Studium der Philosophie widmete. Er hätte gewünscht, daß jeder katholi
sche Student durch diese Schule gegangen, denn er betrachte eine tüchtige
philosophische Ausbildung als einen überaus wichtigen Faktor für die
geistige und religiöse Entwicklung eines Mannes."
Die Schule als Privatanstalt
Damit, daß den Jesuiten das Staatsgymnasium entzogen worden war,
trat jener Zustand ein, den P. General Beckx schon lange vorausgeahnt
hatte und wohl, als zäher Vertreter der Unterrichtsfreiheit, nicht allzu
tragisch nehmen mochte. Er hatte schon in einem Briefe an den deutschen
Provinzial Roder am 27. März 1868 seine Meinung darüber ausgesprochen:
„Was soll ich über Feldkirch sagen? Soviel ich weiß, will die Regierung
Österreichs die kaiserlichen oder öffentlichen Schulen säkularisieren, wie
sie die Ehe säkularisiert hat. Ich glaube, alle Ordensleute und kirchlichen
Personen müssen aus jenen Schulen ausgeschlossen werden. Gegen uns
steht die Begründung, daß unsere Professoren in den von der Regierung
errichteten Schulen keine Lehrbefähigung haben. Ich habe ausdrücklich
erklärt, ich könnte nicht zustimmen, daß die Unsrigen jene normalen
Schulen durch zwei oder drei Jahre besuchten, um unter weltlichen und
protestantischen Doktoren sich auf das Lehrfach vorzubereiten. Ich habe
zugestimmt, daß die Unsrigen in unseren Häusern richtig für das Lehrfach
vorbereitet und dann von den Unsrigen im Beisein eines von der Regie
rung bestellten Kommissars geprüft werden. Dieser Vorschlag hatte keine
Wirkung. Ich bin überzeugt, was immer wir tun, es ist von der Regierung
fest bestimmt, uns aus den Schulen auszuschließen. Unterdessen seht Ihr
Provinziäle zu, was geschehen kann. Von der Regierung erhalte ich keine
Nachricht. Man verspricht für die Privatschulen volle Freiheit: wenn sie
gewährt wird, wie man sie in Frankreich und Belgien gewährt, werden
wir nicht daran gehindert sein, Gutes zu tun."
So machte sich denn P. Van Acken, der neuernannte Studien- und
Generalpräfekt — beide Ämter blieben fortan für ein Jahrzehnt in einer
Hand vereinigt — unverdrossen daran, die rein private Schule
weiterzuführen. Trotz des Verlustes des Staatsgymnasiums waren im
Herbst 1868 gegen 80 Zöglinge neu eingetreten, fast alle aus Deutschland,
nur acht aus Österreich. Die Gesamtzahl betrug 206. Der Lehrplan konnte
nun freier gestaltet werden. Man mußte darauf Rücksicht nehmen, daß die
Schüler später auf die Oberklassen anderer, meist deutscher Gymnasien
übertraten. Aber auch der Studienordnung des Ordens trug man nun
stärker Rechnung. Den Unterricht in der Mathematik, besonders in der
Geometrie, sowie in Naturgeschichte und Naturlehre verlegte man mehr
auf die Oberstufe und damit gewann man auf der Unterstufe mehr Zeit
und Kraft für ein gründliches Studium der klassischen Sprachen. Das ent
sprach auch den Anforderungen der weniger auf die Realien ausgerichteten
Gymnasien der deutschen Länder. Die obersten Klassen erhielten ein
gehenderen Unterricht in der Philosophie: zur Logik und Psychologie
kamen Metaphysik, Ethik, natürliche Gotteslehre und Soziale Frage hinzu, 75