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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

früherer Zeit meist mit der Papstlotterie verbunden, und ein großes Drama 
um Fastnacht. Bei dieser Norm blieb es mit einer geringen Milderung, 
nämlich, daß die einzelnen Divisionen bei ihren Jausen (Goüters) gelegent­ 
lich eine Posse aufführen durften. 
In der Leitung des Theaters ragten in alter Zeit die beiden Patres 
Alexander Baumgartner und Adolf von Berlichingen hervor. Meist brachten 
sie eigene Dichtungen nach Art der alten Jesuitendramen auf die Bühne; 
das Stück von Berlichingen z. B. „Die beiden Tilly", das 1882 aufgeführt 
wurde, begann um 4 Uhr und war um halb 11 zu Ende. „Uns Zöglingen 
wurde die Zeit nicht zu lang, wir waren einfach begeistert vom Schauspiel 
und dessen Darstellern", schreibt ein Zögling von damals. P. Schäffer 
wagte sich nun an klassische Stücke. Die Jugend sollte sich an diesen 
meisterhaften Formen bilden und den Wert ihrer Schätze kennenlernen. 
Freilich gab es keine große Auswahl klassischer Stücke, die eine Um­ 
arbeitung für die Schülerbühne — ohne Frauenrollen, die in der Stella 
grundsätzlich nicht gespielt wurden — gestatteten. Vor allem kam nun 
Shakespeare auf, für den P. Schäffer sich in England begeistert hatte, das 
erste Mal „Macbeth" im Jahre 1884. Es folgten andere Stücke des Dichters, 
wie „Richard II.", „Heinrich II.", „Heinrich IV.", ,,Julius Cäsar". Aber auch 
deutsche Klassiker kamen auf die Bühne, wie Schillers „Wilhelm Teil", 
„Wallenstein" (die Trilogie zusammengefaßt), Körners „Zriny", Grill­ 
parzers „König Ottokars Glück und Ende". Die Richtung, die P. Schäffer 
eingeschlagen hatte, hielten im ganzen auch seine Nachfolger als „Schmie­ 
rendirektoren" ein, wie P. Scheid, P. Steenaerts und P. Richen. P. Straßen­ 
berger hat dann der neueren Dichtung und dem neueren Geschmack der 
Jugend mehr Rechnung getragen. 
Die Musik, im besonderen die kirchliche, hatte in der Stella Matu- 
tina anfänglich unter dem Gegensatz zu leiden, der zwischen der Frei­ 
burger Tradition und der in Deutschland herrschend gewordenen Richtung 
obwaltete. Denn der Grundton Freiburgs, der in ihrer Blütezeit ziemlich 
internationalen Anstalt, war besonders seit der französischen Julirevolu­ 
tion französisch. Als erster Musikdirektor wirkte an der Stella der junge 
Greith aus St. Gallen, Neffe des späteren Bischofs Greith. Ihm behagte die 
französische Musik wenig, und er nahm nach einem Jahre seinen Abschied. 
Sein Nachfolger Zwyssig, ganz der französischen Richtung zugetan, be­ 
friedigte völlig; aber Feldkirch war ihm zu klein und er kehrte 1861 in 
die Schweiz zurück. Da übergab P. Rektor die Leitung der Musik dem 
jungen Fr. Boehmer, der gute Erfahrung, aber noch keine besondere Aus­ 
bildung hatte. Auf sein Drängen hin erhielt der neue Rektor P. Billet 1862 
endlich einen Pater für das Amt, den P. Augustin Link, der am 12. Ok­ 
tober eintraf. Er sollte die Musik der Stella ein Vierteljahrhundert lang 
bis zu seinem Tode 1886 leiten. Da für P. Billet auch in der Musik das 
„tout comme ä Fribourg" galt, wagte P. Link keine Neuerung und fügte 
sich mit innerer Entsagung. Als aber im Jahre 1867 P. Piscalar Rektor 
geworden war, ein Mann, der seine ganze Bildung auf deutschen Schulen 
erhalten hatte, ließ er seinem schwäbischen Landsmann volle Freiheit. 
Dieser ging klug und bedächtig voran und leitete in die neue deutsche 84
	        
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