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Castelnuovo soll ein ungemein fruchtbarer Fleck Erde sein. Eine
besonders feine Spezialität von Orangen soll hier gedeihen, die mit denen
in Südspanien und Sizilien gut wetteifern können.
Dann wächst hier auch ein schwerer süszer Rotwein, der den Ruf genieszt,
zu öen edelsten Dalmatiner Weinen zu gehören.
Jn der Offiziersmenage trinke ic einen halben Liter dieses öligen
bouquctreichen *) Weines, der mich ganze 56 Heller kostet.
*) Bouquet (sprich Bukett) bedeutet sonst Blumenstrauß, hier aber den Duft (Blume)
des Weines.
**) Bezeichnung für die zahllosen Meerbusen an der norwegischen Küste.
Die Stadt Castelnuovo ift an einer ziemlich steilen Berglehne aufgebaut
und auf Schritt und Tritt begegnen dem Reisenden Tatrosen und Infanteristen.
Castelnuovo ift überfüllt mit Militär, Zivilisten sind nur wenige zu sehen.
Viele Privatgebäude sind zur Einquartierung der Soldaten bezogen worden
und trotzdem reicht cs noch nicht aus. Rotbaracken sind allenthalben errichtet.
Die Hitze wird allmählich unerträglich. Das ganze AMeeresufer entlang fieht
man lauter badende Soldaten. Auf der Rückkehr nach dem Schiffe begegnet
mir ein Dalmatiner mit einem geschlachteten Schafe auf dem Rücken und
fragt mich, ob man auf dem Schiffe frisches Schaffleisch brauche, worauf
ich ihn auf den Schiffskoc verweise. Jn öer Schiffsküche geht es nun au
ein Handeln und Feilschen, bis fie schließlich doch handelseins werden.
Der Dalmatiner verläszt nun erhobenen Hauptes, von feiner Last befreit,
schmunzelnd öas Schiff. So hatte ich den Passagieren zu einem guten Schafs-
braten verholfen.
* *
Um II Uhr herum setzen wir die Fahrt in öie Bocche fort. Gleich
einem norwegischen Fjord ** ) schneidet öie vielarmige Bucht tief in öas herz
öes Landes hinein und eine Reihe entzückender Bilder rollt sich vor uns aus,
eines bunter und abwechslungsvoller wie öas andere.
Aberdies wird hier öer düstere Ernst öer Berglandschaft durch eine
südliche Vegetation gemildert, hier kann man in unmittelbarer Mähe
öcs 21eeres (Digärten, Weinberge und Orangenhaine sehen, etwas höher
Apfel, Birnen- und Hirschbäume und in noch höheren Regionen niedere
Laub- und Tannenwälder. Über öer Region öer Wälder tritt öer nackte
Fels zu Tage und schlieszlich von öen Spitzen öer Berge blinkt öer glitzernde
Schnee zu Cal.
Alle Stufen öer Vegetation unö Erdformation sind hier vereinigt
zu sehen, von öer üppigsten Pflanzenwelt öes Südens bis zum Schnee öer
Hochgebirgswelt.
Nurze Zeit nach Verlassen öes hafens von Castelnuovo, fahren wir
beim Aldmiralschiff „Aldmiral Spaun" vorbei. Unfer Bootsmann leistet
öen Flaggengruß durch dreimaliges Auf- und Abziehen öer österreichisch-un-
garischen Handelsflagge, worauf auf dem Wriegsschiff durch einmaliges
Aufziehen öer Kriegsflagge geantwortet wirö. Eine halbe Stunde später
finö wir in Ceodo. Auch in Ceodo ift alles überfüllt mit Soldaten.
Privathäuser finö in Beschlag genommen. Am AMeeresufer finö Vot-
baracken errichtet, hier in Teodo war öie Hitze am unerträglichsten auf
öer ganzen Fahrt, 60° + Cels. konnte ich mittags 12 Uhr an öer Sonne
an einem Thermometer ablesen, öabei war vollkommene Windstille.