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Full text: 100 Jahre Stella Matutina. 1856-1956

erfahren. Angeberei z. B., die in der Stella Gott sei Dank immer verpönt 
war, und kleine Gemeinheiten werden am richtigsten und empfindlichsten 
von den Buben selbst bestraft. Daß dabei Rohheiten vorkommen, ist wahr, 
und die müssen geahndet werden, weil es schlecht ist, eine Rohheit zu 
begehen. Hie und da eine zu erleiden, ist aber sehr gut. Denn sonst unter­ 
liegt man später den Rohheiten des Lebens. Das gesunde Maß von 
Spartanismus, das Feldkirch uns bot, betrachte ich als eine Wohltat fürs 
Leben. Das Frühaufstehen, zu meiner Zeit noch um fünf Uhr, das Hinaus­ 
gehen in Eis und Schnee in genau dem gleichen Rock, in dem man im 
geheizten Zimmer saß, der Zwang zu Sport und Spiel, heute allerdings 
eine Selbstverständlichkeit, auch das verblüffende Morgengetränk, das sich 
Kaffee nannte, im übrigen gesunde und reichliche Nahrung, die unerbitt­ 
lich strenge Disziplin der Haus- und Tagesordnung: das sind, jedes für 
sich, Kleinigkeiten. Aber es ist mehr als Gold wert für einen jungen 
Menschen, das mitgemacht zu haben. . . Unübertroffen ist die Ordnung des 
Zusammenlebens der Zöglinge mit Rücksicht auf die Gefahren des 
Zusammenseins: die scharfe Trennung der Großen und Kleinen, die 
Behinderung des Cliquenwesens und der Privatfreundschaften. Nicht nur 
Zöglinge, auch Eltern haben das als kleinliche Schikanen empfunden. Wer 
aber die traurigen Erfahrungen anderer Internate kennt, wird den Vätern 
der Gesellschaft Jesu dankbar sein für ihre schützende Erziehungsweisheit. 
Seither bin ich oft in der Stella gewesen; hat mir doch die liebe alte Stella 
drei Söhne erzogen, einen vierten halte ich in Reserve. Wann immer ich 
kam, hat mir das den stärksten Eindruck gemacht, daß die Zöglinge 
fröhlich sind. Das wären sie nicht, wenn sie sich dort nicht gesund fühlten 
an Leib und Seele." 
Im Anschluß sei noch die Tagesordnung gegeben, wie sie zu 
Beginn der Neunzigerjahre galt (siehe Jahresbericht des Privatgymnasiums 
1891/92): Die Zöglinge stehen um fünf Uhr auf, die Kleinen schlafen immer 
eine halbe Stunde länger, die Mittleren nach Spaziergängen, die Großen 
an Vakanztagen. Einige Male schlafen alle eine ganze Stunde länger. Auf 
das Morgengebet folgt Studium bis 6.45 Uhr, hierauf heilige Messe, Früh­ 
stück und Erholung. Von 8 bis 11.15 Uhr ist Schule mit Unterbrechung einer 
Viertelstunde. Dann Studienzeit oder Freifächer. Um 12 Uhr Mittagessen; 
die gemeinschaftliche Erholung nach Tisch besteht in Bewegungsspielen, 
für jede Division auf ihrem eigenen Spielplatz. Dem Nachmittagsunterricht 
geht eine halbe Stunde Studium vorher. Nachher nehmen die Zöglinge ihr 
Vesperbrot und spielen wie nach dem Mittagstisch. Das Studium von 
5 bis 7.30 Uhr hat eine Unterbrechung von einer Viertelstunde. Vom Mai 
an dauert bei gutem Wetter die Arbeitszeit abends von 5 bis 7 Uhr, dann 
ist eine halbe Stunde Erholung. 7.30 Uhr folgt Abendessen, Nachtgebet, 
sogenanntes Freistudium, wo jeder, der nicht wegen Müdigkeit gleich 
schlafen geht oder etwas Versäumtes noch nachholen muß, die Zeit 
beliebig, besonders aber zur Privatlektüre, verwenden kann. Vor 9 Uhr 
sollen alle Zöglinge im Bett sein. 
Gegen Ende des Rektorates von P. Löffler fiel im Jahre 1881 der 
2 5j ährige Bestand der Stella Matutina. Einige begeisterte Altfeld­ 88
	        
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