Skip to main content

Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

manchen Riß mutwilliger Jungens geflickt. Seit 1859 gebot hier der kleine 
Bruder Peter Fink, die „kleine Majestät“ genannt, die jedermann freundlich 
und mit Würde — fast könnte man sie Grandezza nennen — Bescheid gab 
und einließ oder weiter wies, wie sein heiliger Namenspatron an der 
Himmelstür. Man sagte dem Bruder etwas boshaft nach, erst vom Grafen 
aufwärts mache er eine kleine Verbeugung. Auch als im Jahre 1909 die 
telefonische Verbindung mit der Außenwelt und die 61 Umschaltungen 
der Hauszentrale dem Bruder neue Last aufbürdeten, hielt der nun nähe- 
Achtzigjährige aus (t 1915). Bruder Josef Schrieder, der ihm seit 1896 als 
Gehilfe beigegeben worden war, folgte ihm im Amte und harrte aus, bis 
im Herbste 1938 die deutsche Reichsfinanzschule durch die Pforte ihren 
Einzug hielt. Was ihm an gesetzter Würde etwa abgehen mochte seinem 
Vorgänger gegenüber, das hat er reichlich wettgemacht durch eine rasche 
und dienstfertige Erledigung alles dessen, was einer Kollegspforte zu- 
gemutet zu werden pflegt (f 1955). 
Bei all diesen neuen Erwerbungen und Einrichtungen konnte es trotz 
stark vermehrter Zahl der Zöglinge und sparsamer Haushaltung des. 
„Hausherrn" (P. Minister) nicht ausbleiben, daß das Kolleg wirt­ 
schaftlich zu sehr belastet wurde. Das war denn auch die Sorge des 
P. Generals. Er schreibt davon am 18. Februar 1878 an den deutschen 
Provinzial P. Hövel: „Die wirtschaftlichen Verhältnisse von Feldkirch sind 
in äußerster Not. Darum erlaube ich, daß Euer Hochwürden dem besagten 
Kolleg die Summe von 50.000 fl. aus der Seminarkasse der Provinz leihen, 
aber unter den folgenden Bedingungen: 1. daß alljährlich zehntausend zu­ 
rückgezahlt werden, so daß die ganze Summe innerhalb fünf Jahren zurück­ 
erstattet ist. Es wird gut sein, wenn diese Bedingung schriftlich vom Rektor 
unter Mitwissen seiner Konsultoren klar anerkannt wird. Der Zweck dieser 
Bedingung ist, damit durch eine raschere Zurückzahlung von vornherein 
Schwierigkeiten verhütet werden, die von den Nachfolgern eines Rektors, 
erhoben zu werden pflegen, der Geld zu leihen bekommen hat. 2. daß alle 
nicht absolut nötigen Ausgaben vermieden werden und daß man aufmerk­ 
sam darüber wache, daß P. Minister nicht mehr ausgebe, als billig ist, und 
die Grenzen der schuldigen Sparsamkeit nicht überschreite." Die Mahnung 
des P. Generals scheint ihre Früchte getragen zu haben. Denn zwei Jahre 
später erhielt der Rektor von Feldkirch, P. Löffler, von P. General (Brief 
vom 29. Juni 1880 aus Fiesole) die lobende Anerkennung, „die nun bereits 
blühende Wirtschaft des Kollegs habe sich durch verschiedene Mittel und. 
Wege einer erfreulichen Lage zugewandt". 
Das Philosophat im Reichenfeld 
Mit dem Reichenfeld war auch ein Wohnhaus und ein Bauernhaus mit 
Stall, am Westende des Gutes an der Landstraße gelegen, in den Besitz 
des Kollegs gekommen. Damit konnte man den früheren Plan eines eigenen 
Philosophates, d. i. Phi1osophiekurses, wieder aufnehmen. Schon 
im Jahre 1869/70 hatte man einen solchen eingeführt, aber nach vier 
Jahren wieder aufgegeben. Jetzt boten das Haus, das ehedem ein pen­ 73'
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.