Organ für die Vorarlberger Jugend,
insbesondere für Jugeudvereine.
Nummer 13. Bregenz, 2. Mai 1915. II. Jahrgang.
Du meine Mütter und ic dein Ktind!
Ein marianisches Sträuszlein vom Brunellenfranzl.
Gott grüs Euch, meine lieben jungen Klettergaiszen, Gsanglbuben,
Goldjungen, Marscheinsklopfer und Fabulierfinken vom Ober-, Unter und
Zwischenland! Gelt, jetzt hab ich Euch schon lang sitzen taffen und der eine
ober andere von Euch wird wohl gedacht haben, Franzl ist am End in den
Krieg und bie Russen ober Serben haben ihm wohl feine alten Knochen aus
dem Konzept gebracht mit einem Schrapnellfetzen. Aber damit ift es nichts,
ber Franzl ift noch ba und zwar in feiner alten, wurmstichigen Klause und
ber Hausfreund, mein „Rolli" Nr. 2, steht noch immer Wache vor bem
Mausloch unter ber himmelblauen Bettstatt ober schnurrt auf feiner Etappenstation
auf bem Ofen eine alte Soldatenveise von Groszmutters Zeiten her.
Die letzte Zeit habe ic allerhand anderes zu denken unb zu tun gehabt unb
so ift mir eine Woche um bie anbere vergangen, daß mir fast „trümmlig"
babei geworden ift. Aber heute, heute musz ich mich wieder einmal mit
meinen lieben jungen Freunden aufs Bänklein setzen unb plauschen nach
Herzenslust. Wie geht es Euch benn alleweil, Ihr krausköpfigen, schwarzunb
blauäugigen Alemannen? Jetzt wirds in Euch wieder brodeln unb
sieden unb „pfutzgen" wie in einer Kaffeemaschine, feit ber Frühling wieder sich
hat blicken laffen. Ja, wenns grünt unb blüht unb keimt unb sproszt drauszen
im Hag unb auf ber Wiese unb bie Kätzchen vom Strauch herunterhangen,
bann juckts auch wieber in den jungen Köpfen unb brodelts in den jungen
Herzen, daß fie wie bie jungen Gaiszen am liebsten über jeden Hag hinaushüpfen
unb wie ein junges Röszlein mit umgestürztem Karren über Stock
unb Stein rafen möchten! Nun ich bin auch einmal jung gewesen unb
verarg’s Euch nicht, wenn in Euren jungen Herzen Frühling einzieht mit