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Risano viele österreichischen Serben die Rationalkappe von Montenegro
tragen.Diese Kappen unterscheiden sich von den dalmatinischen nur dadurch,
daß oben in einem Halbkreis die Initiale *) des Königs von Montenegro
Nikita, ein „T", mit Gold- oder Silberfaden eingestickt ist, während auf den
dalmatinischen Kappen entweder ein Stern oder eine andere Figur oben eingestickt
ift. Auc in öen Auslagefenstern finö viele solcher montenegrinischer
Kappen ausgestellt. Der Ladeninhaber, den ich darum um Auskunft
frage, fagt mir: „Was wollen Sie, die Montenegriner kommen eben zu
uns nach Cattaro und Risano zum Einkaufen und find mir auf fie angewiesen,
mir müssen eben Allles führen, mas verlangt wird." Das leuchtete mir nun
allerdings ein. Dann ftatte ich auch der orthodoxen Kirche einen Besuch
ab und stellt diefelbe in ihrer Art ein Kunstwerk dar. Dann begebe
ich mich in das am hafen liegende Kaffeehaus, mo ich einen ausgezeichneten
schwarzen Kaffee befomme.
*) Anfangsbuchstabe.
**) Wir wollen in den gleichen Himmel.
Ich knüpfe auch mit dem dort anwesenden alten griechischen Pfarrer,
der auch italienisch spricht, ein Gespräch an, in dessen Verlauf ic ihn
als einen liebenswürdigen herrn kennen lerne. 34 mache feinen hehl
daraus, daß ich katholisch bin, mas ihn nur freut: „Wir Orthodore
leben mit den Katholiken in gutem Einvernehmen", „noi vogliamo nello
stesso cielo" ** ) fagte er. Der alte Pope erzählt mir auch manche interessanten
Züge der Bocchesen und über deren ehemalige Blutrache, die aber auch
heute noch in vereinzelten Fällen vorkomme. Aber nun heiszt es scheiden.
Dem alten ehrwürdigen Pfarrherrn für feine Erklärungen beftens dankend,
nehme ich von ihm Abschied.
Um 31/2 Uhr führt der Dampfer nach Perasto.
In Perasto kommen mir schon um 3/44 Uhr an. hier hält der
Dampfer nur 10 Minuten. Diefes Perasto hatte früher mehrere taufend
Einwohner. Dann machten die Türken und Montenegriner feindliche Einfälle,
brannten, raubten, mordeten und führten viele in die Sklaverei nach der
Türkei. So fam es immer mehr herunter und heute ift es ein ein paar hundert
Einwohner zählendes Rest. Nur die epheuumrankten Ruinen alter Paläste,
Türme und Klöfter zeugen von feiner einstigen Grösze und lassen eine reiche,
prächtige Vergangenheit ahnen, perafto ift katholisch und hat auch ein
Heines Wloster auf einer daneben liegenden Insel mit Namen „Santa Madonna
dello Scarpello". Und nun, lieber Leser, will ich deine (Geduld auf feine lange
Probe mehr stellen, denn es geht dem Endziel der Reise, Cattaro, entgegen.
Bald sind mir im Golf von Cattaro. Dom Lande her kommen harzige,
wohlriechende Düfte, von den dort zahlreich vorhandenen ATeerkiefern
herrührend. Auf einem rechtsliegenden Berg sehe ich ganz oben an einem
sehr fteilen Abhang ein Dörfchen mit einer Kirche, die traulich zu uns
herabgrüszen. War die ganze Reise nach Cattaro von Tag zu Tag schöner,
so schien es mir, als menn fie heute mit der Ankunft in Cattaro ihren
Höhepunkt an Interessantheit und Schönheit erreichen sollte.
Und mie mir in die letzte Bucht einbiegen, liegt es vor uns, am Fusze
der himmelanstürmenden Berge. Und im Hintergrund hebt der montene
grinische Grenzberg Lovcen, fein schneebedecktes Haupt in den tiefblauen