Nr. 1 „Jung Vorarlberg" Seite 3
schicken das heutige Blatt an alle Kreise, die sic um die schulentlassene
Jugend interessieren, besonders an die hochwürdigen Pfarrämter. Die regel»
mäszige Lektüre unseres Blattes wird dort sehr leicht den Boden vorbereiten,
wo mit der Zeit die Gründung eines PereineS geplant ist, andererseits wird
dadurch an Orten, wo ein Perein nicht möglich, nicht notwendig ober aber
nicht gewünscht wird, ein solcher teilweise ersetzt. Man wolle daher wenigstens
8 Exemplare unter einer Schleife bestellen (Porto 5 h). Wir bitten aber,
bald, möglichst schon bie nächste Woche zu bestellen, bamit bie genaue Aufläge
ber zweiten Nummer beftimmt werden kann. Bestellungen ober sonstige
Anfragen können an bie Redaktion ober an ben Obmann des Preszkomitees
Dr. J. Schöch Vorkloster gerichtet werben.
Die Bezugsbeträge finb bis 1. Dezember an ben Kassier G. W. Gunz-Altach
abzuführen. Der Bequemlichkeit wegen bebienen wir uns des Scheckverkehrs
unb werben bie entsprechenden Erlagscheine rechtzeitig oerfenbet werben.
Und nun auf gut Glück !
Es lebe „Jung Vorarlberg"!
--------«48--------Warum
hassen sie uns?
Kameraden! Woher lammt es, dasz gerabe alles Religiöse, besonders
alles Katholische fo bittere Feindschaft findet? Man tut oft, als feien wir
schon längft überwunden unb abgetan; aber bann geht wieber zu anbern
Zeiten eine Hetze gegen uns los, als gälte es, bie Welt von unS zu fäubern
wie von ber Cholera.
Por einem Monat, wo in Rom 4000 Teilnehmer oom Perbanb katholischer
Sportvereine versammelt waren, um über Sportfragen zu verhandeln
unb fich in eblem Wettkampf zu meffen, ba würben diese katholischen Turner
in allen Straszen von einer tollen aufgehetzten Volksmenge überfallen, ihre
Reihen zerfprengt, ihre Fahnen geschändet, sogar bie Wohnungen ber Turner
belagerte ber antiklerikale Pöbel, unb befonberS auf bie schwarzgelben Schärpen
ber katholischen Österreicher hatte man eS abgesehen. Warum biefe Gewalt?
— Unb als heuer zu Pfingsten in Graz bie katholischen Studenten bas
25. StiftungSfeft ber „Carolina" abhielten, ba war das ganze Fest ein
einziges, breitägigeS Attentat, bas auf wackere deutsche Katholiken von einer
Panbe rasender Knüppelhelden auSgeübt würbe. Die wollten ben Freisinn
unb baS Deutschtum vor ben „klerikalen Schweinen" erretten, fagten fie. —
Das ift unbegreiflich!
Ja, unb wie ift eS bei unS selber, wenn wir im Perein ober in ber
Kongregation mittun! Huh, gleich geht es über uns her wie Höll und Teufel;
Abgestandene unb Abgefallene helfen zusammen. Grobe unb Feine, eS wirb
gefpottet, gebroht unb jeber von euch kennt die Litanei von faubern Titeln,
mit benen ein offener katholischer Junge bedacht wirb. Nicht bloß bei ber
Arbeit, auch in der Fachschule lassen fie unS feine Ruhe unb aus ben
„deutschen" ober „neutralen" Pereinen finb wir schon lang hinausgeekelt.
Mit was haben wir diesen Haß erregt? Fällt es doch feinem von uns
jemals ein, einem anbern baS Leben sauer zu machen, weil er anders benft
als wir! Was haben wir benn verbrochen?