Nach dieser Feststellung der Quellzahl lassen sich die Kleber einteilen in:
I. sehr gute starke Kleber bei einer Quellzahl über 15 bis zu 20;
2. mittlere Kleber bei Quellzahlen von 10—15;
3. schlechte Kleber bei allen Quellzahlen, welche unter 10 liegen.
Bei Schrotkleberprüfung erfahren diese Werte eine Veränderung, weil
die Quellzahlen bei Schrotkleber an sich geringer sind.
Hier bezeichnet man eine Quellzahl über 12 schon als gut, von 6—12
als mittel und unter 6 als schlecht.
Die Kleberabstehprobe nach Dr. Berliner
Diese wird vor allem bei Weizen angewendet, welche im Verdacht einer
Wanzenbeschädigung stehen. Bei dieser Bestimmung wird der Kleber (es
kann sich auch nur um ein aus den anderen Untersuchungen übriggebliebe
nes Restchen Kleber handeln) in ein mit zweiprozentiger Salzwasserlösung
gefülltes Schälchen gelegt und bei Zimmertemperatur, jedoch nicht unter
18 Grad, 20 Stunden stehengelassen. Nach dieser Zeit wird der Kleber
auf seine Dehnbarkeit hin geprüft. Gute Kleber behalten ihre Eigen
schaften bei, schwächere Kleber verändern sich leicht und ganz schlechte
Kleber (Leimkleber) zerfließen hiebei vollständig. Mehle mit letzteren
Klebereigenschaften sind meist nicht mehr backfähig, sie schmieren und
laufen breit, jedwede Standfestigkeit im Teige fehlt ihnen. Mit dieser Probe
läßt sich auch überkonditionierter Weizen nachweisen, dessen Kleber hart
und kurz bleibt und sogleich reißt.
Das Wiener Kleberprüfverfahren nach Dr. Calter
Von dem zu prüfenden Mehl werden genau 10 Gramm abgewogen und
aus einer Haack’schen Mikrobürette vorsichtig bei dauerndem Kneten mit
der Spachtel oder dem Stiel emes Teelöffels solange Leitungswasser tropfen
weise zugeführt, bis ein so weicher Teig entsteht, der gerade nicht an der
Wandung der Teigbereitungsschale klebt. Anschließend wird dieses kleine
Teigchen zwischen die flachausgestreckten Handflächen genommen und
vierzigmal geknetet. Um vergleichbare Werte zu bekommen, muß man
immer bei denselben Knetstößen bleiben, denn je mehr geknetet wird, desto
mehr und schwächerer Kleber wird festgestellt.
Bei probeermahlenem Mehl, zum Beispiel bei Getreideprüfungen, soll
dieses so ausgemahlen werden, daß dessen Aschegehalt bei etwa 1 Prozent
i. d. Tr. S. liegt.
Anschließend erfolgt die Kleberauswaschung mit gewöhnlichem Leitungs
wasser von etwa 18 Grad C Wassertemperatur. In der Auswaschung selbst
kommen erfahrungsgemäß kaum Fehlermöglichkeiten vor. Dagegen kommt
dem Kneten des Teiges eine größere Bedeutung zu und wie die Erfahrungen
zeigten, wirkt sich ein mehr oder weniger langes Kneten auch auf die Quell
zahl aus, so daß unterschiedliches Kneten von ein und demselben Mehle auch
verschiedene Quellzahlen ergeben kann. 396