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Die Erfahrungen haben uns gelehrt, daß jede künstliche Erhöhung des
Dehnwiderstandes im Teige immer auf Kosten der Dehnbarkeit des Klebers
vor sich geht. Diese Feststellung ist äußerst wichtig und nach ihr haben sich
alle späteren Beeinflussungen des Klebers, sei es nun mit chemischen Salzen,
Normaler leig
Abb. 154. Extensogrammkurven eines sehr guten Mehles.
durch Konditionierung oder sonstwelche Einflußnahme auf die Beschaffen
heit des Kleberteiggerüstes zu richten. Fehler, die hier gemacht werden,
rächen sich bitter in der Teigführung durch zu kurze Teige und weiter
dann durch schlechtes Volumen im Brote. Schon manche, so gutgemeinte
chemische Behandlung der Mehle oder falsche Behandlung des Weizens
auf dem Konditioneur hatten alle Bemühungen zunichte gemacht. Sobald
die Dehnbarkeit ein wenig zu viel gekürzt wird, so wirkt sich das sofort
in der Teigführung und in mangelhaftem Volumen des Brotes aus.
Abb. 155. Extensogramme Von einem sehr kurzen Mehle.
Das Prinzip der Prüfung eines Mehles mit dem Extensographen beruht
auf der Messung der Dehnbarkeit und des Dehnwiderstandes eines läng
lich geformten Teigstückes bis zur Bruchgrenze. Es ist also eine genauestens
registrierte Zerreißprobe einer gärenden Teignudel, welche nach bestimmten
Grundsätzen geformt wird.
In dem so erhaltenen Kurvenbild (Extensogramm) stellt die Höhe der
Kurve den jeweils vorherrschenden Dehnwiderstand dar, während die Länge
des Kurvenbildes die Dehnbarkeit anzeigt.
Die Messung wird am gärenden Teig vorgenommen und die einzelnen
Zerreißproben in Zeitabständen von je 30 Minuten fünfmal wiederholt. 435