manchen Riß mutwilliger Jungens geflickt. Seit 1859 gebot hier der kleine
Bruder Peter Fink, die „kleine Majestät“ genannt, die jedermann freundlich
und mit Würde — fast könnte man sie Grandezza nennen — Bescheid gab
und einließ oder weiter wies, wie sein heiliger Namenspatron an der
Himmelstür. Man sagte dem Bruder etwas boshaft nach, erst vom Grafen
aufwärts mache er eine kleine Verbeugung. Auch als im Jahre 1909 die
telefonische Verbindung mit der Außenwelt und die 61 Umschaltungen
der Hauszentrale dem Bruder neue Last aufbürdeten, hielt der nun nähe-
Achtzigjährige aus (t 1915). Bruder Josef Schrieder, der ihm seit 1896 als
Gehilfe beigegeben worden war, folgte ihm im Amte und harrte aus, bis
im Herbste 1938 die deutsche Reichsfinanzschule durch die Pforte ihren
Einzug hielt. Was ihm an gesetzter Würde etwa abgehen mochte seinem
Vorgänger gegenüber, das hat er reichlich wettgemacht durch eine rasche
und dienstfertige Erledigung alles dessen, was einer Kollegspforte zu-
gemutet zu werden pflegt (f 1955).
Bei all diesen neuen Erwerbungen und Einrichtungen konnte es trotz
stark vermehrter Zahl der Zöglinge und sparsamer Haushaltung des.
„Hausherrn" (P. Minister) nicht ausbleiben, daß das Kolleg wirt
schaftlich zu sehr belastet wurde. Das war denn auch die Sorge des
P. Generals. Er schreibt davon am 18. Februar 1878 an den deutschen
Provinzial P. Hövel: „Die wirtschaftlichen Verhältnisse von Feldkirch sind
in äußerster Not. Darum erlaube ich, daß Euer Hochwürden dem besagten
Kolleg die Summe von 50.000 fl. aus der Seminarkasse der Provinz leihen,
aber unter den folgenden Bedingungen: 1. daß alljährlich zehntausend zu
rückgezahlt werden, so daß die ganze Summe innerhalb fünf Jahren zurück
erstattet ist. Es wird gut sein, wenn diese Bedingung schriftlich vom Rektor
unter Mitwissen seiner Konsultoren klar anerkannt wird. Der Zweck dieser
Bedingung ist, damit durch eine raschere Zurückzahlung von vornherein
Schwierigkeiten verhütet werden, die von den Nachfolgern eines Rektors,
erhoben zu werden pflegen, der Geld zu leihen bekommen hat. 2. daß alle
nicht absolut nötigen Ausgaben vermieden werden und daß man aufmerk
sam darüber wache, daß P. Minister nicht mehr ausgebe, als billig ist, und
die Grenzen der schuldigen Sparsamkeit nicht überschreite." Die Mahnung
des P. Generals scheint ihre Früchte getragen zu haben. Denn zwei Jahre
später erhielt der Rektor von Feldkirch, P. Löffler, von P. General (Brief
vom 29. Juni 1880 aus Fiesole) die lobende Anerkennung, „die nun bereits
blühende Wirtschaft des Kollegs habe sich durch verschiedene Mittel und.
Wege einer erfreulichen Lage zugewandt".
Das Philosophat im Reichenfeld
Mit dem Reichenfeld war auch ein Wohnhaus und ein Bauernhaus mit
Stall, am Westende des Gutes an der Landstraße gelegen, in den Besitz
des Kollegs gekommen. Damit konnte man den früheren Plan eines eigenen
Philosophates, d. i. Phi1osophiekurses, wieder aufnehmen. Schon
im Jahre 1869/70 hatte man einen solchen eingeführt, aber nach vier
Jahren wieder aufgegeben. Jetzt boten das Haus, das ehedem ein pen 73'