möge auch unter ihnen ein Colloquium einführen. Das geschah und es
brachte frisches Leben in die Kongregation. Man darf es wohl zu einem
großen Teil dem Wirken dieses Geistesmannes zuschreiben, daß in jenen
beiden Jahrzehnten so viele Zöglinge der Stella Matutina den Beruf zum
geistlichen Stande gefunden haben. Denn in den Jahren 1869 bis 1891
sind aus dem Kolleg 263 Priester, darunter 138 Jesuiten, hervorgegangen.
Nun ist ja die Stella kein Knabenseminar und keine Apostolische Schule.
Um so mehr liegt das Zeugnis eines guten und religiösen Geistes darin,
wenn aus der Anstalt regelmäßig eine Anzahl der jungen Leute den Weg
ins Heiligtum zu nehmen sich entschließt.
Über den Geist, der unter der Stellajugend herrschte, mag abschließend
das Urteil von drei Altstellanern jener Zeit angeschlossen werden.
Alle drei Männer haben auch ihre Söhne dem Kolleg zur Erziehung anvertraut
und ihre Aussage, durch eine reiche Lebenserfahrung gereift, verdient
sicherlich Beachtung. Universitätsprofessor Dr. August Most (Breslau)
schloß seine Erinnerungen an die Feldkircher Jahre (1878 bis 1887) mit
den Sätzen: „Die Stella hat mancherlei Wandlungen erlebt. Nicht nur ihr
Äußeres hat sich gewaltig verändert, auch das Leben in der Stella hat sich
den Zeiten angepaßt. Doch der alte Geist der Stella, der Geist einer tiefgläubigen
Weltanschauung, ernster Arbeit und Pflichttreue und der Geist
echter, ungezwungener Fröhlichkeit ist geblieben und wird bleiben, solange
die Stella vom Fuße der ernsten Felswände des Stadtschrofens aus in die
sonnigen Fluren des Rheintales und auf die schneeigen Bergriesen schaut."
Dr. Josef Duhamel (in der Stella 1884 bis 1892), der auch später oftmals
das Kolleg besuchte, wenn er zum „Gletscherpfarrer" im Gepatschhaus,
P. Richen, in die Ötztaler Bergwelt hinaufstieg, schreibt: „Heute,
nach 40 Jahren, seitdem meine Söhne in der Stella gewesen sind und dann
durch die Umstände gezwungen (als Elsäßer) andere Erziehungsanstalten
aufsuchen mußten, heute, bei aller Anerkennung und Arbeit dieser
Anstalten, steigen die glücklichen Stellajahre in der dankbaren Erinnerung
doppelt lichtvoll auf. Der Ausspruch mancher Altfeldkircher: „Es gibt nur
eine Stella Matutina", ist Wirklichkeit. Eine derartig sichere, einheitliche
Schulung zu bewußter katholischer Charakterbildung, eine derartige
körperliche Ertüchtigung in diszipliniertem Spiel und Sport, begünstigt
durch die günstige Lage und Einrichtung der Stella, ist einzig. Doch das
ist es nicht allein, mehr noch als all dies ist es die Tradition des Hauses,
gehalten durch die Lehrer und Erzieher, die dafür ihre ganze Kraft und
ihr ganzes Können einsetzen und nur für dieses Ziel bis zum äußersten
verwenden für die anvertraute Jugend."
Alois Fürst zu Löwenstein (in der Stella 1885 bis 1888) hebt in seinem
Briefe, den er im Jahre 1931 zum 75. Jubeljahre des Kollegs an P. Rompel
richtete, das Gesund-kräftige hervor, in dem die Jugend in Feldkirch
heranwächst: „Jedenfalls war und ist die gegenseitige Erziehung der
Buben in Wort und Tat etwas überaus Wertvolles. Zwei Präfekten können
nicht an 60 Sprößlingen das Wort der Schrift erfüllen: „Wer seinen Sohn
liebt, der züchtigt ihn." Zeit und Muskelkraft reichen dazu nicht. Der
amtliche Erzieher erfährt auch nicht alles und braucht auch nicht alles zu 87