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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

Die Zahl der Zöglinge war zwar mit dem Bau des Studien­ 
flügels im dritten Jahre auf 275 emporgeschnellt, aber nach ein paar 
Jahren bis fast auf 200 zurückgegangen, was den Betrieb schädigen mußte. 
Das war zum Teil dem Umstand zuzuschreiben, daß das Kolleg mehrere 
Jahre hindurch flüchtige Jesuiten aus Italien beherbergte, nämlich 
im Juli 1859 Novizen und Rhetoriker aus Verona und Philosophen aus 
Modena mitsamt ihren Professoren, im ganzen 74 Mann. Der größere 
Teil konnte freilich im Herbst nach dem deutschen Noviziatshaus in Gor- 
heim bei Sigmaringen weitergeleitet werden, aber die Philosophen, 22 an 
der Zahl, blieben vier Jahre lang bis September 1863. Im Kriegsjahr 1866 
fanden wiederum 14 italienische Jesuiten für ein ganzes Jahr Zuflucht in 
der Stella. Andere Gründe, aus denen die Anmeldungen zurückgingen, 
waren: Manche Eltern konnten die jährliche Pension nicht aufbringen, sie 
betrug (im 1. Pensionate) 410 fl., aber eine ziemliche Anzahl hatte ein 
Viertel Ermäßigung, und sie sollte nicht in Papiergeld bezahlt werden. 
Als einen weiteren Grund führt der Chronist den Umstand an, daß die 
Examina außerhalb Österreichs keine Geltung hatten und wiederholt 
werden mußten. Die Mehrheit der Zöglinge aber war nicht aus den öster­ 
reichischen Landen. Endlich war im Jahre 1867/68 infolge des Krieges eine 
große Teuerung der Lebensmittel eingetreten. 
Erziehungstätigkeit 
Der Erziehungsbetrieb der Stella Matutina hatte ziemlich von Beginn 
an eine Eigentümlichkeit, von der man in Freiburg nichts wußte und die 
in den ersten Jahren bei P. General Beckx nicht geringe Bedenken 
erregte: daß es ein zweites Konvikt gab. Das war nicht von vorne­ 
herein geplant. Damit, daß die Jesuiten das Staatsgymnasium übernom­ 
men hatten, war auch der Zudrang externer Schüler stärker geworden. 
Manche von ihnen fanden keine Unterkunft mehr in der Stadt, manche 
hatten sogenannte Kosttage im Kolleg. Da diese Schüler zumeist brav und 
fleißig waren und man noch über einige Räumlichkeiten im Hause ver­ 
fügen konnte, entsprach P. Rektor den an ihn gerichteten Bitten von 
Eltern und nahm eine beschränkte Anzahl solcher Schüler auf, soweit es 
der Platz gestattete. „Diese Zöglinge haben", wie der älteste Prospekt des 
Hauses sagt „eigenen Tisch, eigenen Studien- und Schlafsaal und eigene 
Erholungsplätze und werden in allem so gehalten, wie es sich für eine 
anständige bürgerliche Familie geziemt". Die Zahl mußte vorläufig klein 
bleiben, sie betrug im ersten Jahr 1856/57 nur 24, nahm dann bald zu und 
verblieb in der Höhe von 80, bis sie mit dem Bau des Klassenflügels 1877 
auf etwa 120 stieg. Weil von den vielen Anmeldungen nur ein Teil auf­ 
genommen werden konnte, war man in der glücklichen Lage, eine gute 
Auswahl zu treffen, was beim I. Pensionate in diesem Maße nicht der 
Fall war. Aber P. General mochte aus der Ferne diese „Neuerung" mehr 
theoretisch ansehen; denn er kommt in den ersten Stellajahren des öfteren 
darauf zu sprechen und rät, das II. Konvikt in einer schonenden Weise 
wieder aufzulassen. So heißt es in einem Brief vom Jahre 1857: „Was 56
	        
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