Säuren zerfällt er ebenfalls in seine Komponenten, die anteilmäßig in gleicher
Stärke zusammen den schlecht kristallisierbaren Invertzucker darstellen.
Rohr- und Rübenzucker kristallisiert sehr leicht, schmeckt süß und ist in
warmem Wasser sehr leicht, in Alkohol dagegen schwer löslich.
In Bezug auf Nährwert und auch in chemischer Hinsicht sind Rohr
und Rübenzucker vollkommen gleichwertig. Vor kaum mehr als 150 Jahren
war der Rübenzucker noch nicht bekannt. Man gewann den Gebrauchs
zucker lediglich aus dem Saft des Zuckerrohres. Das nach einjähriger
Wachstumszeit reif gewordene Zuckerrohr wurde geschnitten, hernach auf
der Zuckermühle zwischen zwei gegeneinanderlaufende Walzen gequetscht
und der dabei ausfließende zuckerhaltige Saft in einem untergestellten Ge
fäß gewonnen. Dieser Saft wurde mit Kalkwasser vermischt, damit er nicht
in Gärung geraten konnte. Schließlich wurde er durch Kochen in großen
Pfannen eingedickt und der dabei gewonnene Rohzucker in die entferntesten
Länder zum Versand gebracht, wo er dann erst in eigenen Zuckerraffi
nerien gereinigt und verkaufsfähig gemacht wurde. Der Rückstand diente
der Rumerzeugung. Der bei uns verbrauchte Zucker wird heute fast aus
schließlich aus der Zuckerrübe gewonnen. Durch zielbewußte Züchtung
und entsprechende Düngung war es im Verlaufe von Jahren gelungen, den
Zuckergehalt der Zuckerrübe auf rund 18%, ja sogar bis auf 20% zu er
höhen, wodurch erst die Rentabilität der Zuckergewinnung auf ein solches
Maß gebracht werden konnte, daß der Rübenzucker heute den Rohrzucker,
der auch Kolonialzucker genannt wird, bei uns fast vollständig verdrängt hat.
Der Rübenzucker wird dadurch gewonnen, daß man die Zuckerrüben
nach gründlichem Waschen und Reinigen in Schnitzel zerstückelt und diese
dann in reinem Brunnenwasser auslaugt und abpreßt. Der Rückstand wird
getrocknet und kommt dann als Zuckerschnitzel in den Handel. Diese werden
meist als wertvoller Bestandteil zur Herstellung von Mischfutter verwertet.
Der Rohsaft wird mit Ätzkalk behandelt. Damit gelingt es, die in ihm
enthaltenen Säuren zu neutralisieren und das Eiweiß aufzuflocken, wodurch
eine Umwandlung in den schlecht auskristallisierenden Invertzucker ver
mieden werden kann. Nach Zusatz von schwefeliger Säure und Kohlensäure
zur Entfernung des überschüssigen Kalks und nach Beseitigung des Nie
derschlages in eigenen Filterpressen wird der Dünnsaft im Vakuumkessel zu
Dicksaft eingekocht, aus welchem dann der eigentliche Zucker auskristalli
siert. Mit Hilfe der Zentrifugmaschine wird der anhaftende Sirup fast
restlos abgeschleudert.
Zurück bleibt nun der eigentliche Rohzucker, der noch bräunlich un
ansehnlich ist und jetzt in der Zuckerraffinerie erst durch Waschen oder
aber durch vorheriges Auflösen und Filtration über Knochenkohle von der
noch anhaftenden Melasse befreit und gegebenenfalls durch weitere Be
handlung durch Zusatz von Ultramarin gebläut wird und nun den gelblich
weißen Farbton annimmt. 147