Dank der großen Fruchtbarkeit des überreichen Schwemmgebietes entwickelte
sich der Getreidebau in Ägypten sehr rasch zu hoher Blüte. Mehlund
Brotbereitung gewannen dort schon frühzeitig größte Bedeutung. Fast
alle vornehmen Ägypter hatten zweitausend Jahre vor unserer Zeitrechnung
schon ihre eigenen Backhäuser und ihren leibeigenen Bäcker. Sehr zahlreich
sind die Funde, die uns aus den königlichen Grabkammern der Pharaonen
als Zeugen altägyptischer Mehl- und Brotbereitung, aus einer mehr wie
fünftausendjährigen Vergangenheit vermittelt worden sind. Solche Funde
zeigen uns die altägyptischen Brote als daumendicke Fladen von allen nur
möglichen Formen, drei-, vier- und mehreckig, kreisrund, oval, mit den verschiedensten
Verzierungen oder auch unverziert. Das Getreidevermahlen geschah
in Ägypten mit der bereits beschriebenen Reibplatte und wurde von
Sklaven oder Sklavinnen ausgeführt. Aus der königlichen Hofbäckerei
Ramses II. wird berichtet, daß die dortigen Bäcker den Teig in Mulden
mit Füßen kneteten. Wahrscheinlich gab es dazumal noch keine Lebensmittelpolizei?!
Siehe Abbildung 4 auf Seite 6.
Das Brot war dem ägyptischen Volke bereits vor fünftausend Jahren
schon zur Hauptnahrung geworden. Es ist daher ganz erklärlich, daß es die
Ägypter in der Brotbereitung frühzeitig zu großer Geschicklichkeit brachten.
Als besondere Kuriosität sei auch der ägyptische Röhrenbackofen noch
erwähnt. Dieser bestand im Prinzip aus einer aufrechtstehenden, stufenförmig
absetzenden, nach oben sich immer mehr verengenden Tonröhre von
etwa halber Manneshöhe. Geheizt wurde der Ofen von innen heraus in der
Weise, daß man Holzscheite zur Verbrennung . brachte, wobei man das
Feuer oben zur Öffnung herausschlagen ließ. War der Ofen genügend heiß,
so wurden die feuchten Teigstücke außen an der Oberfläche des Ofens fest
angedrückt und solange kleben gelassen, bis sie sich selbst lösten und wegfielen.
Dann wurden sie umgekehrt und auf der anderen Seite auf gleiche
Weise angebacken, wobei die stufenförmigen Absetzungen an der Außenseite
des Ofens als Stütze und Halt dienten. Daß die Müllerei schon sehr
alt ist, zeigt uns, daß auch in der Bibel zu Abrahams Zeiten schon von
Mehl und Brot reichlich die Rede ist. So erwähnt Moses in seinem ersten
Buch (Kp. 11, V. 5 und 6) ,,und ich will euch einen Bissen Brot’s bringen,
daß ihr euer Herz labet“. — „Eile, nimm drei Maß Semmelmehl, knete
und backe Kuchen.“ An einer anderen Stelle der Bibel sagt Moses: ,,Alle
Erstgeburt in Ägypten soll sterben, angefangen vom Throne Pharaos bis
auf die Söhne der Magd, die hinter der Mühle sitzt.“ (Gemeint ist damit
die Reibplatte mit dem Reibstein.) Beim Auszug aus Ägypten (ca. 1600
v. Chr.) befahl Moses seinem israelitischen Volke: ,.Sieben Tage sollt ihr
ungesäuertes Brot essen und dieses Fest so feiern“. Heute noch pflegen die
jüdischen Gemeinden aller Zonen zur Erinnerung an den Auszug aus Ägypten,
alljährlich am Passafest, ungesäuertes Brot, Mazzen genannt, zu essen. 11