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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

den Konviktoren zurückgesetzt würden und daß das Gymnasium in 
Feldkirch eigentlich keine Landesanstalt, sondern hauptsächlich eine 
Anstalt für die Söhne der ultramontanen Junker und der Schweizer Son­ 
derbündler sei. 
Auf solche Angriffe in Landtag und Presse hin mußten die Jesuiten 
zur Verteidigung greifen. P. Direktor Alois Piscalar richtete an den 
Schulrat K. Halder in Innsbruck, der dem Kolleg wohlgesinnt war, ein 
längeres Schreiben, worin er auf die Angriffe näher einging. Der Schulrat 
ermunterte ihn, das Schreiben zu veröffentlichen. Das geschah unter dem 
Titel: „Zur Frage des Jesuitengymnasiums in Feldkirch. Innsbruck, Druck 
der Wagner'schen Buchdruckerei. 1863 (36 Seiten)." 
Es hatte zunächst die Entrüstung der liberalen Zeitungen erregt, daß 
sechs externe Schüler des Gymnasiums in einem öffentlichen Brief für 
ihre Lehrer eingetreten waren, die Anstalt als „Mustergymnasium" 
bezeichnet und den Landtag, der dem Ganahl'schen Antrag zugestimmt 
hatte, eines „leichtsinnigen Beschlusses" beschuldigt hatten. Sie schrieben 
u. a.: „Daß wir uns in den Studien nicht vernachlässigt glauben dürfen, 
zeigt, daß jährlich Interne und Externe das Maturitätsexamen und oft mit 
Glanz absolvieren. Mit der anderweitigen Behandlung sind wir so zufrieden 
und halten es für unsere Pflicht, dies zu erklären, daß keiner von uns 
allen, welche noch unter den früheren Professoren standen (und dies ohne 
jenen Herren nahezutreten zu wollen) sich nach denselben zurücksehnten." 
Ohne den Ton und manche Ausdrücke dieser jungen Leute in allem 
zu billigen, geht P. Piscalar in seiner Schrift auf die einzelnen Vorwürfe 
der Gegner ein und erledigt sie in einer ruhigen, von einer feinen und doch 
nicht verletzenden Ironie getragenen Auseinandersetzung, die durch 
sachliche Angaben unterbaut ist. Er betont zunächst, daß jener Schülerbrief 
in keiner Weise auf die Patres zurückgehe, was einige geargwöhnt hatten. 
Auf einen weiteren Vorwurf, daß die Jesuiten wissenschaftlich nichts 
leisteten, weil sie keine „allgemein wissenschaftlich anerkannten Pro­ 
gramme aufweisen könnten", vermochte P. Piscalar leicht auf solche 
Arbeiten hinzuweisen. Ferner hatte man, so z. B. in der „Innzeitung" 
darüber Lärm geschlagen, daß junge Lehrer für nur ein paar Jahre ver­ 
wendet und dann wieder durch andere ersetzt würden; das verdiene 
schärfsten Tadel und lasse sich mit einer treuen und gewissenhaften 
Pflichterfüllung nicht vereinigen. P. Piscalar erwiderte darauf: Die vor­ 
gesetzte Schulbehörde bezeuge gerade das Gegenteil; er habe erlebt, daß 
gerade diese jungen Lehrkräfte mit ganzer Lust und Liebe sich dem 
Lehramt hingeben; allerdings müßten sie, wie es in der Gesellschaft Jesu 
geschehe, in häufigen Konferenzen, Besprechungen mit einzelnen und 
einer gründlichen Einführung durch erfahrene Patres geschult werden. 
Noch schärfer wurden die Jesuiten in den liberalen Blättern ange­ 
griffen, daß sie es „unter ihrer Würde hielten, das Lehrexamen in 
Österreich zu machen". Es „gelte gleiches Recht für alle, und wenn nun 
alle geistlichen Orden in Österreich sich dem Staatsexamen unterziehen, 
warum täten das die Jesuiten in Feldkirch nicht?" P. Piscalar kann darauf 
mit Zahlen aufwarten und nachweisen, daß in Österreich bei den weltlichen 48
	        
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