erfahren. Angeberei z. B., die in der Stella Gott sei Dank immer verpönt
war, und kleine Gemeinheiten werden am richtigsten und empfindlichsten
von den Buben selbst bestraft. Daß dabei Rohheiten vorkommen, ist wahr,
und die müssen geahndet werden, weil es schlecht ist, eine Rohheit zu
begehen. Hie und da eine zu erleiden, ist aber sehr gut. Denn sonst unter
liegt man später den Rohheiten des Lebens. Das gesunde Maß von
Spartanismus, das Feldkirch uns bot, betrachte ich als eine Wohltat fürs
Leben. Das Frühaufstehen, zu meiner Zeit noch um fünf Uhr, das Hinaus
gehen in Eis und Schnee in genau dem gleichen Rock, in dem man im
geheizten Zimmer saß, der Zwang zu Sport und Spiel, heute allerdings
eine Selbstverständlichkeit, auch das verblüffende Morgengetränk, das sich
Kaffee nannte, im übrigen gesunde und reichliche Nahrung, die unerbitt
lich strenge Disziplin der Haus- und Tagesordnung: das sind, jedes für
sich, Kleinigkeiten. Aber es ist mehr als Gold wert für einen jungen
Menschen, das mitgemacht zu haben. . . Unübertroffen ist die Ordnung des
Zusammenlebens der Zöglinge mit Rücksicht auf die Gefahren des
Zusammenseins: die scharfe Trennung der Großen und Kleinen, die
Behinderung des Cliquenwesens und der Privatfreundschaften. Nicht nur
Zöglinge, auch Eltern haben das als kleinliche Schikanen empfunden. Wer
aber die traurigen Erfahrungen anderer Internate kennt, wird den Vätern
der Gesellschaft Jesu dankbar sein für ihre schützende Erziehungsweisheit.
Seither bin ich oft in der Stella gewesen; hat mir doch die liebe alte Stella
drei Söhne erzogen, einen vierten halte ich in Reserve. Wann immer ich
kam, hat mir das den stärksten Eindruck gemacht, daß die Zöglinge
fröhlich sind. Das wären sie nicht, wenn sie sich dort nicht gesund fühlten
an Leib und Seele."
Im Anschluß sei noch die Tagesordnung gegeben, wie sie zu
Beginn der Neunzigerjahre galt (siehe Jahresbericht des Privatgymnasiums
1891/92): Die Zöglinge stehen um fünf Uhr auf, die Kleinen schlafen immer
eine halbe Stunde länger, die Mittleren nach Spaziergängen, die Großen
an Vakanztagen. Einige Male schlafen alle eine ganze Stunde länger. Auf
das Morgengebet folgt Studium bis 6.45 Uhr, hierauf heilige Messe, Früh
stück und Erholung. Von 8 bis 11.15 Uhr ist Schule mit Unterbrechung einer
Viertelstunde. Dann Studienzeit oder Freifächer. Um 12 Uhr Mittagessen;
die gemeinschaftliche Erholung nach Tisch besteht in Bewegungsspielen,
für jede Division auf ihrem eigenen Spielplatz. Dem Nachmittagsunterricht
geht eine halbe Stunde Studium vorher. Nachher nehmen die Zöglinge ihr
Vesperbrot und spielen wie nach dem Mittagstisch. Das Studium von
5 bis 7.30 Uhr hat eine Unterbrechung von einer Viertelstunde. Vom Mai
an dauert bei gutem Wetter die Arbeitszeit abends von 5 bis 7 Uhr, dann
ist eine halbe Stunde Erholung. 7.30 Uhr folgt Abendessen, Nachtgebet,
sogenanntes Freistudium, wo jeder, der nicht wegen Müdigkeit gleich
schlafen geht oder etwas Versäumtes noch nachholen muß, die Zeit
beliebig, besonders aber zur Privatlektüre, verwenden kann. Vor 9 Uhr
sollen alle Zöglinge im Bett sein.
Gegen Ende des Rektorates von P. Löffler fiel im Jahre 1881 der
2 5j ährige Bestand der Stella Matutina. Einige begeisterte Altfeld 88