einen mit Karbolineum oder Kreosol oder einem anderen stark riechenden
Desinfektionsmittel bestrichenen Raum. Das Getreide zöge diesen Geruch
sofort für immer an. Ja selbst das Mehl aus solchem Getreide gibt diesen
Geruch wieder. Verfasser erinnert sich an einen Fall, wo ein Notgetreidelager
mit Karbolineum desinfiziert und hernach mit Manitobaweizen belegt
wurde, wodurch der gesamte Weizen und auch das daraus erzeugte Mehl
einen starken Karbolineumgeruch aufwiesen, der nicht mehr wegzubringen
war und der sich dann auch dem Gebäck mitteilte. Der gesamte Weizen,
bzw. dessen Mehl war für den menschlichen Genuß nicht mehr zu gebrauchen
und der Schaden dadurch sehr groß, umso größer noch, weil durch
den schlechten Geruch des so verdorbenen Mehles auch das Vertrauen
der Kundschaft stark erschüttert wurde.
6. Getreide, das für eine längere Lagerung bestimmt ist, soll, wenn möglich,
immer in geschlossenen Räumen, am besten in Speicherzellen, die ein
leichtes Umarbeiten gestatten, eingelagert werden.
7. Dem Einschleppen von Vorratsschädlingen ist größte Beachtung zu
schenken. Zeigen sich im Verlaufe der Lagerung Vorratsschädlinge, so ist
deren nachhaltige und zweckmäßige Bekämpfung unverzüglich aufzunehmen.
8. Neuerbaute Betonsilos dürfen nicht zu zeitig beschüttet werden. Sie
müssen erst vollständig austrocknen. Beton gibt anfänglich sehr viel Wasser
ab und in zu zeitig beschickten Betonsilos wird das Getreide muffig und
verdorben.
9. Schwitzerscheinungen im Getreide, wie sie bei frisch geerntetem Getreide
oder im Frühjahr vielfach auftreten, sind immer nur mit kalter, möglichst
trockener Nachtluft wirksam zu bekämpfen. Wie die Erfahrungen
zeigen, ist Nachtluft fast immer trockener als Morgenluft.
10. Man soll Getreide an warmen, schwülen Sommertagen nicht belüften,
weil dann ein Feuchtigkeitsniederschlag auf das Getreide erfolgt,
wodurch dieses trotz Belüftung sehr leicht einen Dumpfgeruch erhält.
Man soll Getreide auch nicht belüften, wenn die Außenluft wärmer ist
als das Getreide selbst, wie es im Frühjahr zutrifft, wo der Zelleninhalt
meist kalt, dagegen die Außenluft warm ist. Man soll ferner Getreide dann,
wenn die Außenluft mehr als 75 Prozent relative Luftfeuchtigkeit hat, nur
dann belüften, wenn es zur Herabsetzung der Temperatur unumgänglich
notwendig wird. Die günstigste Zeit zum Umziehen und Belüften sind
immer die klaren, kalten Wintertage, an denen die Luft relativ trocken ist
und man zwischen Getreidetemperatur und Außenluft den größten Temperaturunterschied
hat (Thermometerkontrolle zwischen Siloinhalt und
Außenluft).
Es sei nochmals in besonderer Weise darauf verwiesen, daß die Feuchtigkeit
der gefährlichste Faktor unter all den schädigenden Einflüssen des
Getreides ist. Besonders bei frischgeerntetem Getreide, dann insbesondere
aber in feuchten Erntejahren ist diese bisweilen so hoch, daß eine gesunde
Lagerung solchen Getreides fast unmöglich wird. Getreide, dessen Feuchtig 208