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Full text : Jung-Vorarlberg. Organ für die schulentlassene Jugend, insbesondere für Jugendvereine

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die Augen und erkennt mich. „Mit mir ist es vorbei, die verfluchten Hunde
haben mich gut getroffen," stiesz er zwischen den Zähnen hervor. „Freund,"
sagte ich zu ihm, „fluche nicht im Angesicht des Todes, denke an Gott!"
„Es gibt feinen Gott!" „Doch," sagte ich wieder, „es gibt einen Gott, und
auch Du kannst das im Angesicht des Todes nicht leugnen." „Ich habe im
Leben feinen Gott gebraucht, ich brauche auch jetzt feinen." „Dann bete
wenigstens ein Vaterunser, ehe Du stirbst," mahne ich wieder. „Beten —
beten — beten — ich kann — nicht beten . . ." höre ich ihn noch röchelnd
sagen, bann ward er stumm für immer. Ich falte feine Hände über der
Brust, mache das Kreuzeichen auf feine Stirne, Mund und Brust und ziehe
auch ihm bie Feldkappe über sein Gesicht, damit ber Mond feinen lebten
Schlaf nicht störe.

Zwei Bilder aus bem Kriegsleben, ergreifend für alle, bie fie mit
angesehen. Nach Tagen hörte ich es noch aus bem Munde ber Kameraden
von rechts unb links: „Mit bem einen märe ich gern gestorben, mit bem
andern nicht!" Wie gelebt, so gestorben. (Tr. Kt. M.)

(Erzählung aus den Tagen des groszen Krieges vom
ent coies Bodenseesepp.)

Schuhmachers Menrad unb Stöcklers Kaspar sind miteinand auf ber
gleichen Schulbank gesessen und haben vom gleichen Stück Brot herabgebissen;
zehn Jahre später beim Militär sind fie auf ber gleichen. Britsche gehockt
unb haben am gleichen Kommiszweggen genagt; fie waren also ganz besonders
gut Freund zueinander und man hätte meinen fallen, mit Zabin unb Pickel
feien bie zwei nicht auseinanderzureiszen.

Bekanntlich gehen aber giftige, hochfahrende Weiberzungen über Zabin
unb Pickel!

Der Stöckler hatte einige Monat nach Ablauf feiner Dienstzeit Hofemüllers
 Trude geheiratet; bie gehörte aber zu jener Klasse von Menschen,
bie immer unb überall kirchturmhoch hinauswollen unb ben Wert eines
Menschen rein nur nach feinem Vermögen bemessen; bie ersten Jahre sagte
fie nicht viel, obwohl’s ihr schon gleich von Anfang an ein Dorn im Aug‘
mar, daß ber Kaspar immer und immer beim armen, lebigen Schuhmacherle
saß unb nicht beim Vorsteher ober beim Schulleiter aber sonst bei Bessern
aus ber Gemeinde; schlieszlich ging bas Faß über unb ba kam allbot ein
Wasserstrahl über ben Ehemann. „Der Schuster ba brühen, bei bem du
alleweil hockst, soll fich mit feinen zwei Geiszen abgeben, ein Bur, ber
20 Stück Vieh im Stall und zwei Roß hat, ber fünf Knecht unb einen Senn
unter fich, Hofemüllers Trude neben fich und niemanden in ber Gemeinde
über fiel) hat, gehört in beffere Gesellschaft." „Weib", gab ber Kaspar
jedesmal zur Antwort, „wirst wissen, mas ich schon hundertmal gesagt hab,
ber Menrad ist mir gut genug". Unb fie brauf: „Aber mir nicht, eine
wahre Schand ist’s für bie ganz Verwandtschaft! Der Schuhmacher ist
nichts, wird nichts unb hat nichts". — „Was? Der Menrad hat nichts!
Ein Herz hat er, wie man fein edleres nit findt im ganzen Ländle; drum
lasz ich ben Menrad einfach nit fallen; unb jetzt bist mir ein für allemal
still mit bem G’wäsch". Aber bie stolze Trude blieb nicht still, sondern
bohrte und brummte weiter, bis ber Mann bem lieben Frieden zulieb ben
Nachbar wirklich fallen liesz, das heiszt, er ging nicht mehr hinüber in feine
            
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