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Full text : Vom Getreide zum Brot

Nach dem dänischen Forscher Niels Bohr besteht das Atom aus einem
inneren Kern, der nichts anderes ist wie ein unvorstellbar kleines, elektrisch
positiv geladenes Teilchen, um das wieder andere winzige Teilchen, die
negativ geladenen Elektronen, kreisen. Jedes Atom bedeutet für sich also
eine kleine Welt, ein kleines Sonnensystem, in welchem die negativ geladenen
Elektronen dauernd den elektrisch positiv geladenen Atomkern umkreisen
wie die Planeten unsere Sonne.

Über die Größe eines Atoms können wir uns wohl kaum eine rechte
Vorstellung machen, denn ein Atom ist so klein, daß sein Durchmesser
etwa nur ein zehnmillionstel Millimeter betragen soll. Reine Elemente finden
sich nur sehr selten, meist nur als Gase in der Luft, in Metallen und da
hauptsächlich in Metalldämpfen und im einzigen flüssigen Metall Quecksilber.


Solche Substanzen werden als einatomig bezeichnet. Fast alle von uns
wahrnehmbaren Körper sind aus zwei oder mehreren Grundstoffen oder
Elementen aufgebaut. Das kleinste Teilchen dieser zu einer stofflichen Einheit
 verbundenen Atomverbindungen, mit welchen wir in unserem täglichen
Leben überall als Körper und Substanzen in Berührung kommen, wird
Molekül genannt. Ein Molekül ist also in den Augen des Physikers der
kleinste Elementarbaustein, in welchen eine Materie, ohne Zerstörung ihrer
chemischen Eigenschaften, zerlegt werden kann. Betrachten wir einmal
zwei der uns alltäglich begegnenden Substanzen Wasser und Kochsalz, so
finden wir, daß ein Molekül Wasser (H2O) aus zwei Atomen Wasserstoff
 und einem Atom Sauerstoff, ein Molekül Kochsalz (NaCl) dagegen
aus je einem Atom des metallischen Natrium und des grünlichen, stechend
riechenden Gases Chlor aufgebaut sind, wobei aber diese Verbindungen
vollkommen andere, von ihren Grundstoffen ganz unterschiedliche Eigenschaften
 besitzen. Wir haben es hier also schon mit einer richtigen chemischen
 Verbindung zu tun. In der Hand des geübten Chemikers können
alle Verbindungen auch wieder in ihre Grundstoffe geschieden werden oder
es können bestehende Verbindungen durch Zuführung oder Abspaltung
eines oder mehrerer Grundstoffe in völlig neue Verbindungen umgewandelt
werden. Diese bezeichnet man als chemische Vorgänge. Sie werden in zwei
Gruppen eingeteilt, und zwar:

a) in chemische Aufbauverbindungen,

b) in chemische Zersetzungen.

Bei einem chemischen Vorgang muß sich also immer ein Element mit
einem oder mehreren anderen Elementen verbinden oder es muß sich eine
Verbindung von mehreren Grundstoffen abbauen, zerlegen oder spalten
lassen. Eine mechanische Mischung von verschiedenen Stoffen allein ist noch
kein chemischer Vorgang. Würden wir z. B. reines Stärkemehl mit kaltem
Wasser verrühren, dann bekommen wir wohl eine milchige Aufschwämmung.
Nach einiger Zeit des Abstehens wird sich die Stärke als Bodensatz vom
klaren Wasser wieder rein abscheiden. Erst wenn wir diese Aufschwämmung 119
            
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