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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

Studium der Philosophie widmete. Er hätte gewünscht, daß jeder katholi­ 
sche Student durch diese Schule gegangen, denn er betrachte eine tüchtige 
philosophische Ausbildung als einen überaus wichtigen Faktor für die 
geistige und religiöse Entwicklung eines Mannes." 
Die Schule als Privatanstalt 
Damit, daß den Jesuiten das Staatsgymnasium entzogen worden war, 
trat jener Zustand ein, den P. General Beckx schon lange vorausgeahnt 
hatte und wohl, als zäher Vertreter der Unterrichtsfreiheit, nicht allzu 
tragisch nehmen mochte. Er hatte schon in einem Briefe an den deutschen 
Provinzial Roder am 27. März 1868 seine Meinung darüber ausgesprochen: 
„Was soll ich über Feldkirch sagen? Soviel ich weiß, will die Regierung 
Österreichs die kaiserlichen oder öffentlichen Schulen säkularisieren, wie 
sie die Ehe säkularisiert hat. Ich glaube, alle Ordensleute und kirchlichen 
Personen müssen aus jenen Schulen ausgeschlossen werden. Gegen uns 
steht die Begründung, daß unsere Professoren in den von der Regierung 
errichteten Schulen keine Lehrbefähigung haben. Ich habe ausdrücklich 
erklärt, ich könnte nicht zustimmen, daß die Unsrigen jene normalen 
Schulen durch zwei oder drei Jahre besuchten, um unter weltlichen und 
protestantischen Doktoren sich auf das Lehrfach vorzubereiten. Ich habe 
zugestimmt, daß die Unsrigen in unseren Häusern richtig für das Lehrfach 
vorbereitet und dann von den Unsrigen im Beisein eines von der Regie­ 
rung bestellten Kommissars geprüft werden. Dieser Vorschlag hatte keine 
Wirkung. Ich bin überzeugt, was immer wir tun, es ist von der Regierung 
fest bestimmt, uns aus den Schulen auszuschließen. Unterdessen seht Ihr 
Provinziäle zu, was geschehen kann. Von der Regierung erhalte ich keine 
Nachricht. Man verspricht für die Privatschulen volle Freiheit: wenn sie 
gewährt wird, wie man sie in Frankreich und Belgien gewährt, werden 
wir nicht daran gehindert sein, Gutes zu tun." 
So machte sich denn P. Van Acken, der neuernannte Studien- und 
Generalpräfekt — beide Ämter blieben fortan für ein Jahrzehnt in einer 
Hand vereinigt — unverdrossen daran, die rein private Schule 
weiterzuführen. Trotz des Verlustes des Staatsgymnasiums waren im 
Herbst 1868 gegen 80 Zöglinge neu eingetreten, fast alle aus Deutschland, 
nur acht aus Österreich. Die Gesamtzahl betrug 206. Der Lehrplan konnte 
nun freier gestaltet werden. Man mußte darauf Rücksicht nehmen, daß die 
Schüler später auf die Oberklassen anderer, meist deutscher Gymnasien 
übertraten. Aber auch der Studienordnung des Ordens trug man nun 
stärker Rechnung. Den Unterricht in der Mathematik, besonders in der 
Geometrie, sowie in Naturgeschichte und Naturlehre verlegte man mehr 
auf die Oberstufe und damit gewann man auf der Unterstufe mehr Zeit 
und Kraft für ein gründliches Studium der klassischen Sprachen. Das ent­ 
sprach auch den Anforderungen der weniger auf die Realien ausgerichteten 
Gymnasien der deutschen Länder. Die obersten Klassen erhielten ein­ 
gehenderen Unterricht in der Philosophie: zur Logik und Psychologie 
kamen Metaphysik, Ethik, natürliche Gotteslehre und Soziale Frage hinzu, 75
	        
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