im gleichen Briefe: „Bemerken Sie aber wohl, daß, wenn ich von P. Faller
gesprochen habe, ich nicht wage, ihn zu empfehlen; ich überlasse Ihnen die
ganze Sache." Und am 7. Juni 1862 heißt es zum gleichen Plane im Brief
an den neuen Provinzial P. Patiß: „Wenn Euer Hochwürden den P. Faller
von seinem Provinzial erhalten können, bin auch ich einverstanden. Ein
gewisses Bedenken hatte ich immer und es bleibt auf Grund dessen, was
P. Anderledy früher, über seine Art und Weise vorzugehen, berichtete.
Doch glaube ich, sobald er über die Art und Weise, die Zöglinge zu leiten,
gemahnt wird, wird er die Mahnung befolgen. In diesem Jahre haben die
Obern in Feldkirch der Vorschrift, die Erholungen und Unterhaltungen
zu vermindern, Folge geleistet."
Es scheint, daß der neue Rektor P. Billet (1862 bis 1867) mit seinem
neuen Generalpräfekten P. Schweden, der aber schon nach einem Jahre
wegen Kränklichkeit von P. Pottgeisser (Generalpräfekt 1864 bis 1868)
abgelöst wurde, mit starker Hand eingegriffen hat. „In der häuslichen
Disziplin wurde fest angezogen", meldet die Chronik. Die Zöglinge durften
nicht mehr allein ausgehen, das Laufen durch die Gänge und an den
Patreszimmern vorbei fand ein Ende. Es wurde dafür gesorgt, daß auf das
Studium mehr Zeit und größerer Fleiß verwandt wurde. Zwar machten
manche Zöglinge Schwierigkeiten, weil ihre Freiheiten verloren seien. In
solchen Fällen erhielten die Eltern den Rat, ihre Söhne heimzuholen. Das
half auch bei andern, die Zöglinge sahen ein, daß sie von den Patres nicht
zurückgehalten würden. So wurde mit der Zeit, wie es heißt, „die Liebe
zur Ordnung und zum Studium vermehrt und die Neigung zu Zerstreuungen
und Vergnügungen vermindert". Die Chronik des folgenden Jahres
kann dann auch erfreulich melden, daß die Zöglinge „mit anhaltendem Fleiß
bis zum Ende des Jahres dem Studium oblagen“. Der Erfolg blieb nicht
aus, denn von den 19 Preisträgern aus der Schule waren 10 Konviktoren.
Zu den Erziehungsmitteln im Gemeinschaftsleben eines Jesuitenkollegs
darf auch die Blechmusik gerechnet werden. Ohne daß man lange
das Für und Wider vom pädagogischen oder künstlerischen Gesichtspunkte
aus erörterte, ist sie in der Stella schon im zweiten Jahre ins Leben
getreten. Das kam so: Die Patres, die noch das Kolleg zu Freiburg erlebt
hatten, rühmten wohl die dortige Blechmusik, die der ganzen Stadt Freude
bereitet habe; aber im ersten Jahre war die Zahl größerer Zöglinge zu
gering, um eine Banda zusammenzubringen. Da waren nun unter den
externen Schülern des Gymnasiums zwei Polen, die aus dem Jesuitenkolleg
in Metz gekommen waren und dort der Blechmusik angehört hatten. Sie
hatten auch einige Instrumente mitgebracht. Unter ihrer Leitung bildete
sich eine Banda unter den Externen, die sich bald auch öffentlich zeigen
konnte. Das ließ nun auch den Zöglingen keine Ruhe mehr: die Altfreiburger
Patres, die Zöglinge und der neue Musikdirektor, der sich ein
Pensionat ohne Blechmusik nicht denken konnte, begegneten sich im
gleichen Wunsche. Es begann ein edler Wettstreit mit der Musik der
Externen, wenn beide Gruppen bei manchen Gelegenheiten, wie an P. Rektors
Namenstag, an Fronleichnam, bei der Schlußfeier des Schuljahres
nebeneinander auftraten. Als P. Link im Jahre 1862 das Amt des Musik 61