accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text : Jung-Vorarlberg. Organ für die schulentlassene Jugend, insbesondere für Jugendvereine

Nr. 1 Jung-Vorarlberg" Seite 6

000 000 •00 □□
==0= ==0=IL



Anekdoten vom Kriege

(Originalerzählungen.)

=0==•0


000_l

•00 000

(Auffallende Rettung.) Ein Trappistenkloster im Elsässischen lag
gerade im Mittelpunkte der Kämpfe, die zu Beginn des Krieges in jenem
Gebiete tobten. Den einen Tag war es im Besitz, der Franzosen, den andern
im Besitz der Deutschen. Die Patres nahmen die Verwundeten zur Pflege
auf, unter denen sich die französischen bitter beklagten, daß man sie unter
dem Vorwande, es gehe zu einer militärischen übung, hieher an die Grenze
geführt habe; erst als sie der Deutschen ansichtig geworden seien, hätten sie
erkannt, das es blutigen Ernst gälte. Viele beichteten und viele noch
Unverwundete brachten ihre Sünden, auf Zettel niedergeschrieben, zur Beicht.
Da geschah es nun, dasz ein französischer Offizier Schriften und Kriegspläne
auf dem Zimmer des Novizenmeisters hatte liegen lassen. Hocherfreut
breitete der Pater die Akten zum Studium vor sich aus. Doch es dauerte
nicht lange, als wieder französisches Militär ins Kloster einbrach; unverzüglich
 wurden alle Klosterbewohner in einem Saale eingesperrt, alle
Schlüssel zum Zwecke einer Hausuntersuchung abverlangt, weil man Spione
im Kloster vermutete. Jene Pläne waren aber in der Zelle des Novizenmeisters
 ausgebreitet liegen geblieben. Es muszten furchtbare Stunden
gewesen sein, welche dieser Pater durchmachte; denn es stand fest, wenn
man zu seinem Zimmer gelangt, ist er des Todes. Die Durchsuchung ergab
aber nichts Verdächtiges, alle wurden wieder auf freien Fus gesetzt. Und
nun stellte es sich heraus, daß alle Zimmer geöffnet und untersucht wurden,
nur jenes des Novizenmeisters war geschlossen und somit übersehen worden.
Dankerfüllten Herzens eilte der Gerettete zuerst in die Kapelle.

(Aus Überlingen.)

(Gehorche rasch!) Bei Luneville muszte ein Soldat eine Nachricht
von der Frontlinie weg zum Kommando bringen. Auf dem Rückweg sieht
er einen Verwundeten auf dem Felde liegen. Dieser warnt ihn, er solle doch
Deckung suchen und einstweilen warten, bei diesem Kugelregen könne er jetzt
unmöglich davonkommen. Der Soldat aber wendet ein, er habe eine wichtige
Meldung zu erstatten, da gelte kein Zögern. Doch der Verwundete drängt
ihn, er solle sich doch nicht unnötigerweise der Gefahr aussetzen. Endlich
läszt er sich bereden und will sich niederlassen, da streckt ihn auch schon eine
feindliche Kugel tot nieder. Der gute Soldat wird durch sein Zögern gewisz
nicht gefehlt haben, aber wer weisz, ob er nicht trotz Kugelregens davongekommen
 wäre, wenn er den Befehl seiner Vorgesetzten rasch und pünktlich
ausgeführt hätte. Aus dem Briefe eines deutschen Soldaten

(„Bis 15".) Ein rauflustiger Niederbayer empfindet es zu langweilig,
in der Schwarmlinie zu schieszen. Er wirft Tornister und „Schlutte" weg,
stürmt voran und läszt den Gewehrkolben Bekanntschaft machen mit den
Franzosenschädeln. Bald kommt er voll Blut und Stichen mit dem bloszen
Gewehrlauf zurück und auf die Frage des Arztes, wieviel er umgebracht
habe, meint er: „Bis 15 hab i zählt, nachher ist’s mir z’dumm worden".

(Aus Immenstatt.)
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.