Der Landesschulrat hatte die beiden deutschen Lesebücher von Bone,
L und II. Teil, ein Lehrbuch der Mathematik von Boymann und besonders
die beiden Religionslehrbücher, den Katechismus von Deharbe und das
Handbuch der katholischen Religion für Studierende an höheren Lehranstalten
von Wilmers beanstandet. Auch als das Ministerium nachträglich
gestattete, die letzteren beiden Bücher dürften beibehalten werden, fügte
der Landesschulrat die Mahnung bei (25. März 1880): „Für die Folge muß
es jedoch Seine Exzellenz der Herr Minister für Kultus und Unterricht als
sehr wünschenswert bezeichnen, daß an der dortigen Lehranstalt auch die
Religionsbücher aus den für österreichische Mittelschulen allgemein zulässigen
Lehrtexten gewählt werden." Mit Beginn der Achtzigerjahre hörten
solche Mahnungen auf und seitdem von 1888 an das österreichische Gymnasium
an der Stella Matutina ausgebaut wurde, ließ der Landesschulrat
der deutschen Privatlehranstalt volle Freiheit in Lehrplan und Lehrbüchern
und begnügte sich mit den jährlichen Berichten über den Stand der Schule
ind des Lehrkörpers.
Darin, daß die abgehenden Schüler eine Aufnahmeprüfung zu
gewärtigen hatten, lag ein nicht geringer Ansporn zum Studieneifer, zumal
in den höheren Klassen. Der Chronist weiß davon manches Rühmliche zu
berichten. Zum Jahre 1869/70 bemerkt er, daß sehr viele Buben die
Erholung morgens nach dem Frühstück und abends nach Tisch unterließen
und bis neun Uhr studierten, ohne früher zu Bett zu gehen, manche im
Sommer um vier Uhr aufstanden. P. General zeigte sich hocherfreut, so
Lobenswertes über den Fleiß zu vernehmen sowie darüber, „daß der Fleiß
der Zöglinge anerkannt wird, die Eltern zufrieden sind und daß ein
wissenschaftlich gebildeter Herr, der sonst den Unsrigen gar nicht wohl
gesinnt ist, unsere Schule öffentlich belobt hat" (Brief vom 17. Mai 1897).
Die Chronik des Jahres 1887 meldet, daß jene Zöglinge, die auf öffentliche
Gymnasien übergingen, bei den Prüfungen nicht nur aufstiegen, sondern
manche sogar eine Klasse überspringen konnten. Der Arzt Dr. Josef Duhamel
aus Kolmar, der selbst nach acht Jahren Schule in der Stella Matutina
jenen Übergang auf ein staatliches deutsches Gymnasium mitgemacht hatte,
schrieb darüber: „Heute (1928), da die Zöglinge beider Gymnasien mit
ruhiger Sicherheit ihre Matura vorbereiten, kennen sie nicht mehr die
Schwierigkeiten, die damals der Übergang auf eine öffentliche Lehranstalt
mit sich brachte. Viele Gymnasien sahen Jesuitenschüler überhaupt ungern
und suchten durch eigentliche Schikanen sie fernezuhalten. Andere hatten
einen etwas geänderten Lehrplan, dem man sich mühsam anpassen mußte.
Selbst diejenigen, die wie Vechta und Ravensburg entgegenkommend
waren, bereiteten durch die Art der Aufnahmeprüfungen viel Sorge und
manchmal schmerzliche Enttäuschungen. Dabei stellte sich freilich nachher
regelmäßig heraus, daß Feldkircher, die in der Stella redlich mitgearbeitet
hatten, sehr bald draußen in recht gute Plätze einrückten. Doch blieb die
Aufnahme in etwa ein Glückspiel; daran dachten wir schon in der 5. Klasse,
und dies war ein mächtiger Antrieb ... Es wird anderen Mitzöglingen
gegangen sein wie mir: Wenn wir uns später auf der Universität und im
Leben fragten, warum ohne Überhebung unsere Allgemeinbildung, unser 77