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Full text : Jung-Vorarlberg. Organ für die schulentlassene Jugend, insbesondere für Jugendvereine

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vom Meer bis in die Vogesen, also fast 500 Kilometer, was der Entfernung
Bregenz-Wien gleichkommt. Und trotzdem musz diese Riesenarmee von einem
Kommando, einem Willen dirigiert werden.

Die Feldherrn der vergangenen Jahrhunderte legten noch das gröszte
Gewicht auf das eigene Sehen des Terrains, der Truppenaufstellung und
gaben bann ihre Befehle. Die Heeresleitung von heute musz darauf versichten
 und sich auf bie Wahrnehmung unb Berichterstattung anderer verlaffen.
Der Generalstab so nennt man heute das Kollegium (Gesamtheit)
jener besonders geschulten Offiziere, welche bie oberste Führung beS Heeres
in ben Händen haben schlägt vielleicht 100 Kilometer hinter der Gefechtslinie
 in irgend einem Schulhause ober einer Kaserne fein Quartier auf,
stets bereit, dasselbe je nach Ulmständen wieder anderswohin zu verlegen.
Von dort aus wird zunächst mit ben unterstehenden, ber Front näher
gelegenen Kommandostellen ber verschiedenen Korps, Divisionen, Regimenter 2C.
durch eigene Truppen eine telegraphische ober telephonische Verbindung
hergestellt. Ferner stehen dem Generalstabe viele Automobile, Radfahrer,
Flieger, Fesselballons, bie durch Seinen in bestimmter Höhe festgehalten

werden, enblicf) eigene Kavallerie-Offiziere als Ordonnanzen (Überbringer von
Befehlen) zur Verfügung, bie nach Bedarf mit Aufträgen näher an bie
Front ober zur Einziehung von Erkundigungen dorthin abgesandt werben.
Von gröszter Bedeutung sind natürlich bie Flieger, weil eS diesen am
ehesten möglich ift, ein Bild vom Stanbe beS Kampfes, von ber Stärfe,
ben Bewegungen unb Plänen beS Feindes zu gewinnen. Allerdings finb
diese Erkundungsflüge auch mit ben gröszten Gefahren verbunden, vorerst
deswegen, weil bas Fliegen bis heute noch em unsicheres Geschäft geblieben ift,
fürs zweite, weil ber Feind feine Munition sparen wirb, um ben neugierigen
Kerl herunterzuholen. Bei ber ersten Belagerung von Przemysl ift eS
einem österreichischen Aviatiker (Flieger) gelungen, vom Generalstabe weg
mitten burch ben feindlichen Geschoszhagel bis in bie Festung unb von bort
wieder zurückzugelangen. Russische „Bohnen" hatten ihm wohl mehrmals
bie Flügel burchlöchert, aber er selbst fam mit heiler Haut davon. Von
besonderem Borteil wäre eS, wenn ber Flieger ruhig über ber feindlichen
Stellung verbleiben unb nicht immer in Bewegung fein müszte; bann fönnte
er mit mehr Musze feine Beobachtungen machen, dieselben drahtlos dem
Kommando zutelegraphieren ober auch eine photographische Aufnahme beS
ganzen Geländes machen. Doch bas musz bem nächsten Feldzuge vorbehalten
 bleiben.

In einem einsamen Zimmer beS Hauptquartiers sitzt nun ber Chef
(Leiter) beS Generalstabes in Österreich ift eS bekanntlich Konrad von
Hötzendorff in aller Ruhe, ben sinnverwirrenden Eindrücken ber Schlacht
vollständig entrückt. Bor ihm ift bie Generalstabskarte auSgebreitet,
geschmückt mit Markierfähnchen. Seine Aufgabe ift eS nicht, all bie verschiedenen,
 zahlreich von allen Seiten einlaufenden Meldungen entgegenzunehmen,
 zu prüfen unb zu fichten, bas ift Sache eines anbern GeneralftäblerS,
 ber übrigens sehr viel Urteilskraft, kaltes Blut unb gute Nerven
braucht. Dieser musz bie Meldungen zusammenstellen unb von Zeit zu Zeit
bem Chef über bie Borgänge auf bem Schlachtfelde Mitteilung machen.
Auf bas hin trifft bann ber letztere feine Anordnungen, 3. B. Verschiebungen
pon Truppenteilen, Einsetzen ber Reserven usw. Wichtigere Entscheidungen
            
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