erkenntnisse ganz anders gegen diese furchtbare Kinderkrankheit wie etwa
in den Zeiten unserer Altvorderen. Noch in den ersten 20 Jahren dieses
Jahrhunderts nennt die Statistik eine geradezu schauerlich hohe Zahl rachitischer
Kinder. Das reiche Albion steht hier sogar an der Spitze. Aber
auch bei uns in den beengten Wohnverhältnissen unserer Großstädte ergaben
die Untersuchungen, daß noch vor kaum mehr als 30 Jahren bis
zu 70 Prozent der Kleinkinder unter Rachitis zu leiden hatten.
Heute hat sich das grundlegend geändert. Licht, Luft und Sonne, im
Winter Bestrahlung mit künstlicher Höhensonne, unter der Quarzlampe und
„Radiostol" und „Vigantol" sowie vor allem auch grundlegend geänderte
vernünftige Ernährungsmethoden verbunden mit einer gesunden Körperkultur
haben gegen diese alte, fast unausrottbar scheinende Volkskrankheit, auf
deren Konto so viele verkrüppelte Menschen zählen, den Abwehrkampf
so wirksam aufgenommen, daß man heute Rachitis nicht nur mit voller
Sicherheit verhüten, sondern ebenso sicher auch heilen kann.
Zu den wichtigsten Vitamin-D-Trägern zählen: Muttermilch, Kuhmilch,
frische Eier, Kokosnüsse, Löwenzahnblätter, grüne Salate, Lebertran,
Heringe und Blut- und Leberwürste.
Vitamin E, auch antisteriles Vitamin genannt, soll vor allem auf die
Fruchtbarkeit der Säugetiere einen großen Einfluß auszuüben vermögen.
Vitamin E ist ein Begleitstoff der im Pflanzenreich vorkommenden Fette
und Öle. Es ist vor allem in hohem Anteil vorhanden im Keim oder Embryo
aller Getreidearten und hier besonders im Weizenkeim. Ein Fehlen des
Vitamins E verursacht eine weitgehende Störung in der Fortpflanzungsfähigkeit
bei Säugetieren, die sich bis zur völligen Unfruchtbarkeit steigern kann.
Vitamin-E-Mangel bei Tieren, die während des zweiten Weltkrieges infolge
emseitiger Ernährung mit vitaminarmen Futtergemischen gefüttert
werden mußten, verursachte bei diesen eine bösartige Leberverfettung, die
aber mit Vitamin-E-Präparaten fast immer geheilt werden konnte.
Vitamin-Mangelkrankheiten im allgemeinen, so wie wir sie in ihrer schwersten
Form jetzt kennen lernten, kommen heute im allgemeinen kaum mehr
vor. Bei einigermaßen vernünftiger Lebensweise und der bei uns üblichen
Mischkost ist eine Avitaminose wirklich nicht mehr zu befürchten. Und
selbst dann, wenn unser tägliches Mehl und Brot auch nicht zu den überragenden
Vitaminträgern gezählt werden können, so werden sie immer
einen hervorragenden Platz in der menschlichen Ernährung einnehmen.
Hinsichtlich des Vollkornbrotes sei noch erwähnt, daß nach Prof.
Scheunert mit etwa 300—400 Gramm Weizenvollkornbrot oder 400 bis
500 Gramm Roggenvollkornbrot der Vitaminbedarf eines erwachsenen
Menschen pro Tag völlig gedeckt werden kann.
Bei vollkommen einseitiger Ernährung mit Weißbrot allein würde nun
allerdings der Vitaminbedarf unseres Körpers nicht gestillt und müßte das
Fehlende eben durch andere Nahrungsmittel gedeckt werden, was ja im
allgemeinen auch hinreichend und in so genügendem Maße in unserem
täglichen Kostgemisch so vollkommen geschieht, daß wir diesbezüglich
ruhig und ohne Sorge wegen einer Avitaminose sein können. 195