwecke angepaßt werden konnte. Aber das junge 
Kolleg mußte aus sich selbst die Kaufsumme aufbringen, um einen Teil 
anzuzahlen und den Rest zu verzinsen und allmählich abzutragen. Dafür 
mußte eine Summe „apud Hebraeum Hohenemsem", wie es in der Chronik 
heißt, aufgenommen werden. So sah sich P. Faller nach Hilfsquellen um. 
Der Provinzial der österreichischen Provinz in Wien, P. Bosizio, machte 
darauf aufmerksam, daß von wohlwollenden Aktionären früher eine 
Summe aufgebracht worden sei für ein Jesuitenpensionat in Tirol. Diese 
Summe war seit der Aufhebung des Innsbrucker Jesuitenkollegs mittler­ 
weile den H. H. Bischöfen von Brixen und Trient zur Bewahrung und Nutz­ 
nießung überlassen worden mit der ausdrücklichen Bedingung, daß sie der 
Gesellschaft Jesu zurückerstattet werde, sobald der Orden in der Lage 
wäre, abermals ein Pensionat in Tirol zu eröffnen. P. Faller wandte sich 
nun in dieser Angelegenheit an den Grafen Clemens von Brandis, um 
durch dessen Vermittlung zu erreichen, daß jene Summe dem neuerrichte­ 
ten Kolleg von Feldkirch zugewiesen werde, bis die österreichische Provinz 
ein Pensionat in Innsbruck eröffnen oder das Feldkircher Kolleg über­ 
nehmen könnte. Graf Brandis war früher Landesstatthalter von Tirol 
gewesen, ein großer Gönner der Jesuiten, und hatte sich schon wiederholt 
stark für deren Sache eingesetzt. Doch konnte er offenbar in diesem Falle 
nichts erreichen. 
Anbau des Studienflügels 
Die äußere Lage des Kollegs wurde noch schwieriger, da bereits im 
zweiten Jahre neu gebaut werden mußte. Was P. Faller bei der ersten 
Besichtigung geäußert hatte, bewahrheitete sich. Der Bau war zu klein 
und Spielplätze fehlten. Das Haus konnte unmöglich die Ordensgemeinde 
und die wachsende Zahl der Zöglinge aufnehmen. Denn die Ordens­ 
gemeinde war zu Beginn des zweiten Jahres (1857/58) bereits auf 48 
angewachsen und aus den 103 Zöglingen waren 209 geworden, deren Zahl 
im Laufe des Jahres auf 231 stieg. Dazu kam, daß das Schulgebäude der 
Stadt, das erste Johanniterhaus neben der St.-Johann-Kirche, wenig 
geeignet und viel zu eng war für die wachsende Zahl der Schüler, Zög­ 
linge und Externe. Es konnten nur die vier oberen Klassen dort unter­ 
gebracht werden, für die vier unteren mußte man im Konvikt Schulzimmer 
freimachen. Auch wurde eine Vorbereitungsklasse eingerichtet für Schüler 
(Zöglinge), die zu jung oder noch nicht genügend für das Gymnasium 
vorgebildet waren. Eine zweite Sonderklasse umfaßte solche Zöglinge, 
die, wie die Chronik bemerkt, „der Sorge der Patres mehr zu dem Zwecke 
anvertraut wurden, gut erzogen zu werden, als daß sie in der Wissenschaft 
viel Fortschritte machten, und solche, die nicht demselben Kurs wie die 
anderen folgen konnten.“ 
Um dem dringenden Mangel an Spielplätzen abzuhelfen, mußte 
das Kolleg schwere Opfer bringen und manche Scherereien erdulden, die 
vor allem von einem benachbarten Fabrikanten ausgingen, der „einfluß­ 38
	        
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