den Konviktoren zurückgesetzt würden und daß das Gymnasium in
Feldkirch eigentlich keine Landesanstalt, sondern hauptsächlich eine
Anstalt für die Söhne der ultramontanen Junker und der Schweizer Son
derbündler sei.
Auf solche Angriffe in Landtag und Presse hin mußten die Jesuiten
zur Verteidigung greifen. P. Direktor Alois Piscalar richtete an den
Schulrat K. Halder in Innsbruck, der dem Kolleg wohlgesinnt war, ein
längeres Schreiben, worin er auf die Angriffe näher einging. Der Schulrat
ermunterte ihn, das Schreiben zu veröffentlichen. Das geschah unter dem
Titel: „Zur Frage des Jesuitengymnasiums in Feldkirch. Innsbruck, Druck
der Wagner'schen Buchdruckerei. 1863 (36 Seiten)."
Es hatte zunächst die Entrüstung der liberalen Zeitungen erregt, daß
sechs externe Schüler des Gymnasiums in einem öffentlichen Brief für
ihre Lehrer eingetreten waren, die Anstalt als „Mustergymnasium"
bezeichnet und den Landtag, der dem Ganahl'schen Antrag zugestimmt
hatte, eines „leichtsinnigen Beschlusses" beschuldigt hatten. Sie schrieben
u. a.: „Daß wir uns in den Studien nicht vernachlässigt glauben dürfen,
zeigt, daß jährlich Interne und Externe das Maturitätsexamen und oft mit
Glanz absolvieren. Mit der anderweitigen Behandlung sind wir so zufrieden
und halten es für unsere Pflicht, dies zu erklären, daß keiner von uns
allen, welche noch unter den früheren Professoren standen (und dies ohne
jenen Herren nahezutreten zu wollen) sich nach denselben zurücksehnten."
Ohne den Ton und manche Ausdrücke dieser jungen Leute in allem
zu billigen, geht P. Piscalar in seiner Schrift auf die einzelnen Vorwürfe
der Gegner ein und erledigt sie in einer ruhigen, von einer feinen und doch
nicht verletzenden Ironie getragenen Auseinandersetzung, die durch
sachliche Angaben unterbaut ist. Er betont zunächst, daß jener Schülerbrief
in keiner Weise auf die Patres zurückgehe, was einige geargwöhnt hatten.
Auf einen weiteren Vorwurf, daß die Jesuiten wissenschaftlich nichts
leisteten, weil sie keine „allgemein wissenschaftlich anerkannten Pro
gramme aufweisen könnten", vermochte P. Piscalar leicht auf solche
Arbeiten hinzuweisen. Ferner hatte man, so z. B. in der „Innzeitung"
darüber Lärm geschlagen, daß junge Lehrer für nur ein paar Jahre ver
wendet und dann wieder durch andere ersetzt würden; das verdiene
schärfsten Tadel und lasse sich mit einer treuen und gewissenhaften
Pflichterfüllung nicht vereinigen. P. Piscalar erwiderte darauf: Die vor
gesetzte Schulbehörde bezeuge gerade das Gegenteil; er habe erlebt, daß
gerade diese jungen Lehrkräfte mit ganzer Lust und Liebe sich dem
Lehramt hingeben; allerdings müßten sie, wie es in der Gesellschaft Jesu
geschehe, in häufigen Konferenzen, Besprechungen mit einzelnen und
einer gründlichen Einführung durch erfahrene Patres geschult werden.
Noch schärfer wurden die Jesuiten in den liberalen Blättern ange
griffen, daß sie es „unter ihrer Würde hielten, das Lehrexamen in
Österreich zu machen". Es „gelte gleiches Recht für alle, und wenn nun
alle geistlichen Orden in Österreich sich dem Staatsexamen unterziehen,
warum täten das die Jesuiten in Feldkirch nicht?" P. Piscalar kann darauf
mit Zahlen aufwarten und nachweisen, daß in Österreich bei den weltlichen 48