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Full text : 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

wenn sie durch eine große Hochschätzung der religiösen Erziehung dazu
bewogen werden oder durch die Dummheit und Ungezogenheit ihres
Sohnes gezwungen sind". Auch ein äußerer Umstand sprach für das
Offentlichkeitsrecht: Im Jahre 1884 war der Stollen des Arlbergs durchbrochen
 und der Schienenweg Wien-Paris gesichert. Seitdem wuchs die
Zahl der Anmeldungen aus Tirol und Innerösterreich. Das riet dazu,
neben dem bisherigen deutschen Gymnasium eines nach österreichischem
Lehrplan aufzubauen. Im Herbst 1888 wurde zum ersten Male die erste
Klasse in eine deutsche und österreichische geteilt.

Die treibende Kraft in der Sache des Offentlichkeitsrechtes war
P. Johann Nep. Fischer. Er hat selbst einmal die Gründe, die für den
Ausbau des österreichischen Gymnasiums an der Stella maßgebend waren,
in die Worte zusammengefaßt: „Die Anerkennung unserer Schule wird für
die Zöglinge die Beständigkeit, für die Eltern das Vertrauen, für die
Lehrer das Ansehen, für die Gesellschaft Jesu die Empfehlung und für
unseren Herrgott die Ehre erwerben und vermehren." P. Fischer, 1841
geboren, hatte seine gymnasiale Bildung am Benediktinergymnasium zu
St. Stephan in Augsburg erhalten. Im Orden hatte er als Kleriker
(Scholastiker) an der Stella gelehrt (1867 bis 1872) und seine ungewöhnliche
 Begabung für den Lehrberuf erwiesen. Nach Vollendung der Ordensstudien
 kehrte er nach Feldkirch ins Lehrfach zurück, besuchte 1879/80
die Prager Universität und erwarb sich dort nach einem Jahre das Lehramtszeugnis
 als „vorzüglich befähigt anerkannt, Griechisch und Latein am
Obergymnasium zu lehren". Zurückgekehrt löste er den greisen P. Piscalar
im Amte des Studienpräfekten ab (1882) und hatte es bis zu seinem Tode
inne. Sechs Jahre lang (1885 bis 1891) leitete er zugleich das ganze Kolleg
als Rektor. P. Fischer vereinigte mit einer außergewöhnlichen Begabung
eine gewaltige Arbeitskraft: er erteilte selbst in der einen oder anderen
Klasse Unterricht, besuchte häufig die Stunden der Lehrer, leitete das
Seminar für die jüngeren Lehrer und einige Jahre hindurch auch noch
eine Marianische Kongregation. Große Umsicht, Gewissenhaftigkeit und
Gerechtigkeit zeichneten ihn in seiner Amtsführung aus. Es heißt von ihm
als Lehrer: „Er wurde von seinen Schülern in der Weise gefürchtet, daß sie
ihn hochschätzten und aufrichtig verehrten. Denn sie waren überzeugt, daß
er für ihr wahres Wohl besorgt sei." P. Fischer war von Anfang an davon
durchdrungen, daß den Jesuiten in Zukunft der Zugang zur studierenden
Jugend immer mehr verschlossen werde, wenn die Professoren nicht öffentlich
 anerkannt würden. Mit Erfolg suchte er auch seine Mitbrüder mit
Liebe und Begeisterung für den Lehrberuf zu erfüllen und mit einer gewissen
 zähen Standhaftigkeit zu bewegen, noch die Universitätsstudien zu
machen. Auf seine Veranlassung hin wurden denn auch von den Ordensobern
 innerhalb weniger Jahre 18 Patres auf die Universitäten von Prag,
Wien und Innsbruck geschickt, um sich auf das Lehramt vorzubereiten.
Die ersten am Ende der 80er Jahre waren P. Thüssing und P. Ludewig,
P. München und P. Stiglmayr. Andere folgten zu Anfang und Mitte der
90er Jahre. Als P. Fischer, von einem schweren Leiden befallen, von dem
.er vergeblich in Karlsbad Heilung gesucht hatte, am 5. Oktober 1893 starb, 80
            
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