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Full text : Vom Getreide zum Brot

bleibt. Man wird solche Weizen von der Wäscherei weg mit 18—18.5 Prozent
 Wasser auf den Konditioneur nehmen, sie langsam erwärmen mit ansteigender
 Temperatur bis 40 Grad, hernach 10 Minuten lang bei 70 Grad
mit Heißluft trocknen und dann bei 35—38 Grad C 30—35 Minuten
lang vorbereiten. Nach einer kurzen vier- bis sechsstündigen Abstehzeit kann
dieser Weizen dann die Weißreinigung passieren und hernach zur Vermahlung
 geführt werden.

Bei ausgewachsenem oder auch durch Blattwanzen geschädigtem Weizen
hat man darauf zu achten, daß die proteolytische Abbaugrenze möglichst
rasch überschritten wird. Man nimmt solchen Weizen nach dem Waschen
gleich auf den Vorbereiter, bringt ihn möglichst rasch auf 55—60 Grad C,
um die Wirkung der kleberabbauenden Tätigkeit des Enzyms Protease
auszuschalten, läßt ihn schwach eine Stunde auf dieser Temperatur, trocknet
ihn dann 12—15 Minuten lang mit 80 Grad Heißluft und konditioniert
hernach während gut einer weiteren Stunde bei 44—46 Grad C, um ihn
noch 8—10 Stunden vor der Weißreinigung und Vermahlung abstehen
zu lassen.

Nun sollen diese hier gemachten Angaben aber keineswegs etwa Rezepte
sein, die unter allen Umständen eingehalten werden müssen. Sie sollen lediglich
 als Wegweiser dienen, denn es gibt in der Konditionierung auch heute
noch keine allgemein gültigen Erfahrungswerte, die sich kopieren lassen.
Beim Konditionieren kann man nur so erfolgversprechend weiterkommen,
wenn man mit Hilfe der gebräuchlichen Meßmethoden immer wieder aufs
neue den bestmöglichen Weg über Abstehkästen und Vorbereiter richtig
markiert und darnach dann die Führung des Vorbereiters handhabt. Aus
diesem Grunde haben ja auch die Großmühlen, wie schon erwähnt, ihren
Laboratoriumsvorbereiter.

Die Vorbereitung des Roggens auf dem Konditioneur

Roggen wird in den seltensten Fällen konditioniert. Man wendet dieses
Vorbereitungsverfahren bisweilen aber bei sehr trockenem, zähem Steppenroggen
 und auch bei grauglasigem Sandroggen an, wobei man lediglich die
Mahlfähigkeit durch entsprechende Mürbung zu verbessern sucht.

Jeder Roggenmüller weiß aus Erfahrung, daß ein zäher Roggen wenig
Grieße gibt und eine lange Müllerei nach sich zieht, ohne daß man dabei
auf eine befriedigende Ausbeute kommt.

Diese Zähigkeit läßt sich auf dem Konditioneur einigermaßen wegbringen,
 wenn er in den beiden Heizschüssen des Vorbereiters auf 38 Grad
gebracht wird und dann in die Trockenschüsse geht. Nur so schwitzt der
zähe Roggen in den oberen Heizschüssen von seiner inneren Feuchtigkeit
aus, welche ja die zähe Beschaffenheit des Roggenkornes verursacht und
dann in den nachfolgenden Trockenschüssen weggenommen wird. Bleibt der
Roggen zähe, so ist fast allein nur das die Schuld, daß er in den Heizschüssen
 nicht genügend erwärmt wurde und so in die Trockenschüsse kam. 259
            
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