„Feldkircher Zeitung" ebenso dumm wie erbost gegen unsere Patres ihre
Wut ausspie. Den Anlaß zu der Mission in Götzis Anfang Dezember 1867
bot ein besonderer Umstand: Es herrschte dort ein großer Zwist unter den
Bürgern darum, wohin die neu zu erbauende Pfarrkirche zu stehen komme,
ob auf dem Platz der alten Kirche oder weiter nördlich, wohin sich das
Dorf immer stärker ausbreitete. Die Mission nahm von Beginn an den
besten Verlauf; es gab keinen von den etwa 5000 Bewohnern, der sie
nicht mitmachte, und es mußten den drei Missionaren noch drei Beichtväter
aus dem Kolleg zu Hilfe kommen. Der Streit wegen des Bauplatzes der
Kirche war beigelegt; sie kam ins Zentrum des Dorfes.
Während der Sommerferien des Jahres 1865 wurden auch, zum ersten
Male in Vorarlberg und Tirol, Exerzitien für Volksschullehrer
im Kolleg gehalten. P. Rektor hatte zugesagt, wenn wenigstens
20 kämen. Und siehe da, zum Erstaunen aller erschienen über 50 Lehrer.
Die Kosten übernahm P. Rektor und hielt die braven Volksschullehrer,
„die so wenig mit Reichtum gesegnet sind", frei. Wie segensreich solche
Exerzitien waren, konnte man auch daraus entnehmen, daß freisinnige
Zeitungen wochenlang ihren Ärger und Zorn darüber ausgossen.
Priesterexerzitien wurden alljährlich von den Patres gegeben
sowohl im Kolleg selbst wie im Kloster Mehrerau, für Schweizer Priester
in Steinberg und an anderen Orten.
Als der Krieg von 1866 ausbrach, hatte P. Rektor Billet der Behörde
das Landhaus Garina für verwundete Krieger und mehrere Patres als
Feldkapläne angeboten. P. Pachtler zog mit den Feldkirchern aus und
teilte, wie es im Dankschreiben des Innsbrucker Statthalterei-Vizepräsidenten
heißt, „alle Mühen und Strapazen der ausgerückten Feldkircher Landesschützen-Kompagnie
und erfüllte seine heiligen Berufspflichten mit
aufopfernder Liebe und Emsigkeit". Nach dem Bericht der Hauschronik
„hielten diese Landesschützen am 11. Juli in einer furchtbaren Schlacht
gegen eine zehnfache Übermacht sechseinhalb Stunden aus und verloren
dabei einen Toten und dreißig Gefangene. Später hielten sie 34 Tage
lang das Stilfser Joch, das mit ewigem Schnee bedeckt 8662 Pariser Fuß
hoch ist. Am Feste Peter und Paul, als sie auf dem Marsch waren, gingen
auf ein Wort ihres Feldkaplans alle zur ungeheuren Erbauung der
Gläubigen öffentlich zu den Sakramenten". 64