Die Prüfung der einzelnen Mehle untereinander und auf Stippenreinheit
erfolgt auch hier nach den drei bereits erwähnten Grundregeln im mehltrockenen,
nassen und teigtrockenen Zustand, letzterer nach Ablauf von
etwa zwei Stunden nach dem Wasserbade.
Nacli der endgültigen Trocknung an staubfreiem, kühlem Orte können
Farbproben, auf diese Weise hergestellt, wochenlang ohne weitere Veränderung
aufbewahrt werden. Sie brechen nicht und zeigen Farbunterschiede
nach Wochen noch. Die Aufbewahrung muß natürlich staubsicher, am
besten in einer verschlossenen Papierschachtel erfolgen.
Sehr interessant und aufschlußreich ist der Farbvergleich der Passagenmehle
einer Mühle in der Reihenfolge der Vermahlung. Man muß hier nun
allerdings etwas Übung haben. Auf einem entsprechend langen Brettchen,
das man in vorbeschriebener Art mit einem genügend langen Papier in
feuchtem Zustand umwickelt, bringt man zunächst die Beschriftung an.
Zum Beispiel 1. Schrot, 2. Schrot usw.; 1. Mahlung, 2. Mahlung, 3. Mahlung
usw.
Dann legt man ein Mehl nach dem anderen in der Reihenfolge der Beschriftung
fein säuberlich an das andere. Dann werden mit einer Glasscheibe
in streichend drückendem Zug gegen den eigenen Körper her die aufgelegten
Mehle gemeinsam glattgedrückt, die Enden mit der Mehlspachtel gerade geschnitten
und dann nach Prüfung in trockenem Zustand das Ganze vorsichtig
in ein Wasserbad eingeführt. Weil die Farbprobe aller Mehle zu
lange würde, so tut man besser, wenn man die Mehle teilt und zuerst die
Schrotmehle alle auf eine Probe, dann die ersten sechs Ausmahlmehle und
in weiterer Folge die übrigen Mehle alle zusammen auf eine Farbprobe
ansetzt. Das Gesamtbild, das sich hier jetzt zeigt, ist äußerst interessant.
Soviel Mehle auch fallen in einer Mühle aus den vielen Passagen, so verschieden
sind sie alle in ihrer Farbe. Und gerade bei solchen Untersuchungen
ist es oft sehr wertvoll, wenn man eventuell für spätere Diskussionen diese
Ergebnisse als getreues Abbild erhalten und durch längere Zeit hindurch
aufbewahren kann, ohne daß sie brechen.
Beim Einmahlen einer neuen Mühle oder bei einschneidenden Diagrammänderungen
wird ein solcher festzuhaltender Farbvergleich der Passagenmehle
aller Passagen zu einer unentbehrlichen Hilfe für die richtige Zusammenstellung
der gewünschten Mehltypen.
Die natürliche Aufhellung der Mehle durch die Lagerung
Nach Ablauf einer entsprechenden Lagerzeit hellen sich alle Mehle
mehr oder weniger ganz von selbst auf und der gelbliche Unterton wird
nach und nach immer schwächer und blasser. Diese Aufhellung beruht auf
einer allmählich vor sich gehenden und durch den Sauerstoff der Luft hervorgerufenen
Oxydation (Verbrennung) des im Mehle enthaltenen Farbstoffes
Carotin. Da nun die helleren Mehle bekanntlich immer den Vorzug
haben, so gingen manche Mühlen, besonders in Amerika, dazu über, die 412