Die Hefe selbst besitzt kein Enzym, das Stärke abbaut. Das stärke
abbauende Enzym Diastase kommt vom Korne selbst, bei der Auflösung
seines Mehlkörpers in der Mühle, mit ins Mehl und übt da im Teige, so
bald günstige Verhältnisse durch genügende Feuchtigkeit und entsprechende
Temperatur erreicht sind, seine enzymatische Tätigkeit im Abbau von Stärke
zu löslichem Malzzucker aus. Diese chemische Stoffumsetzung im Teige ist
für die Brotbereitung von größter Wichtigkeit, denn erst dadurch wird der
nötige Nachschub an mundgerechter, verdauungsfähiger Nahrung für die
im Teigstück immer stärker sich vermehrende Hefe gebildet, was wiederum
für die nötige Triebkraftentfaltung absolut erforderlich ist. Man bezeichnet
die stärkeabbauende Fähigkeit eines Mehles als diastasische Kraft. Die
Diastase baut die Stärke in einfache Zucker ab, die von der Hefe leicht
vergoren werden (Hefenahrung, flotter Trieb). Gut backfähiges Mehl soll
genügend diastasische Kraft enthalten. Ein Zuviel an diastasischer Kraft
kann aber unangenehmer sein, wie ein Zuwenig. Trifft jenes zu, dann läßt
sich eine weitgehende Verbesserung durch Vermischen mit gesundem,
kräftigem Mehle erreichen. Bei zu wenig diastasischer Kraft dagegen hilft
man sich durch Zusatz von diastasereichen Mitteln, wie Malzmehl oder
Mehlen aus auswuchshaltigem Getreide. In der Backstube vermögen gärungs
fördernde Backhilfsmittel ebenfalls diesen Fehler zu beheben.
Abb. 58. Sehr starkes, gärstabiles Mehl mit zu schwacher Triebkraft.
Die Feststellung der diastasischen Kraft eines Mehles geschieht durch
die sogenannte Maltosebestimmung oder durch Messung der innerhalb einer
Abb. 59. Das gleiche Mehl im Trieb, verbessert durch Zusatz eines Malzmehles „B", das,
wie aus der Gärkurve ersichtlich ist, den Kleber zu stark angreifl und daher nicht ge
eignet ist, die Backfähigkeit zu Verbessern. 180