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Full text : 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

reich und scharfsinnig die Stadträte auf seine Seite zu bringen verstand".
Andererseits fanden die Patres dabei freundliche und tatkräftige Hilfe von
drei angesehenen Männern der Stadt, dem Bezirkshauptmann Kopp, dem
Bürgermeister Blum und dem Arzt Dr. Greußing. So konnte man endlich
zwei gegen das Mühletor hin liegende kleine Gärtchen zu je 2000 fl. und
einen kleinen Platz vor der Front um 1500 fl. dazu erwerben, um „gewiß
ungeheure Preise, aber es war notwendig", schreibt der Chronist wehmütig.


Was man vor allem vermißte, waren eine Kapelle und ein Speisesaal
für die Buben, eine größere Aula für festliche Akte, eine Halle oder ein
Raum für die Buben bei schlechter Witterung und Studiersäle mit helleren
Fenstern. Man begann also mit wenig Geld und viel Gottvertrauen den
Anbau eines Flügels, der jenen Bedürfnissen abhelfen sollte. Im
Frühjahr 1857 setzte die Bauarbeit ein. Zuerst mußte man in den sandigen
Grund unmittelbar an der 111 mächtige Steinblöcke und dazwischen Holzpfosten
 einlassen. Darüber erhob sich der Bau gegen Westen (illabwärts),
60 Meter lang und 10 Meter breit. Der Keller nahm die Bäder und andere
Räume für den Hausgebrauch auf, im Erdgeschoß lagen ein großer Speisesaal
 und gegenüber ein ebensogroßer Erholungsraum, der auch als Aula
und Theatersaal dienen konnte; darüber kamen zwei Studiensäle zu
liegen, die Kapelle nahm das zweite und dritte Stockwerk der östlichen
Hälfte dieses sogenannten Studienflügels ein, während gegenüber Zeichensaal
 und Musikzimmer lagen. Das Dachgeschoß bildete einen großen
Schlafsaal. Eine hölzerne Treppe führte in der Mitte des Baues hinauf,
eine kleinere Steintreppe am Westende. Der Neubau gedieh im Laufe des
Jahres so weit, daß er im November mit Ziegeln gedeckt werden konnte;
dann wurde das Innere während des Schuljahres ausgebaut, so daß am
Aloisiusfest 1858 die Feier der Erstkommunikanten in der neuen großen
Kapelle gehalten und das Mittagessen im neuen Speisesaal (der Zöglinge)
eingenommen werden konnte.

Beide Kapellen, die neue im Studienflügel und die kleine Hausoder
 Kongregationskapelle im Kasernenbau, bekamen noch im gleichen
Jahre einen neuen Schmuck. Die Gebeine zweier jugendlicher Märtyrer
aus den Katakomben, des hl. Serapion und des hl. Gaudentius, waren im
Jahre 1836 vom Papste Gregor XVI. dem Freiburger Kolleg geschenkt
worden. Bei der Vertreibung der Jesuiten im Jahre 1847 gelang es, die
Reliquien in Sicherheit zu bringen. Im Jahre 1858 wurden sie nach Feldkirch
 gebracht, zunächst in die Pfarrkirche, um dann in feierlicher Weise
in das Kolleg übertragen zu werden. Am festgesetzten Tage, es war der
26. Dezember, strömte eine große Menge Volkes in der Stadt zusammen,
um die Reliquien zu verehren. Ein festlicher Zug ging vom Kolleg aus
zur Pfarrkirche und von da mit den Reliquien ins Kolleg zurück. Vier
Fratres trugen in einer kunstvoll verfertigten Lade die Gebeine des hl.
Gaudentius, zwei Fratres eine Lade mit dem Leibe des hl. Serapion. Dieser
war in Gestalt eines anmutigen, mit dem Schwerte getöteten römischen
Jünglings aus Wachs geformt, mit Tunika und Toga bekleidet, trug am
Halse die ruhmvolle Spur der Ermordung und hielt eine Palme in der 39
            
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