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Full text: Vom Getreide zum Brot

Laugen oder Basen 
Laugen oder Basen sind das Gegenteil von Säuren. Das Kennzeichen 
an ihnen ist die Hydroxylgruppe (OH). 
Wir sind dieser Gruppe bereits im Anfang unserer chemischen Studien 
im Wasser H2O begegnet. Im Hirn des Chemikers spiegelt sich das Kurz­ 
zeichen für Wasser in H-OH. Denken wir uns nun diese Strukturformel 
unter dem Gesichtswinkel einer einwertigen Säure, so haben wir eine ein­ 
wertige Gruppe (OH) und weiter ein Wasserstoffatom, welches auch hier 
durch ein Metall ersetzbar ist. Lösen wir vorsichtig einige Bröckchen des 
einwertigen Natriummetalles in Wasser, so wird jetzt mit größter Heftig­ 
keit das ersetzbare Wasserstoffatom des Wassers verdrängt. Der einwertige 
Wasserstoff steigt aus dem Wasser heraus, wird flüchtig und an seiner Stelle 
befindet sich jetzt das Natrium nach der Gleichung: Na + H(OH) = 
Na(OH) -|- H. Die so erhaltene Verbindung ist nun eine Lauge oder Base 
und nach ihrem Metall wird sie jetzt Natronlauge genannt. Anstelle von 
Natrium kann auch das einwertige Kalium und das ebenfalls einwertige 
Ammonium gesetzt werden und wir erhalten dann die diesen Metallen ent­ 
sprechende Kali = Ka(OH) oder Ammoniaklauge NH2(OH). Letztere 
wird Salmiakgeist genannt. Die im Salmiakgeist enthaltene Gruppe NH2 ist 
uns ebenfalls am Beginne unserer chemischen Studien unter den einwertigen 
Alkalien begegnet als das einwertige Ammonium. Ammonium kommt frei 
nicht vor und dennoch kann es, genau wie Natrium und Kalium, alle diese 
analogen Salze bilden. Wir haben gelernt, daß wir bei einer Säure den 
Wasserstoff durch ein Metall ersetzen können, wobei sich immer das diesem 
Metall entsprechende Salz bildet. Auch das hypothetische Ammonium hat 
gleiche Eigenschaften. Gießen wir z. B. Salmiakgeist NH,(OH) mit Salz­ 
säure zusammen, so erhalten wir nach der Gleichung NH, (OH) + HCl = 
NH4CI + H-OH, das ist Ammoniumchlorid und Wasser. Die Araber 
nannten es Salmiak und die Spengler verwenden diesen Salmiakstein (salz) 
zum Reinigen ihrer Lötkolbenspitze. 
Nun kann man Salmiak NH(OH) mit allen uns bekannten Säuren 
zusammenbringen. Immer bildet sich das entsprechende Salz. Gießen wir 
Salmiak und Kohlensäure nach der Gleichung 2NH (OH) + H2(CO3) 
= (NH.) CO. + 2H zusammen, dann bekommen wir das kohlensaure 
Ammonium oder Hirschhornsalz, das viele Bäcker als Triebmittel, be­ 
sonders zur Herstellung von Brezeln verwenden, aber wegen seines beißen­ 
den Salmiakgeruches überall dort, wo es nicht hermetisch verschlossen auf­ 
bewahrt wird, den Ort der Lagerung verpestet. 
Kohlensaures Ammonium ist ein verläßliches Triebmittel, das die Eigen­ 
schaft hat, sich beim Erhitzen zu zersetzen in Ammoniak und der gasförmigen 
Kohlensäure, die beide im heißen Backofen verflüchtigen. 
(NH,)2CO3 = 2NH3 + H2O + CO. 
Ammonkarbonat Ammoniak Wasser Kohlensäure 132
	        
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