accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

ihre Söhne für begabter halten, als sie sind, und den geringen Fortschritt
in den Studien der Lehranstalt zur Last legen, welcher sie dieselben bisher
anvertraut. Die Söhne sollen aber gründliche Studien und mit der Zeit die
Maturitätsprüfung machen. Wenn man Ihnen einen solchen Zögling
zuschickte, was würden Sie tun? Ich gehe auf den Wunsch der Eltern ein
und versetze die Söhne in die Klasse, in welcher ich hoffe, daß sie mitkommen,
 unbekümmert, in wie vielen Schulen sie gesessen; ich weiß, daß
nicht jeder Direktor den Mut hat, es so zu machen, weiß aber zugleich,
daß mancher dieses Vorgehen gebilligt hat." Diese Verteidigungsschrift
wurde von allen Gutgesinnten mit Genugtuung aufgenommen.

Die externen Schüler des Gymnasiums wollten aber auch ihrerseits
ein öffentliches Bekenntnis ihrer Gesinnung und eine Widerlegung
 der Anschuldigungen geben. Insgeheim bereiteten sie einen nächtlichen
 Fackelzug mit Musik vor, wozu sie auch die Zöglinge einluden.
Am Vorabend vor Peter und Paul 1863 zogen etwa 300 Studenten unter
Anführung der besten in größter Ordnung mit brennenden Fackeln durch
die Stadt, die voll Zuschauer war. Abwechselnd spielte die Blechmusik
der Externen und der Zöglinge. Der Festzug begrüßte zuerst den Bürgermeister,
 jubelte dann dem hochw. Bischof zu. Auf dem Platz vor dem
Kolleg angekommen, stellten sich die Studenten mit ihren Fackeln und
ausgebreiteten Fahnen im Halbkreis auf. Außerhalb des Zaunes stand fast
die gesamte Bürgerschaft der Stadt.

Der Student Franz Schneider, weitaus der beste unter allen, trat vor,
rechts und links von den Präfekten der Kongregation flankiert, und erklärte
in kunstgerechter Rede, den Zweck des Fackelzuges. Der Sinn seiner Rede
war: Ihr Patres nehmt die Menge der Verleumdungen, die von Tag zu Tag
anschwillt, in Schweigen und Geduld auf. Darum ist es unsere Pflicht, euch
vor jeder Unbill in einer öffentlichen Demonstration zu schützen. Der
Redner ging dann auf die einzelnen Anklagen ein, widerlegte die Irrtümer
durch Tatsachen und die falschen Grundsätze durch die wahren einer
gesunden katholischen Bildung. Zum Abschluß sprach der Redner den
Wunsch aller aus, die Patres möchten lange und für immer Gymnasium
und Konvikt leiten. Ein dreifaches „Hoch", das auch von der Bürgerschaft
mit größtem Beifall aufgenommen wurde, schloß die Feier ab.

Aber die Gegner ließen von ihren Angriffen gegen die Jesuiten nicht
ab, und als nach der unglücklichen Schlacht bei Königgrätz der Kampf
gegen das österreichische Konkordat wiederum heftiger aufflammte, spielte
dabei das Treiben gegen die Jesuiten eine große Rolle, vorab in der maßgebenden
 Zeitung, der „Neuen Freien Presse". Dabei nahm sich der aus
Vorarlberg stammende Bischof Rudigier von Linz mutig der Jesuiten an
und schrieb u. a. in einem Hirtenbrief des Jahres 1867: „Es ist kein Glaubensartikel,
 daß es Jesuiten geben müsse. Aber mit dem Wehgeschrei
gegen die Jesuiten hat im vorigen Jahrhundert in Frankreich jener Umsturz
 begonnen, der in der Revolutionsperiode mit der Leugnung aller
Glaubensartikel, mit der Zerstörung aller Religion endete." 50
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.