wenigen Wochen schon erneut das Getreide sehr stark gefährden, wenn
nicht ganz verderben können.
Hauptsächlich Weizen und Mais werden vom Rüssselkäfer befallen.
Stark befallenes Getreide erwärmt sich ebenfalls. Diese Wärme entsteht
durch die Atmung der Käfer und ihre Absonderung von Feuchtigkeit. Im
Zusammenspiel mit der Wärme bedingt sie wieder eine stärkere Atmung
der Frucht und so entsteht bei Übersehung dieses Zustandes nicht nur ein
mitunter recht erheblicher Substanzverlust durch Käferfraß, sondern dazu
noch ein weiterer Gewichtsverlust durch erhöhte Atmung des befallenen
Getreides. Für die Vernichtung des Rüsselkäfers stehen uns einige allerdings
nur wenig verläßliche Mittel zur Verfügung. (Siehe unter Getreideschädlinge,
Seite 102.)
Weniger gefährlich, immerhin aber für die Getreidelagerung recht unangenehm
ist die Getreidemotte, deren Raupe die lagernden Körner von
außen anfrißt und zu Klumpen zusammenspinnt, die bei stärkerem Befall
dem Getreide einen widerlichen Geruch verleihen.
Die Gesunderhaltung des Getreides während seiner Aufbewahrung
Wie wir schon hörten, ist die Gesunderhaltung des Getreides während
semer Aufbewahrung durch vielerlei schädliche Einflüsse erschwert. Namentlich
in den Mühlen, denen es an den primitivsten Vorratsräumen fehlt und
wo das Getreide oft gesackt oder auch ungesackt in den verschiedensten
Ecken und Winkeln lagert, in welchen es ohne jede Betreuung bis zur
Verarbeitung stehen bleibt, geht viel Getreide der menschlichen Ernährung
verloren. Einmal sind es die gefräßigen Mäuse oder gar Ratten, die sich
daran gütlich tun, dann sind es die Spatzen oder, was noch schlimmer ist,
der Getreide-Rüsselkäfer, die alle unaufhörlich an diesen verlagerten Vorräten
zehren. Dazu kommt noch, daß viele Körner aus beschädigten Säcken
auslaufen und dann frei am Boden herumliegen und zertreten oder mit dem
Sackkarren zerquetscht werden. Fast immer ist die Wartung solchen Getreides
mangelhaft. Es erwärmt sich, wird muffig und büßt nicht allein etwa
nur an seinem Gewicht, sondern ebenso auch an seiner Backfähigkeit ein.
Die größte Gefahr für die Gesunderhaltung des Getreides während seiner
längeren Aufbewahrung ist aber fast immer die zu hohe Naturfeuchtigkeit.
Ein jedes Zuviel an Feuchtigkeit erschwert die Lagerung des Getreides und
beschleunigt die Atmung. Je stärker aber die Atmung im Getreide ist, desto
schneller geht die Wärmeentwicklung vor sich und desto schneller vollzieht
sich dann aber auch das Werk des zerstörenden Abbaues.
Wir verstehen das umso besser, wenn wir wissen, daß jedes Getreide
atmet und währenddessen einen wenn auch verhältnismäßig verschwindend
geringen Teil seines inneren Mehlkörpers, das ist von der den Kohlehydraten
angehörenden Stärke in Kohlensäure und Wasserdampf umwandelt. Der
hiebei entstehende Wasserdampf schlägt sich zunächst an der Oberfläche
der Frucht nieder und trägt erneut zur Vermehrung der Gesamtfeuchtigkeit 206