Seite 4 „Jung Vorarlberg" Nr. 1
Sie betrachten eben unser offenes Auftreten als eine Herausforderung:
denn mit unserem Verein ober unserem Zusammenhalten bezeigen wir, das
wir etwas anderes fein wollen als bie Lauwarmen, bie zu einer männlichen
Überzeugung zu faul ober zu feig sind, unb bie Abgestandenen, benen in
Schweinfurt unb Zotenhausen am wohlsten ift. So eine Ritterschaft des
abeligen Geistes unb ber Reinheit, wie mir fie pflegen, fühlen fie wie einen
ständigen Vorwurf. „Was, bie wollen etwas Besseres fein, als wir? Das
sollen fie büszen!" Diesen Ingrimm fühlt man aus ihrer heillosen Hetze heraus.
Wenn fie uns aber auch nicht leiben tonnen, fo wiszt ihr doch, ba^ fie
von euch erwarten, ihr werbet euch als tadellose Katholiken geigen. Sie
würben sich über nichts mehr freuen, als wenn fie sähen, daß ihr bloßs
äuszerlic befonberS tut, aber innerlich doch vom gleichen Holz, von ber
gleichen leichten Dualität feib wie fie. Merkt ihr, wie wichtig eS ift, daß
ein jeber Kamerad, wenn er sich einmal zu uns gestellt hat, auch ein ganzer
Kerl ift! Ein jeber trägt bie Ehre beS ganzen Vereins, ift verantwortlich
für bas Ansehen feiner Brüder, feines Glaubens.
Sie haben uns gehaszt; aber gerabe dadurch sind wir groß geworben.
Wir haben unS erft recht zusammengefunden unb jetzt sind wir foweit, daß
fie uns fürchten. Das ift bas Rechte! Wenn es einmal dahin käme,
daß fie uns überlegen wären, bann weh uns, wir würben bie Minderheit
bitter zu fühlen bekommen. Wem’s alfo ernft ift mit unferer Sache, ber
wirb ein Apostel für fie.
Jung Vorarlberg, allzeit voran! Dr. S.
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Fürs öffentliche Leben.
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Tod des Sozialistenpapstes.
Vor einigen Wochen ftarb bei Chur ber berühmte deutsche Sozialisten-Führer
Bebel. Noch fetten hat ein Mann einen solch blinden Gehorsam unb
fast abgöttische Verehrung gefunben wie A. Bebel bei feiner Partei. Er
galt als unfehlbar. Man kann bas einigermaszen erklären, wenn man weisz,
baf Bebel selbst Arbeiter war. Er war Drechsler, wanderte mit den
reifenben Handwerksgesellen, war fogar, wenn auch Protestant, kurze Zeit
Mitglied eines katholischen Gesellenvereines unb lies sich bann in Leipzig ats
Drechslermeister nieber. Viele Jahre, als er schon Mitglied beS Reichstags
war, arbeitete er noch als Drechsler unb verdiente sich babei feinen Lebensunterhalt.
Er liebte überhaupt eine einfache Lebensweise unb würbe hierin
nur vom groszen Katholikenführer Windthorst übertroffen. Dafür hatte er
aber immer eine offene Hand für bie Zwecke feiner Partei unb unzählig
sind bie Versammlungen, bie er besucht unb bie Reden, bie er gehalten.
Gros waren feine persönlichen Opfer, wenn man bedenkt, daß er im Kampfe
für feine Ideen unb feine Partei beinahe fünf Jahre im Zuchthaus gesessen.
Bebel war grosz, durchaus nicht durch feine Wissenschaft, auf bie er sich
immer berief, wohl aber durch feine Beredsamkeit unb Agitationskraft.
Bebel war gegenüber Lasalle ein Anhänger ber schärferen Stiftung, er
glaubte an ben großen „Kladderadatsch", er arbeitete für Revolution unb
Umsturz. Er hatte manche richtige Idee, bie bann im Laufe ber Jahre