Karottenmark, Hagebutten- und Sandkornbeeren-Sirup, schwarzer Jo-
hannesbeersaft und deren Marmelade, Öle aus kalt ausgepreßten Getreide
keimen und vor allem auch, wie schon erwähnt, ,,Vollkornmehl und Voll
kornbrot“ sollten das durch Milch- und Fettmangel bedingte Zuwenig an
Vitaminen aufholen und ergänzen.
Dem weißen Mehl und weißen Brot sagt man nach, daß sie vitamin
arm wären. Die neueren Erkenntnisse auf dem Gebiete der Vitaminfor
schung im Getreidekorn haben einwandfrei bewiesen, daß im Weizen- und
Roggenkorn zwei Vitamine, das antineuritische Vitamin B, und das Anti-
sterilitäts-Vitamin E vorhanden sind, und zwar hier gegenüber anderen
Lebensmitteln in größeren Mengen.
Der Vitamingehalt wird in internationalen Einheiten (i. E.) zum Aus
druck gebracht, wobei eine solche i. E. = 3 Gamma, das sind 3 mg =
3/1000 g beträgt. (Diese Werte werden jeweils bezogen auf die Einheit von
100 Gramm Trockensubstanz.) So wurde festgestellt, daß der Anteil des
Vitamin B4 bei
Roggenkorn = 100 i. E. oder 300 Gamma und bei
Weizenkorn = 150 i. E. oder 450 Gamma im Mittel ausmacht.
Nun sind die Vitamine aber keineswegs auf das ganze Korn etwa gleich
mäßig verteilt. Der Hauptträger der Vitamine ist der Keim mit dem Schild
chen (Scutellum), das ihn vom eigentlichen inneren Mehlkörper trennt.
Auch die Aleuron- oder Wabenzellenschicht und die ihr am nächsten
liegenden Endospermschichten sind noch stärker vitaminhaltig, während der
innere eigentliche Mehlkörper praktisch vitaminlos ist.
Selbstverständlich sind auch im weißesten Mehl immer mehr oder we
niger geringe Mengen aus der Aleuronschicht mit enthalten, so daß man
nicht sagen kann, das weißeste Mehl ist vollkommen frei von Vitaminen.
Ohne Zweifel ist aber richtig, daß, je weißer und heller ein Mehl ist,
desto weniger Vitamine in ihm enthalten sind.
Um diesen Mangel an den für die zivilisierte Welt so wichtigen Nahrungs
mitteln zu beheben, sind heute bereits eine große Anzahl von Müllerei-
und Bäckereifachleuten im Verein mit Fachwissenschaftlern tätig, die sich
mit der Vitaminanreicherung in den Weißmehlen und deren Broten be
fassen. Es sind heute bereits schon aus Amerika, England, Schweden und
Neufundland Berichte über positive Ergebnisse zu uns gelangt und es wird
nicht allzu lange mehr dauern, bis auch wir uns mit der Vitaminisierung der
Weißmehle, deren Bedeutung für den Gesundheitszustand der Menschen
nicht zu verkennen ist, beschäftigen müssen.
Wie wir das lösen, hängt vielfach davon ab, ob es gelingt, den im Ge
treidekorn auf natürliche Weise vorhandenen Vitaminreichtum des Embryos
und der Randschicht so zu isolieren, daß der bis heute immer noch back
fähigkeitshemmende Einfluß des Keimes wegen seiner kleberzersetzenden
Eigenschaften beseitigt ist.
Eine Vitaminanreicherung durch synthetische Vitamine, wie das heute
hauptsächlich in den USA praktiziert wird, wo je amerikanisches Pfund 190