Konvikt bestand von 1827 bis 1847 — zu einer hohen Blüte gelangt war
und sich internationalen Ruf erworben hatte, wagt P. Pfülf den Satz:
„Freiburg war nicht wie sonst ein gut geleitetes Pensionat, Freiburg war
einzig in seiner Art." Er sieht die Momente, die zusammenwirkten, solche
erfreuliche Früchte der Erziehung und eine tiefe Anhänglichkeit der alten
Zöglinge zu erzielen, vor allem darin, daß alles geformt und zusammen
gehalten wurde durch die Kraft und den Segen der Autorität, einer
solchen, die aus übernatürlichem Glaubensgeist erwuchs und lebte, die
eine väterliche bzw. kindliche Liebe und Ehrfurcht in wechselseitigem
Austausch war, so daß Befehl und Gehorsam ihre Schärfe und Schwere
verloren. Dieser Geist wurde in den Zöglingen durch eine feine Kamerad
schaftlichkeit untereinander, eine starke Einwirkung der marianischen
Kongregation und eine besondere Sorge der Obern um diesen Geist
eingeflößt und gefördert. Damit ist aber auch gegeben, daß die hohe Blüte
des Freiburger Kollegs mehr in den Personen als in der Einrichtung zu
suchen ist, sowohl bei den Erziehern, wie bei den Zöglingen: bei den
Patres, jedenfalls bei mehreren von ihnen, war es eine gottbegnadete,
starke Befähigung für das Amt eines christlichen Jugendbildners, bei den
Zöglingen eine offene, volle Empfänglichkeit. Dieses glückliche Erbe
konnte die Stella Matutina antreten. Es waren vor allem drei Männer, die
in der ersten Periode des Kollegs einen tiefen Einfluß auf die Heran
bildung der Jugend ausübten und als Vorgesetzte ihre Mitarbeiter mit
dem gleichen Geiste erfüllten und leiteten: P. Clemens Faller und P. Alois
Piscalar, von denen bereits oben die Rede war, und der dritte Rektor
P. Billet (Rektor 1862 bis 1867). P. Billet war wegen seiner hervorragenden
Begabung für Leitung der Jugend von beiden Generälen der Gesellschaft
Jesu, die ihn persönlich gut kannten, den Patres Beckx und Anderledy,
hoch geschätzt, so daß er viermal in seinem Leben mit der Leitung von
Kollegien betraut wurde. Seine Regierung war überall eine überaus
glückliche: er durchschaute leicht die Begabung und Anlage der Menschen
und wußte die einzelnen nach ihrer Natur zu behandeln; er besaß ein
feines Urteil, ordnete, was er wollte, mit Bestimmtheit an und duldete
keine lässige Ausführung. In der Erziehung der Jugend war ihm eine
gewisse göttliche Gabe eigen, die Buben zu gewinnen und zum Guten
anzuhalten. Er hatte gesunde Erziehungsgrundsätze stets vor Augen und
paßte sie in kluger Weise den einzelnen an. Ein Beispiel dafür: Als Rektor
ordnete er in der Stella an, daß die einzelnen Divisionen nicht in der
Kapelle, sondern in ihren Studiensälen das Morgengebet beteten, und
zwar sollte nicht der Präfekt, sondern ein Zögling dabei vorbeten. Ferner
sollte die Andacht zur Mutter Gottes nicht zu feierlich, sondern einfadi
und kurz sein. Er wollte überhaupt, daß die Gebete und Andachten der
Buben in der Weise geordnet würden, wie sie dieselben später im Leben
leichter behalten und üben konnten.
Ein Bild des damaligen Jugendlebens in der Stella Matutina
hat als Achtzigjähriger Cavaliere Clemens August Eickholt, der in den
Jahren 1858 bis 1863 in der Stella weilte und der Verfasser des Buches
„Roms letzte Tage unter der Tiara" ist, entworfen. Er stellt zunächst ein 58