Die Zahl der Zöglinge war zwar mit dem Bau des Studien
flügels im dritten Jahre auf 275 emporgeschnellt, aber nach ein paar
Jahren bis fast auf 200 zurückgegangen, was den Betrieb schädigen mußte.
Das war zum Teil dem Umstand zuzuschreiben, daß das Kolleg mehrere
Jahre hindurch flüchtige Jesuiten aus Italien beherbergte, nämlich
im Juli 1859 Novizen und Rhetoriker aus Verona und Philosophen aus
Modena mitsamt ihren Professoren, im ganzen 74 Mann. Der größere
Teil konnte freilich im Herbst nach dem deutschen Noviziatshaus in Gor-
heim bei Sigmaringen weitergeleitet werden, aber die Philosophen, 22 an
der Zahl, blieben vier Jahre lang bis September 1863. Im Kriegsjahr 1866
fanden wiederum 14 italienische Jesuiten für ein ganzes Jahr Zuflucht in
der Stella. Andere Gründe, aus denen die Anmeldungen zurückgingen,
waren: Manche Eltern konnten die jährliche Pension nicht aufbringen, sie
betrug (im 1. Pensionate) 410 fl., aber eine ziemliche Anzahl hatte ein
Viertel Ermäßigung, und sie sollte nicht in Papiergeld bezahlt werden.
Als einen weiteren Grund führt der Chronist den Umstand an, daß die
Examina außerhalb Österreichs keine Geltung hatten und wiederholt
werden mußten. Die Mehrheit der Zöglinge aber war nicht aus den öster
reichischen Landen. Endlich war im Jahre 1867/68 infolge des Krieges eine
große Teuerung der Lebensmittel eingetreten.
Erziehungstätigkeit
Der Erziehungsbetrieb der Stella Matutina hatte ziemlich von Beginn
an eine Eigentümlichkeit, von der man in Freiburg nichts wußte und die
in den ersten Jahren bei P. General Beckx nicht geringe Bedenken
erregte: daß es ein zweites Konvikt gab. Das war nicht von vorne
herein geplant. Damit, daß die Jesuiten das Staatsgymnasium übernom
men hatten, war auch der Zudrang externer Schüler stärker geworden.
Manche von ihnen fanden keine Unterkunft mehr in der Stadt, manche
hatten sogenannte Kosttage im Kolleg. Da diese Schüler zumeist brav und
fleißig waren und man noch über einige Räumlichkeiten im Hause ver
fügen konnte, entsprach P. Rektor den an ihn gerichteten Bitten von
Eltern und nahm eine beschränkte Anzahl solcher Schüler auf, soweit es
der Platz gestattete. „Diese Zöglinge haben", wie der älteste Prospekt des
Hauses sagt „eigenen Tisch, eigenen Studien- und Schlafsaal und eigene
Erholungsplätze und werden in allem so gehalten, wie es sich für eine
anständige bürgerliche Familie geziemt". Die Zahl mußte vorläufig klein
bleiben, sie betrug im ersten Jahr 1856/57 nur 24, nahm dann bald zu und
verblieb in der Höhe von 80, bis sie mit dem Bau des Klassenflügels 1877
auf etwa 120 stieg. Weil von den vielen Anmeldungen nur ein Teil auf
genommen werden konnte, war man in der glücklichen Lage, eine gute
Auswahl zu treffen, was beim I. Pensionate in diesem Maße nicht der
Fall war. Aber P. General mochte aus der Ferne diese „Neuerung" mehr
theoretisch ansehen; denn er kommt in den ersten Stellajahren des öfteren
darauf zu sprechen und rät, das II. Konvikt in einer schonenden Weise
wieder aufzulassen. So heißt es in einem Brief vom Jahre 1857: „Was 56