des Abstehen, in Einzelfällen sogar durch mehrmaliges Netzen und wieder
holtes Abstehen angestrebt und auch erreicht werden kann. In größeren
Mühlen stehen eigene Konditionierungsanlagen zur Verfügung, um aus dem
Getreide das Bestmöglichste an Vermahlungs- und Backfähigkeit zu sichern.
3. Die Nachreinigung, die auch Weiß- oder Intensivreinigung genannt
wird, wobei das einzelne Korn selbst angegriffen und die organisch mit ihm
verbundenen Teile abgeschliffen, abgebürstet und entfernt werden, die in der
nachfolgenden Vermahlung nicht dabei sein dürfen, weil sie sonst Farbe
und Backfähigkeit ungünstig beeinflussen würden.
Hiebei geht das Korn, ehe es zur Vermahlung kommt, folgenden Arbeits
weg: Das meist in den Silozellen lagernde Getreide wird zunächst in die
sogenannten Mischzellen gebracht. In der Regel, und das gilt besonders bei
Weizen und Roggen, werden — normale Zeiten vorausgesetzt — zwei bis
drei sich gegenseitig ergänzende Sorten in entsprechendem Mischverhältnis
zusammengeführt. Nach diesem, heute allerdings veralteten Verfahren, dem
ein großer Nachteil anhaftet, läuft das Getreide also aus den Mischzellen
über sogenannte Zellenmeßapparate, die genau auf den gewünschten pro
zentuellen Mischanteil aus der jeweiligen Mischzelle eingestellt werden kön
nen und von diesen auf eine Schnecke, bisweilen auch auf ein Förderband
oder einen Redler. So läuft bei Weizen zum Beispiel aus einer Zelle ein
bestimmter Anteil Manitoba, aus einer anderen Zelle ein Rosafe und schließ
lich aus einer dritten Zelle ein Inlandweizen. Alle diese drei oder mehr noch
verschieden eingelagerten Weizen führen jetzt in einem bestimmten Mi
schungsverhältnis zusammen auf das gleiche Förderelement, um ihren Weg
nun gemeinsam durch die ganze Reinigung und Vermahlung zu nehmen.
Das gleiche vollzieht sich auch bei Zusammenführung verschiedener
Roggensorten. Bisweilen wird aber auch nur eine Getreideart verarbeitet,
dann geht eben dieses Getreide unvermischt und allein den gleichen Weg.
Zunächst führt nun das zu reinigende Getreide über die Horizontalförderung
auf einen Elevator, der es senkrecht hoch bringt und auf eine kleine auto
matische Getreidewaage ausschüttet. Hier wird sowohl zum Zwecke der
Betriebskontrolle wie auch zur Ermittlung der aus dem Silo entnommenen
Gesamtgetreidemenge das durchströmende Getreide gewichtsmäßig genau
erfaßt und das Durchgangsgewicht automatisch an einem Zählwerk festge
halten. Die Waage entleert andauernd in einem unmittelbar unter ihr ange
brachten kleinen Behälter, der mittels Quantumschieber in seinem Ablauf
regulierbar ist und den Zweck hat, die Speisung des Mühlenaspirateurs
gleichmäßig und in ununterbrochener Folge zu sichern. Von hier also geht
das Getreide auf die eigentliche Reinigung über den Mühlenaspirateur.
Die Waage selbst benötigt keine Maschinenkraft. Sie wird lediglich durch
die Schwerkraft des Getreides selbst betätigt. Wichtig ist die pflegliche
Behandlung der automatischen Getreidewaage. Sie darf an keiner Stelle
geschmiert werden und soll wöchentlich einmal mit einem Handblasebalg
gründlich gereinigt werden. Nichtaspirierte Waagen oder feuchtstehende oder
mit feuchtem Getreide in Berührung kommende Waagen sind noch öfters 226