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Full text : Bundesgymnasium Feldkirch 1649-1949

stet hat. Sander war nicht nur ein ungewöhnlich fleißiger
 Mensch, sondern auch ein sehr vielseitiger Gelehrter,
der in heiden seiner Fächer reiche Kenntnisse besaß und
sich als Germanist und Historiker in gleichem Maße wissenschaftlich
 betätigte. Als Sohn alemannischer Eltern hing
er mit inniger Liebe an der Heimat seiner
Vorfahren. So verstehen wir, wenn sich Sander gerade die
wissenschaftliche Erforschung Vorarlbergs zur Lebensaufgabe
 machte. Mag er auch als Biograph Felders und als
Herausgeber von Felders Werken sich einen Namen gemacht
 haben, so ist doch seine Leistung als Historiker entschieden
 bedeutsamer als die als Germanist. Was Sander
zur Förderung der Vorarlberger Geschichtsschreibung beigetragen
 hat, wird uns klar, wenn wir den Stand der Geschichtsforschung
 vor seinem Auftreten betrachten.

Sander befaßte sich vor allem mit der Geschichte des
Vorarlberger Oberlandes und zwar im Spätmittelalter und
in der frühen Neuzeit und sein Verdienst liegt namentlich
darin, die Kenntnisse seiner Zeitgenossen über die ältere
Geschichte des Oberlandes, vor allem bestimmter Gegenden,
 wie des Tannberg, der Herrschaft Bludenz und des
Montafon, durch wertvolle Einzelheiten wesentlich bereichert
 zu haben. Bei seinen historischen wie bei seinen literarischen
 Aufsätzen fesseln den Gelehrten nicht so sehr
die Ergebnisse, als die Träger der Handlung. Sander ist
am liebsten Biograph : für jede seiner Studien trägt er in
langer Arbeit ein möglichst umfangreiches Quellenmaterial
zusammen und wertet es denkbar gründlich aus. Jede erdenkliche
 Einzelheit, die er in der Quelle gefunden hat u. die
für die Charakteristik der vorkommenden Persönlichkeiten
oder der Vorgänge nur von der geringsten Bedeutung ist,
nimmt er in seine Darstellung auf. Besonders gern verweilt
 er bei solchen Kleinigkeiten, wenn dadurch seine
Abhandlung an Anschaulichkeit oder Vollständigkeit gewinnt.
 Gerne beschäftigt sicli Sander auch mit Rechtsverhältnissen
 im Vorarlberg vergangener Jahrhunderte, namentlich
 dann, wenn er gelegentlich auch einen Einblick in
die Kultur einer Epoche geben kann.
Neben Vorzügen sind aber auch Mängel an seinen 46
            
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