direktors antrat, übernahm er selbst die Leitung. „Denn er hoffte, auch
in dieser Stellung viel Gutes wirken zu können, eine Hoffnung, die sich
voll erfüllt hat", wie sein Biograph P. Piscalar schreibt.
Von Anfang an war auch die Feier einer jährlichen „Papstlotterie"
aus dem Freiburger Kolleg übernommen worden. Sie fand, verbunden
mit einer kleinen Theateraufführung, gewöhnlich zu Neujahr statt
und die Zöglinge sollten dadurch, gerade in jener Zeit kirchenfeindlicher
Angriffe gegen den Stuhl Petri und sein Besitztum, ihre Treue gegen den
Heiligen Vater Pius IX. bekunden. Die aus der Verlosung gewonnene
Summe, meist 2000 bis 3000 frs., wurde auf dem Wege über P. General
oder wohl auch durch einen Altstellaner, der nach Rom reiste, dem
Heiligen Vater überreicht. Ein besonders ausführliches und liebenswürdiges
Dankschreiben richtete daraufhin Pius IX. im März 1867 an die Zöglinge.
Es schließt mit der väterlichen Mahnung, „die gesunden Grundsätze, die
sie im Kolleg aufgenommen, zu bewahren, damit sie, nachdem sie den
Gang der Studien vollendet hätten, nützliche Arbeit zu leisten vermöchten
für die religiöse und bürgerliche Gesellschaft, die leider durch einen
verkehrten und schlechten Unterricht verdorben sei".
Als Priester und Ordensleute leisteten die Patres des Kollegs auch
eine reiche Arbeit in der unmittelbaren Seelsorge. Sie richtete sich
naturgemäß zunächst auf die ihnen anvertraute Jugend. Bald nach Beginn
des Schuljahres legte man den Grund des religiösen Lebens durch dreitägige
geistliche Übungen. Das galt ebenso für die Zöglinge wie für die
externen Schüler. Während des Jahres erhielten sie ihren Religionsunterricht
und ihre Ansprachen. Die Festzeiten des Kirchenjahres wurden sehr
feierlich gestaltet, insbesondere Weihnachten und die Karwoche. Es gab
ja noch keine Ferien zu diesen Zeiten. Es folgten der Maimonat und die
aloisianischen Sonntage. Die Feier des Maimonates sollte zu einer innigen
Verehrung der Mutter Gottes wie zu guter Führung und zum Eifer im
Studium anregen. So heißt es z. B. vom Jahre 1868: Der neue Rektor
P. Piscalar hatte angeordnet, daß nur jene die Mai-Ehrenkarte erhalten
sollten, die während des ganzen Monates aus der Schule wie aus dem
Internat die Note 1 verdienten (Notenverlesung war damals jede Woche).
Trotz dieses strengen Maßstabes erwarben sich im I. Pensionate 70 (von
140), im II. 62 (von 81) die Auszeichnung.
Eine vorzügliche Hilfe für die religiöse Erfassung der Jugend bildeten
die Marianischen Kongregationen, welche der wiedererweckte
Orden, an die alte Tradition anknüpfend, eifrig pflegte. Sowohl bei
den Zöglingen wie bei den Externen errichtete man zwei Kongregationen,
eine für die Kleinen und eine für die Großen. Die erste Aufnahme bei den
Externen nahm der hochwürdigste Bischof selbst am Feste Maria Verkündigung
des Jahres 1857 vor und ein großer Teil der Schüler konnte
aufgenommen werden. „Wir ließen uns von Anfang an nichts angelegentlicher
sein”, so heißt es in der Chronik des ersten Stellajahres, „seitdem
wir Konvikt und Gymnasium übernommen hatten, als marianische Kongregationen
zu errichten, überzeugt, daß schon die halbe Arbeit getan
ist, sowohl in der Erziehung zur Tugend wie in der Förderung der Studien, 62