Jene Luft mit Wasserdampf gesättigt, was durch entsprechende Zugabe von
Feuchtigkeit mit dem nassen Auswischen oder mit dem Wrasenentwickler ge
schieht, so ist ein Austrocknen und somit ein Verbrennen des Brotes während
des Backens ganz ausgeschlossen. Dieser Wasserdampf erfüllt aber noch
eine weitere Aufgabe dadurch, daß er die Hitze im Backraum viel schneller
auf die eingeschobenen Brote überträgt, wie es trockene Luft tun würde;
außerdem löst er auch das während der Stoffumsetzung von Teig zu Brot
sich auf der Oberfläche des Brotes bildende Dextrin und verteilt es gleich
mäßig auf die ganze Oberfläche des Gebäckes, wodurch dieses eine schöne
Farbe, feinen Glanz und gute Rösche erhält.
Bei zu heißem Ofen muß man öfter und stärker feuchtwischen. Bei zu
starker Hitze bäckt das Brot zu rasch, wird an der Oberfläche zu dunkel
und muß dem heißen Ofen schon entnommen werden, ehe der Backprozeß
vollendet ist. Solches Brot ist dann im Innern, in der Krume, zu weich und
zu feucht, Es hält sich während einer längeren Lagerung besonders in
schwülen Sommertagen nicht und wird sehr bald schimmelig, wenn nicht
gar fadenziehend.
IN DER MÜLLEREI
schien zunächst mit der Erfindung der Wassermühle jeder weitere Fort
schritt durch Jahrhunderte hindurch vollständig zu ruhen. Weder die Ent
deckung Amerikas, noch die Erfindung der
Schießpulvers vermochten die Müllerei
aus ihrem vielhundertjährigen Dornrös
chenschlafe aufzurütteln. Die Mühle, sie
klapperte unentwegt weiter am rauschen
den Bach, in der idyllischen Einsamkeit
des Tales, beinahe vergessen von den wei
teren Fortschritten der Kultur und Tech
nik. Neben der Wassermühle wurde die
Handmühle in Germanien ebenso noch
betätigt und den Germanen als reinem
Bauernvolke genügte zur Versorgung ihrer
bäuerlichen Sippe mit Mehl noch lange
ihre den Eigenbedarf deckende Querne
oder der Mahltrog. Erst etwa um das
neunte Jahrhundert herum wurde in der
Müllerei auch die Kraft des Windes zum
Buchdruckerkunst oder die des
Abh. 23. Holländische Windmühle.
Betreiben der Mahlgänge in den Dienst genommen. Welches Volk heute
als der Erfinder der Windmühlen bezeichnet werden kann, ist bis heute noch
nicht vollständig erwiesen.
Der englische Gelehrte Powles sucht mit seinen neueren Forschungser
gebnissen zu beweisen, daß die Wickinger, die auf ihren weiten Handels 27