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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

Konvikt bestand von 1827 bis 1847 — zu einer hohen Blüte gelangt war 
und sich internationalen Ruf erworben hatte, wagt P. Pfülf den Satz: 
„Freiburg war nicht wie sonst ein gut geleitetes Pensionat, Freiburg war 
einzig in seiner Art." Er sieht die Momente, die zusammenwirkten, solche 
erfreuliche Früchte der Erziehung und eine tiefe Anhänglichkeit der alten 
Zöglinge zu erzielen, vor allem darin, daß alles geformt und zusammen­ 
gehalten wurde durch die Kraft und den Segen der Autorität, einer 
solchen, die aus übernatürlichem Glaubensgeist erwuchs und lebte, die 
eine väterliche bzw. kindliche Liebe und Ehrfurcht in wechselseitigem 
Austausch war, so daß Befehl und Gehorsam ihre Schärfe und Schwere 
verloren. Dieser Geist wurde in den Zöglingen durch eine feine Kamerad­ 
schaftlichkeit untereinander, eine starke Einwirkung der marianischen 
Kongregation und eine besondere Sorge der Obern um diesen Geist 
eingeflößt und gefördert. Damit ist aber auch gegeben, daß die hohe Blüte 
des Freiburger Kollegs mehr in den Personen als in der Einrichtung zu 
suchen ist, sowohl bei den Erziehern, wie bei den Zöglingen: bei den 
Patres, jedenfalls bei mehreren von ihnen, war es eine gottbegnadete, 
starke Befähigung für das Amt eines christlichen Jugendbildners, bei den 
Zöglingen eine offene, volle Empfänglichkeit. Dieses glückliche Erbe 
konnte die Stella Matutina antreten. Es waren vor allem drei Männer, die 
in der ersten Periode des Kollegs einen tiefen Einfluß auf die Heran­ 
bildung der Jugend ausübten und als Vorgesetzte ihre Mitarbeiter mit 
dem gleichen Geiste erfüllten und leiteten: P. Clemens Faller und P. Alois 
Piscalar, von denen bereits oben die Rede war, und der dritte Rektor 
P. Billet (Rektor 1862 bis 1867). P. Billet war wegen seiner hervorragenden 
Begabung für Leitung der Jugend von beiden Generälen der Gesellschaft 
Jesu, die ihn persönlich gut kannten, den Patres Beckx und Anderledy, 
hoch geschätzt, so daß er viermal in seinem Leben mit der Leitung von 
Kollegien betraut wurde. Seine Regierung war überall eine überaus 
glückliche: er durchschaute leicht die Begabung und Anlage der Menschen 
und wußte die einzelnen nach ihrer Natur zu behandeln; er besaß ein 
feines Urteil, ordnete, was er wollte, mit Bestimmtheit an und duldete 
keine lässige Ausführung. In der Erziehung der Jugend war ihm eine 
gewisse göttliche Gabe eigen, die Buben zu gewinnen und zum Guten 
anzuhalten. Er hatte gesunde Erziehungsgrundsätze stets vor Augen und 
paßte sie in kluger Weise den einzelnen an. Ein Beispiel dafür: Als Rektor 
ordnete er in der Stella an, daß die einzelnen Divisionen nicht in der 
Kapelle, sondern in ihren Studiensälen das Morgengebet beteten, und 
zwar sollte nicht der Präfekt, sondern ein Zögling dabei vorbeten. Ferner 
sollte die Andacht zur Mutter Gottes nicht zu feierlich, sondern einfadi 
und kurz sein. Er wollte überhaupt, daß die Gebete und Andachten der 
Buben in der Weise geordnet würden, wie sie dieselben später im Leben 
leichter behalten und üben konnten. 
Ein Bild des damaligen Jugendlebens in der Stella Matutina 
hat als Achtzigjähriger Cavaliere Clemens August Eickholt, der in den 
Jahren 1858 bis 1863 in der Stella weilte und der Verfasser des Buches 
„Roms letzte Tage unter der Tiara" ist, entworfen. Er stellt zunächst ein 58
	        
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