wohl allen Stellanern des vergangenen Jahrhunderts unvergeßlich geblieben.
Schon seit langem hatte sich P. Augustin Link, der seit 1862 die
Musik leitete, vom Harmonium weg nach einer Orgel gesehnt. Da trat
unerwartet aus Stuttgart die Nachricht ein, daß ein Altstellaner, Freiherr
Josef von Berlichingen (in der Stella 1859 bis 1868) im französischen
Feldzug gefallen war und in seinem Testament der Stella Matutina 2000 fl.
süddeutscher Währung vermacht hatte. P. Rektor Piscalar wollte dem
edlen Wohltäter ein dauerndes Andenken stiften und bestimmte das Legat
für die Anschaffung einer Orgel. Groß war die Freude des Chorregenten
P. Link darüber. Nach langem Umfragen und Prüfen vergab er den Auftrag
an die Firma Branmann in Esslingen. Sie lieferte die Orgel um den Preis
von 2290 fl. (= 3936 M.). Zum Jahre 1871 konnte der Chronist schreiben,
„daß am hohen Weihnachtsfeste, als alle vor dem göttlichen Kinde, das
in vornehmer Kunst in der Krippe dargestellt war, anbeteten, zum ersten
Male die neue Orgel ihre lieblichen Klänge durch die Stille der Kapelle
fluten ließ".
Auch die Kaserne sollte von nun ab das Zeichen eines religiösen
Hauses an ihrer Stirne tragen. Die Kanonenrohre wurden vom Kranzgesims
herabgeholt und machten am 1. Mai 1860 einer Muttergottesstatue
Platz. Es war jene Statue, die viele Jahre hindurch im Konvikt zu Freiburg
die Erholung der Buben überwacht hatte. Sie sollte, „wenn die Zeiten
einmal besser geworden wären", durch eine wertvollere aus Metall ersetzt
werden. Aber es hatte vorderhand noch gute Weile mit den besseren
Zeiten.
Neubau des Staatsgymnasiums
Nun war durch den Neubau des „Studienflügels“ im Konvikt Raum
geschaffen worden, freilich war zugleich auch die Zahl der Zöglinge um
weitere 50 auf 275 gestiegen. Dazu kamen etwa 190 externe Schüler. Einer
solchen Zahl war das alte Gymnasium, das Johanniterhaus, immer
weniger gewachsen. Den Zustand des Gebäudes schildert ein damaliger
Zögling, Baron von Torresani, in seinen Erinnerungen „Von der Wasserbis
zur Feuertaufe" in launigen Worten: „Ein altes, baufälliges Gebäude.
Es hatte einen ungeheuren Dachstuhl mit stufenförmigem Giebel, kleinen,
vergitterten Fenstern, schmale, in unmögliche Winkel gebrochene
Korridore, eine bröckelige, kleine Freitreppe nach dem hofartigen Vorplatz,
an dessen Seite das schwarze Stadttor gähnte, während gegenüber
mitten durch einen Holzplatz hindurch der Mühlbach sich mit Getöse in
den Eisenrechen stürzte, bevor er unter dem Tunnel der angrenzenden
Baumwollspinnerei (anno 1902 abgebrannt) verschwand. Ein lebensgefährliches,
dumpfes, aber ausnehmend heimeliges Nest! Seine Tage waren
gezählt, denn schon befand sich das neue Gymnasium im Bau, welches
wir zwei Jahre später feierlich einweihten."
Eine Regierungskommission besichtigte das alte Gebäude, und daraufhin
wurde das Gesuch um einen Neubau vom Kaiser bewilligt, wie der
Chronist dankbar bemerkt „bei seiner Vorliebe für die christliche 41