erhob sich auf der Anhöhe über den Spielplätzen seine Statue zwischen
einer Gruppe von Zedern und Tannen. Der Heilige hat auch in der allerschwersten
Zeit, als die Tore der Stella Matutina geschlossen waren, das
Gelände beschützt und erhalten und zum guten Ende wieder dem Kolleg
zurückgeführt. Als die hölzerne Statue im Frühjahr 1890 einem Föhnsturm,
zum Opfer gefallen war, wurde sie alsbald durch eine schönere aus Metall
ersetzt und vom hochwürdigsten Bischof feierlich eingeweiht.
Der Verleger Pustet aus München hatte dem Kolleg ein großes Kreuz
mit ehernem, ganz vergoldetem Kruzifix von zweieinhalb Metern Höhe zum
Geschenk gemacht. Es wurde am Karfreitag 1880 auf dem Hügel, der sich
jenseits der Brücke erhebt und seither den Namen „Kreuzhügel"
führt, aufgerichtet.
Das neuerworbene Gelände mit seiner Landwirtschaft und seinem
Garten und die mancherlei Einrichtungen brachten viel Arbeit mit sich,
Dem trug der P. Provinzial Rechnung und wies dem Kolleg weitere fünf
Laienbrüder als Hilfskräfte zu. Auch die W erkstätten konnten mit
den Jahren in dem vergrößerten Betrieb nicht mehr genügen. Darum führte
im Jahre 1889 der in allen Bauarbeiten erfahrene, bedächtige Bruder Fritz
Martin, der lange Zimmermann aus dem Großen Walsertal, am Ausgang
der Brücke einen leichten Bau auf. Im vorderen gemauerten Teil lagen
einige Patreszimmer und der „Friseursalon" des getreuen Dieners (damals
sagte man noch „Knechte") Georg, der in jener guten alten Zeit noch
allen, vom Rektor angefangen bis zum jüngsten Schlingel, den Kopf wusch
und die Haare schor. Der anschließende östliche Teil des Gebäudes diente
als Schreinerwerkstätte und Möbellager. Dieses Gebäude ist später im
Jahre 1912 erhöht und zum „Dienerhaus St. Josef" ausgebaut worden.
Die Kaserne besaß wohl in der Mitte der Front ein großes Tor und
eine breite Durchfahrt in den kleinen Hof an der 111, aber keine Sprechzimmer
für Besuche. Deshalb hatte man bereits im Jahre 1858 die Pforte
an die Ostecke verlegt (die spätere Schuhmacherei mit Armenpforte), wo
ein Pforten- und zwei bescheidene Sprechzimmer eingerichtet wurden. Das
reichte aber nicht mehr aus, als mit der Zähl der Zöglinge die der besuchenden
Eltern größer wurde. Auch konnte der Bruder Pförtner von dort
aus die Durchfahrt der Wagen in der Mitte nicht überschauen. Anderseits
war der Platz vor dem Kolleg nicht mehr so nötig, nachdem die Spielplätze
im Reichenfeld gewonnen waren. So kam man nach langem Überlegen auf
den Plan, den Eingang wieder in die Mitte der Front zu verlegen und einen
Vorbau für Pförtner und Sprechzimmer anzufügen. In der Höhe des Erdgeschosses
und nicht unterkellert bildete der Vorbau ein Quadrat von
14 m mit flachem Dach und einer Balustrade um das Dach. Zu beiden
Seiten der Durchfahrt lagen je vier Zimmer, deren eines dem Pförtner
diente, der nach alter Klostersitte zugleich das Handwerk des Schneiders
ausübte. Am Feste Allerheiligen 1880 konnte der neue Eingang der Benützung
übergeben werden. Eine neue steinerne Statue der Unbefleckten
Empfängnis, das Werk eines Kölner Künstlers, thronte fortan über dem
Eingangstor. Zwei Laienbrüder haben in der langen Zeit von 80 Jahren
diese Klosterpforte treu behütet und dabei noch fleißig geschneidert und 72